Cazzati, M. (Borgioni)

Motetten und Sonaten


Info
Musikrichtung: Frühbarock

VÖ: 03.03.2023

(PAN / Note 1 / CD / 2021 / Artikelnr. PC 10446)

Gesamtspielzeit: 77:33

Internet:

Mauro Borgioni


Macnhmal könnte man den Eindruck haben, in Italien kam nach Claudio Monteverdi erst einmal lange Zeit nichts. Zwar ist aus der Nachfolgegeneration vieles überliefert, aber nur weniges findet den Weg in die Konzert- oder CD-Programme. So erging es bislang auch der Musik von Maurizio Cazzati (1616-1678), einem der einflussreichsten und produktivsten Komponisten, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts in Ferrara, Bergamo und vor allem in Bologna wirkte. Seine rund 2000 Kompositionen, die er zu Lebzeiten in 66 gedruckten Bänden selbst herausgab, galten später vielfach als dröge, schulmeisterlich und wenig inspiriert. Dass das glatte Gegenteil richtig ist, beweisen nun der Bariton Mauro Borgioni und das kleine Ensemble Seicento Stravagante, die den Schwerpunkt auf geistliche Motetten legen. Cazzati zeigt hier ein breites Ausdrucksspektrum und weiß die Freiheiten, die die Form der Motette bietet, geschickt zu nutzen. Das ist alles nicht nur voller blühender Melodien, sondern überdies angereichert mit kühnen harmonischen Effekten, Farb- und Rhythmuswechseln auf kleinstem Raum, dabei zwar bisweilen von weltlich scheinender Dramatik, aber doch immer eng am Inhalt der religiösen Texte orientiert.

Borgioni intoniert kraftvoll inbrünstig, aber ganz ohne jede Übertreibung. Seine Tongebung ist bei aller Makellosigkeit nie unpersönlich, sondern transportiert auf angenehmste Art etwas Hingebungsvolles

Dabei ist allerdings festzustellen, dass ein Teil des Reizes der Produktion darauf zurückzuführen ist, dass neben der Violine auch ein Zink, jenes Blasinstrument mit hoher Tessitura bei gleichzeitig durchdringendem und doch weichem Klang, begleitend zum Einsatz kommt. Was David Brutti hier herausholt, ist wirklich staunenswert. Damit entsteht sogar in den Sonaten ein polychromes Spektrum. Bei einer Spielzeit von 77 Minuten kommen die Möglichkeiten zum Farbwechsel naturgemäß gleichwohl irgendwann an ihr Ende.



Sven Kerkhoff



Trackliste
Motetten:
Stillae sparse per me; Factum est praelium magnum; Dulcis amor; Annuntio vobis; Eja crudeles; Regina coeli; Mortali, che fate

Sonaten:
Sonaten III "La Bulgarina", IV "La Calcagnina", VI "La Giralda", XII "La Strozza"; La Calva & La Pezzola aus "Il secondo libro delle sonate a una, doi..." op. 8"
Besetzung

Mauro Borgioni: Bariton

Seicento Stravagante
David Brutti: Zink
Nicola Lamon: Orgel, Cembalo
Paolo Perrone: Violine


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