Lieblingslieder 06: Reinhard Mey - “Lass nun ruhig los das Ruder“





In seiner im Dezember gestarteten Kolumne hat sich Ingo Andruschkewitsch nun zum ersten Mal mit einem deutschsprachigen Titel beschäftigt. Und während man sich bei Depeche Mode oder Black Sabbath gefragt hat, wie soll das denn funktionieren, wenn man sich auf die akustische Gitarre beschränkt, so erscheint Ingos Lieblingslied von Reinhard Mey in diesem Monat da schon wesentlich problemloser.

Reinhard Mey ist eine Institution in der deutschen Musikerszene. Seit seiner ersten Schallplatte im Jahr 1967 (Ich wollte wie Orpheus singen) bis zu seinem aktuellen Album (Das Haus an der Ampel) liefert er regelmäßig Qualität ab. Wer kennt nicht seine großen Hits wie – natürlich - “Über den Wolken“, Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht“ oder “Gute Nacht Freunde“. Weniger bekannt ist vielen Deutschn, dass er als erster Nichtfranzose den „Prix International de la Chanson française“ erhielt. In Frankreich unter dem Namen Frédérik Mey unterwegs, war er ein Megastar.

Schon früh bin ich ein großer Fan seiner Musik und seiner Liedtexte geworden. Mit der ersten Auflage seines Liederbuches Alle Lieder von Anfang an von 1977 habe ich einen Großteil meiner Jugend verbracht und viel über das Gitarrenspiel gelernt. Von vielen oft etwas belächelt besitzt es mehr Tricks und Kniffe, als meist angenommen wird. Ich habe schon einige herausragende Gitarristen gesehen, die beim Spielen mancher seiner Lieder grandios gescheitert sind. Vor allem seine Live-CDs, bei denen nur Reinhard Mey mit seiner Gitarre zu hören ist, sind meines Erachtens ein Muss.

Im Frühjahr 2013 erschien - Reinhard Mey war gerade 70 Jahre alt geworden – sein Album Nummer 26 (!). Sicherlich gibt es musikalisch keine Experimente, doch in seinen Texten war und ist Reinhard Mey immer relevant geblieben. Im Herbst 2013 spielte ich erstmals bei einer kirchlichen Trauerfeier Gitarre (meist wird doch die Orgel gewünscht). Neben anderen Liedern, wurde “Lass nun ruhig los das Ruder“ gewünscht. Der Verstorbene war Fan und der Seefahrt affin. Die Noten kann man ganz einfach von der Homepage Reinhard Meys kostenlos herunterladen (wie übrigens alle Noten seiner Platten seit 1983 – toller Service). Und so habe ich dieses Lied spielen und lieben gelernt.
Textzeilen wie:

„Und das Dunkel weicht dem Licht
Mag es noch so finster scheinen
Nein, hadern dürfen wir nicht
Doch wir dürfen weinen“


können in schlichten Worten unglaublich tröstend sein.



Achtung: Wegen urheberrechtlichen Bedenken, wird das Video evtl. teilweise stummgeschaltet. Hier der Link zu einer Version von Reinhard Mey: https://www.youtube.com/watch?v=Ti8yjU4qdZk

Meine Version von “Lass nun ruhig los das Ruder“ ist eng am Original. Gitarristisch leicht unterschiedlich gestaltet – eben auf meinen Spielstil abgestimmt. Ein Lied - in all seiner Schlichtheit - große Kunst, wie es nur wenige Künstler können. Ein verdientes Lieblingslied!


Ingo Andruschkewitsch



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