Musik an sich


Reviews
Das Zeichen

The Apsara Tapes


Info
Musikrichtung: Ethno-Trance

VÖ: 16.05.2003

(Etage Music / EFA)

Gesamtspielzeit: 64:40

Internet:

www.das-zeichen.info


Also, da ist als singende Gitarristin eine Indien-erfahrene Malerin, die in Portugal lebt und Yoga-Unterricht gibt. Da ist ein kambodschanischer Cellist, der bereits bei Rio Reiser gespielt hat. Da ist ein percussiver Musikjournalist der u.a. mit der Dark-Ambient-Größe Mathias Grassow CD-Projekte auf die Beine gestellt hat. Außerdem ein Bandboss, mit Stimme, Tasten- und Saiteninstrumenten.

Wenn man danach irgendetwas über die Musik von Das Zeichen vermuten kann, dann vor allem, dass es keine gewöhnlichen Klänge von der Stange sein werden - und damit liegt man völlig richtig.

Gewöhnliche Klänge von der Stange sind zwar in aller Regel langweilig, machen es dem Rezensenten aber leicht, seine Pflicht mit ein paar locker hin geworfenen Vergleichen zu erfüllen. Der Umkehrschluss, das man beim Zeichen mit Vergleichen nicht weit kommt, gilt im vollen Maße.

Kambodscha und Indien - dabei denkt der Durchschnitts-Europäer in der Regel an exotische Landschaften und buddhistische Mönche. Die Trance-artige Wirkung der Mönchsgesänge hat auch durchaus Ähnlichkeiten mit der Wirkung, die die Kompositionen des Zeichens auslösen.

Die Cello- und Gitarrenbegleitung holt uns aber schnell wieder ins alte Europa zurück. Alt ist hier wörtlich zu nehmen. Denn die Melodien haben nichts mit der Moderne zu tun.

Modern ist höchstens das Didgeridoo - zumindest in Europa. In Australien ist es seit Jahrhunderten im Gebrauch. Und damit erreichen wir auch schon wieder die religiöse Dimension, bei der wir in Indien begonnen haben.

Ob Dirk, Carsten und Consorten religiös sind, davon steht nichts im Booklet. Aus den Texten lässt sich nichts ergründen. Und ob der „hidden“ Track, das “Kyrie“ von Popol Vuh, der sich nach 30 Sekunden Pause an den Schlusssong anhängt, in diese Richtung weist, lassen wir mal offen.

Was wir nicht offen lassen brauchen, ist die Erkenntnis, dass derjenige, der sich auf Das Zeichen einlässt, zumindest quasi-religiöse Erlebnis haben kann. Denn die in der Regel zwischen 5 und achteinhalb Minuten langen Stücke, die sich auch untereinander nicht so massiv unterscheiden, ergreifen den sich ihnen hingebenden Hörer, heben ihn in transzendente Sphären und eröffnen ihm Erfahrungen anderer Welten. Und das ist eine letztlich religiöse Erfahrung, die unsere ach so moderne Zeit nur in der Regel nicht in Worte fassen kann.

Dass sich das meditativ rockende Quartett auf realitätssprengende Träume einlassen kann, das zeigt das Booklet dann doch wieder. “Peace is possible!“ steht da an hervorgehobener Stelle - und das ist eine Hoffnung, die kaum aus der erfahrbaren Realität ableitbar ist.

In diesen Sinne fühlt euch alle zur Zeichen-Reise ermuntert.



Norbert von Fransecky



Trackliste
1Foia5:02
2Katameria (Marche mosaique)6:04
3Fado Cuidado4:34
4McAsher6:07
5Andacca (Part I)8:24
6Apsara5:23
7In-a-derin-da ... somewhere4:28
8Andacca (Part II)4:26
9Turandot7:20
10Quara mia7:10
11Kyrie eleison4:54
Besetzung

Dirk Schlömer (Git, Keys, Voc)
Raphaela Hermes (Voc, Git)
Sonny Thet (Cello)
Carsten Agthe (Perc, Didgeridoo)

Gäste:
Mathias Grassow (Keys <5, 10>)
Peter Sonntag (B <7>)


  << 
Zurück zur Review-Übersicht
  >>