Musik an sich


Reviews
Callisto

Providence


Info
Musikrichtung: Post Metal/Progressive Rock

VÖ: 27.03.2009

(Fullsteam Records/PIAS)

Gesamtspielzeit: 68:27

Internet:

http://www.callistochaos.com
http://www.myspace.com/callistochaos


Weite, naturbelassene Landschaften mit vielen Seen und üppigen und undurchdringlichen Wäldern, lange Winter und Sommertage an denen es nicht dunkel wird, sowie eine Atmosphäre die eine melancholische Grundstimmung verbreitet. Dies ist gemeinhin das, was man sich unter der Natur Finnlands vorstellt. Und Providence, das neue Album der sechs Finnen Callisto, verbreitet genau ein derartiges Gefühl, sobald es mit ein paar zart angeschlagenen Akkorden und weiten Keyboard- und Gitarrenflächen beginnt. Die Band durchbricht diese düstere und schwermütige Grundstimmung zwar immer wieder durch kurze, emotionale Ausbrüche mit erschütternden Growls im Gegensatz zum sonst klaren Gesang, doch bleibt man ansonsten dieser Linie vom Anfang bis zum Ende treu.

Diese Ausbrüche sind auch das was Callistos Wurzeln im Post Hardcore und die Verwandtschaft zu Bands wie Neurosis, Breach oder Isis zeigt. Doch wo diese den Hörer Lärmmassive erklimmen lassen, setzt man auf Providence voll auf Melodie und rückt sich dadurch in die Nähe von Bands wie The Gathering, Amorphis oder Opeth in ihren ruhigen Momenten. Nicht umsonst hat man 2008 mit Jani Ala-Hukkala einen neuen Sänger mit einer klaren Stimme verpflichtet, dem man auf dem neuen Album eine große Rolle zuerkannte und die typischen Shouts von Gitarrist Markus Myllykangas in den Hintergrund drängte. Der Großteil der Musik schleppt sich im gemäßigten und friedlichen Tempo durch das Album. Wirklich aggressiv wird es selten bzw. nicht durchgehend, auch wenn es z.B. bei „Eastern era“ etwas rockiger wirkt. Aufwühlende Kontrapunkte wie bei „Stasis“ oder „Dead weight“, welche den Hörer aus der sich anschleichenden Lethargie reißen, finden sich allerdings immer wieder und geben dem Sound der Band eine gewisse Würze.

Denn durch die Ähnlichkeit der einzelnen Songs driftet man schnell ab, was nicht nur positiv zu verstehen ist. Denn man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken, dass sich der eine oder andere Part auf Providence wiederholt, selbst wenn das nicht wirklich der Fall ist. Ein paar griffige Hooks mehr würden sicher nicht schaden. Auch ist die an den Tag gelegte Schwermut und Tristesse sicherlich nicht jedermanns Sache. Deswegen ist es äußerst positiv, wenn Callisto etwas experimentieren und fremde Einflüsse in ihre Musik einflechten. Neben Mellotrontönen finden auch mal ein Glockenspiel oder eine Trompete ihren Platz. Letztere verbreitet jazzig gespielt in „New Canaan“ sogar ein regelrechtes Lounge-Feeling und lässt dadurch aufhorchen.

Was ist das Gehörte nun: Post Rock, Post Metal, Progressive oder Psychedelic Rock? Ganz egal welche Schublade man aufmacht, Callisto finden mittlerweile irgendwie überall und doch wieder nirgends ihren Platz. Tatsache ist auf jeden Fall, dass die Band mit ihrem dritten Longplayer ein ziemlich angenehmes, melodiöses Werk geschaffen hat, zu dem man wunderbar entspannen und den Geist baumeln lassen kann. Allerdings ist es mit 68 Minuten ein wenig zu lang geworden und gerade in der Mitte kann man eine gewisse Langatmigkeit nicht leugnen.



Mario Karl



Trackliste
1In session6:34
2 Rule the blood6:43
3 Covenant colours7:45
4 Eastern era5:38
5 New Canaan6:55
6 Stasis7:38
7 Where the spirits tread6:27
8 Dead weight6:10
9 Drying mouths (In a gasping land)7:09
10 Providence7:28
Besetzung

Markus Myllykangas (Back Vocals, Guitar)
Johannes Nygård (Guitar)
Juho Niemelä (Bass, Backing Vocals)
Ariel Björklund (Drums)
Arto Karvonen (Synth, Sampler)
Jani Ala-Hukkala (Vocals)


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