Ørjan Nilsson erzählt, was Morten Harket in den Jahren getrieben hat, in denen es A-Ha nicht gab




Info
Autor: Ørjan Nilsson

Titel: Heimkehr. Morten Harkets prägende Phase 1993 - 1998

Verlag: Hannibal

ISBN: 978-3-85445-695-7

Preis: € 23

224 Seiten


Wäre das hier eine „normale“ Morten Harket-Biographie, für die ein Verlag - sagen wir mal - 500 Seiten spendiert hätte, dann würde das, was in Heimkehr berichtet wird, wahrscheinlich auf den Seiten 392 bis 422 stehen. Der Löwenanteil auf den ersten knapp 400 Seiten wäre der Karriere von A-Ha gewidmet und die letzten 80 Seiten der wiedervereinigten Band.

Ørjan Nilsson aber widmet sich genau der Zeit dazwischen, der Zeit, in der es A-Ha nicht gab und Morten Harket nicht nur eine Solo-Karriere gestartet hat, sondern sich auch in verschiedenen Bereichen von Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft betätigt hat.

Nilsson konzentriert sich dabei sehr konsequent auf die A-Ha-losen Jahre Harkets. A-Ha kommen eigentlich nur hinsichtlich des Reunionkonzertes am 11. Dezember 1996 in den Blick, das anlässlich der offiziellen Verleihung des Friedensnobelpreises an den späteren Staatspräsidenten José Manuel Ramos-Horta und den Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo stattfand, die für ihre Bemühung um eine friedliche Lösung des Osttimorkonflikts ausgezeichnet wurden.

Ich sag’s mal kurz: Nötig wäre dieses Buch nicht gewesen. Ja, es ist nicht ganz uninteressant zu erfahren, dass sich Morten Harket für die Menschenrechte in Osttimor eingesetzt hat, dass er sich für die Konstruktion von Booten interessiert und sogar ein so guter Holzschnitzer ist, dass die Bootsbauer ihn wegen dieser Expertise als Gesprächspartner auf Augenhöhe akzeptiert haben.

Aber eine eigenständige Persönlichkeit jenseits von A-Ha mit einem erkennbaren Profil wird aus dem Erzählten nicht deutlich. Im Gegenteil, gerade weil er in diesen ja nur gut vier Jahren, so viele unterschiedliche Sachen anpackt, entsteht eher das Bild eines verwöhnten Promis, der aufgrund seiner Prominenz in Norwegen die Möglichkeit hat, relativ leicht in die unterschiedlichsten Bereiche einzusteigen, sich dort ein wenig umtut, um dann zur nächsten Blüte weiter zu fliegen. Man hat nicht einmal den Eindruck hier jemanden vor sich zu haben, der ernsthaft auf der Suche ist.

In diesen Jahren wurden auch einige Solo-Sachen aufgenommen und veröffentlicht. Ørjan Nilsson lobt sie zwar ausdrücklich, schildert sie dann aber doch so, dass man zumindest zwischen den Zeilen lesen kann, dass sie so das Gelbe vom Ei wohl doch nicht gewesen sind.

Auch seine Rolle als Moderator des Eurovision Song Contests, der nach dem Sieg von Secret Garden im Vorjahr 1996 in Norwegen stattfand, war wohl zumindest umstritten.

Da die A-Ha-Zeit so gründlich abwesend ist, ist Heimkehr letztlich eher eine Lektüre für den A-Ha-Fan, der über seine Band schon alles weiß und jetzt gerne auch noch einen Blick in die Zeit werfen möchte, in denen es seine Lieblinge nicht gab. In einem Wikipedia-Artikel würde das, was hier intensiv besprochen wurde, wohl kurz unter „Trivia“ abgehandelt.


Norbert von Fransecky



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