Musik an sich


Reviews
Fiorenza, N. (Demicheli)

Concerti & Sonate


Info
Musikrichtung: Barock

VÖ: 01.04.2009

(Fuga Libera / Note 1 / CD / DDD / 2008 / Best. Nr. FUG549)

Gesamtspielzeit: 66:37

Internet:

Dolce & Tempesta



HITZIGES GEMÜT

Ein echter Hitzkopf muss er gewesen sein, der Neapolitaner Nicola Fiorenza (ca. 1700-1764). Nicht nur mit anderen führenden Figuren und Lehrern im Musikleben der italienischen Stadt geriet er immer wieder in heftigen Streit, sondern auch mit seinen Konservatoriumsschülern, die er - bei ihm ungenügend erscheinender Leistung - auch schon einmal mit dem Degen attackierte. Nachdem alle Ermahnungen zur Mäßigung nichts fruchteten und immer wieder Schüler aufgrund von Blessuren oder blanker Panik dem Konservatorium fern blieben, musste der Maestro schließlich seinen Posten räumen.
Seiner Musik allerdings hat jenes lodernde, südliche Temperament keineswegs geschadet. Das Ensemble Dolce & Tempesta hat schon früher Kompositionen Fiorenzas als Beimischung zu einer CD mit Werken Porporas präsentiert (siehe MAS-Review) und dabei zugleich Neugierde geweckt und Lust auf mehr gemacht. Beides wird mit dieser Produktion nun befriedigt. Die Musik Fiorenzas ist noch vom Prinzip des Kontrapunkts her gedacht, leitet aber durch ihre ausgeprägte Melodik bereits über zu Vorstellungen der Frühklassik. Der Komponist erweist sich dabei als mustergültiger Vertreter der neapolitanischen Schule und vieles erinnert dementsprechend noch an die Vorgängergeneration und ihren führenden Vertreter, Leonardo Leo.
Der Kontrast zwischen den sanglichen Mittelsätzen und den teils erruptiv wirkenden Ecksätzen könnte kaum größer sein. Die Violinkonzerte kommen dabei sehr virtuos und überschäumend daher, während die Flötenkonzerte in ihrer lyrischen Breite einen starken Zug ins Grüblerische, Melancholische haben.

Das Orchester spielt mit viel Verve und recht druckvoll. Neben der Leistung der Violinen in den Solo-Partien verdient vor allem das sensible Spiel von Tommaso Rossi auf der flauto dolce Erwähnung, aber auch der eindrucksvolle Einsatz des Cellisten Marcello Scandelli.
Fiorenza heute unter solchen Bedingungen zu hören ist gewiß ein weit größeres Vergnügen als es wohl damals der Besuch seines Unterrichts war.



Sven Kerkhoff



Trackliste
1-4 Concerto f-moll für Flöte
5-8 Concerto D-Dur für 2 Violinen
9-12 Concerto g-moll für 3 Violinen
13-16 Sonate A-Dur für Violine
17-20 Concerto D-Dur für 2 Violinen
21-24 Sinfonia g-moll für Flöte, 2 Violinen und B.c.
Besetzung

Dolce & Tempesta

Stefano Demicheli: Leitung


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