Musik an sich


Reviews
Zhenya Strigalev’s Smiling Organiszm

Robin Goodie


Info
Musikrichtung: Modern Jazz

VÖ: 06.02.2015

(Whirlwind Records)

Gesamtspielzeit: 73:05

Internet:

http://www.zhenyastrigalev.com/html/
http://www.whirlwindrecordings.com/


Der Altsaxofonist stammt aus St.Petersburg. Dort gewann er im Alter von siebzehn einen regionalen Jazzwettbewerb. Seine späteren Stationen lauteten London und New York. In den USA sind auch die Aufnahmen für dieses Album eingespielt worden, bereits 2012. Dabei haben den unbekannten Musiker eine Reihe hochkarätiger Profis der amerikanischen Jazzszene begleitet und ich hoffe, dass dieses ein wenig zum Popularitätsschub beitragen wird.

Wie sich ein Teig schwer reißend vom Löffel lösen kann, so erscheint es mir beim Eröffnungssong des Albums. Schleppend zieht er sich dahin und verbreitet eine sperrige, wenngleich auch nicht unangenehme Stimmung. Gleich zeigt sich auch das unbestrittene Talent des Musikers im Ausdruck auf seinem Instrument, auf einer klaren Linie auf der Suche nach einem eigenen Ton.
Grundsätzlich scheint diese Musik nicht so recht in bekannte Schemata passen zu wollen, so ist es zum Beispiel beim zweiten Titel der gestrichene Bass, der über holperndem Schlagzeug Akzente setzt.

Klingt es manchmal auch wie moderner traditioneller Jazz, dann mischen sich wiederum Fusion-Elemente ein, dann wird es freier im Ausdruck, dann wirken die Arrangements wie für eine kleine Big Band, ein wenig avantgardistische Einwürfe erfolgen, und dann höre ich ein bisschen, dass mich erinnert an Musik von Willem Breuker und dessen augenzwinkernde Elemente humoriger Spielarten.

Sharp Nightswingt stolpernd los und das Altsaxofon soliert unverdrossen, bis mit Pinch zur Ruhe geblasen wird.
Mir fällt auf, dass der Drummer oft recht hart und akzentuiert spielt und manchmal deftig mit der Snaredrum Zeichen setzt.
Unter anderem mit Urgent Ballad geht es ein wenig ruhiger und beschaulicher zu, Bass und Saxofon begeben sich in dieser ‘dringenden Ballade‘ gemeinsam in eine sanft melancholische Umgebung, und verträumt zieht der Song seine Runden, bevor es mit flatterndem und gehetztem Ausdruck mit dem Titel Renduta zum Schluss kommt. Und genau hier spüre ich jene Musik, wie sie einst von Ornette Coleman Ende der Fünfziger/Anfang der Sechziger gespielt wurde.

Hinterlassen wird für mich ein Ausdruck von Überraschung, denn es waren nach dem ersten Hördurchlauf eine Menge verschiedener Eindrücke, die erst einmal zu verarbeiten waren in einem zweiten Durchlauf, der die Eindrücke insofern noch einmal sehr positiv vertiefen konnte.
Das letzte Wort überlasse ich dem Protagonisten und bescheinige ihm gleichzeitig, dass er seine Absicht treffend umgesetzt hat: »Ich wollte gradlinigen Jazz mit Groove und Fusion-Beats vermischen«.



Wolfgang Giese



Trackliste
1 KUKU
2 Horizontal Appreciation
3 Sharp Night
4 Pinch
5 Unlimited Source of Pleasure
6 Stake
7 Robin Goodie
8 Lorton
9 Personal Opinion
10 Urgent Ballad
11 Renduta
(all compositions by Zhenya Strigalev)
Besetzung

Zhenya Strigalev (alto sax)
Ambrose Akinmusire (trumpet)
Taylor Eigsti (piano)
Tim LeFebvre (bass guitar)
Larry Grenadier (double bass)
Eric Harland (drums)



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