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Frost in der Hölle und Schnee in Kalifornien: Don Felder und die Eagles




Info
Autor: Don Felder / Wendy Holden

Titel: Mein Leben mit den Eagles 1974-2001 - Durch Himmel und Hölle

Verlag: Hannibal

ISBN: 978-3-85445-295-9

Preis: € 29,90

320 Seiten

Internet:
http://www.hannibal-verlag.de

Hell Freezes Over - so hieß das erfolgreiche Comeback-Album der Eagles 1994, dessen Titel sich darauf bezog, dass nach der Auflösung der Band im Jahre 1981 von Don Henley ausgeschlossen wurde, dass man noch einmal zueinander finden würde - eher würde die Hölle zufrieren... Doch wider Erwarten gefror die Hölle und Glenn Frey, Don Henley, Joe Walsh, Timothy B. Schmit und Don Felder rauften sich zusammen, gaben wieder Konzerte und veröffentlichten schließlich Hell Freezes Over, welches zwar kein neues Studioalbum, aber eben doch ein Live-Lebenszeichen war.

Don Felder ist seit 2001 nicht mehr mit an Bord (der Rest der Band macht aber unermüdlich weiter und tourt im Sommer 2011 sogar durch Deutschland), zu einer erneuten Reunion mit Glenn Frey und Don Henley reicht aber wohl nicht mehr das Gefrieren der Hölle - nein, da müsste schon mehr passieren, denn dies scheint wohl so ähnlich unmöglich wie die Wahrscheinlichkeit, dass sich morgen die Erde aufhört zu drehen oder dass an einem Tag auf unserem Planeten "Hotel California" nicht irgendwo im Radio läuft... Don Felder würde laut einiger Aussagen in seinem Buch schon wollen, aber nach den Gerichtsstreitigkeiten nach seinem Rausschmiss ist eine Rückkehr wohl eher unwahrscheinlich. Und der Rest der Eagles hat es ja 2007 auch ohne ihn geschafft, nach 28 Jahren endlich ein neues Studio-Album vorzulegen...

Mit Mein Leben mit den Eagles 1974-2001 - Durch Himmel und Hölle legt Don Felder zusammen mit der Co-Autorin Wendy Holden nun seine Biografie vor. Der Buchtitel ist dabei eigentlich verfehlt: es geht natürlich nicht nur um die Eagels-Zeit von Don Felder, sondern um sein ganzes Leben. Und wie die Eagles eine recht amerikanische Band sind, so ist dementsprechend amerikanisch der Lebenslauf von Don Felder: aufgewachsen in - wie er nicht müde wird zu betonen - äußerst ärmlichen Verhältnissen hat er seinen Weg wie der sprichwörtliche Tellerwäscher zum Millionär gemacht.

Als Jugendlicher hat er bereits mit Stephen Stills in einer Band gespielt und sogar einem gewissen Tommy Petty Gitarrenunterricht gegeben, auch in Woodstock, wenn auch nur als Besucher, war er dabei. Seine musikalische Karriere war zunächst eher mäßig erfolgreich, weder die Band Flow noch seine Tätigkeit als Jinglekomponist waren erfüllend. Die entscheidende Wendung in seinem Leben brachte schließlich der Umzug von Boston im absoluten Osten der USA ganz in den Westen nach Kalifornien. Wenig später wird er festes fünftes Eagles-Mitglied - über seinen Jugendfreund Bernie Leadon kommt er zur Band, die bereits zuvor mit zwei Alben erste Achtungserfolge erzielt hatten. Und mit seinem Beitrag zur Komposition des Hits "Hotel California" hat er wohl zwei Jahre später einen Teil Musikgeschichte geschrieben... Während Leadon und auch später Randy Meisner die Band verließen, blieb Felder bis zur vorübergehenden Auflösung und auch bei der folgenden Reunion dabei.

Durch Himmel und Hölle ging Don Felder dabei: wilde Zeiten, gute Musik und Kokain begleiteten seinen Lebensweg - rein drogenmäßig schneite es damals wohl recht häufig in Kalifornien... Aber vor allem im Innenleben der Band rumorte es: von einer demokratischen Bandbesetzung zu einer Zweimanndiktatur entwickelten sich die Eagles aus Sicht von Don Felder, der Glenn Frey und Don Henley in späteren Buchpassagen konsequent nur noch ironisch als "die Götter" bezeichnet. Und vor allem nach der eher finanziell als musikalisch inspirierten Bandreunion fühlte sich Felder nicht mehr als vollständiges Mitglied, sondern nur noch als unterbezahlter Begleitmusiker.

Eagles-Fans werden das bereits 2008 auf deutsch erschienende Buch vermutlich längst haben, doch auch für jene, die nur "Hotel California" von den Eagles kennen, bietet das Buch interessanten Lesestoff und einen Einblick hinter die Kulissen einer zerstrittenen Band. Lesenswert!


Jürgen Weber



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