De Hita, A. R. (Recasens, A. – La Grande Chapelle)

Lateinische Vokalwerke


Info
Musikrichtung: Barock / Klassik / Geistliche Musik

VÖ: 03.11.2023

(Lauda / Note 1 / CD / DDD / 2022 / LAU 024)

Gesamtspielzeit: 68:38



AUFGEKLÄRTE FREIHEIT

Der Spanier Antonio Rodriguez de Hita (1722 bis 1787) legte eine für seine Zeit nicht untypische Doppelkarriere als Geistlicher und Komponist hin. Bekannt ist er heute vor allem wegen seiner Werke für die Opernbühne: Er sorgte für den durchschlagenden Erfolgt der typisch spanischen Form des Musiktheaters, der Zarazuela. Dieses Singspiel mischte folkloristische Klänge in Tänzen, Chören, Arien und gesprochene Dialoge. Unter De Hita gewann dieses Genre noch einmal besondere Aufmerksamkeit, weil er es mit seinen Librettisten durch die Wahl volkstümlicher Stoffe weiter popularisierte.

Doch der größte Teil von de Hitas Schaffen bestand aus geistlicher Musik. Davon präsentiert das Ensemble „Le Gand Chapelle“ unter Albert Recasens nicht zum ersten Mal eine illustre Auswahl: Dieses Mal stehen unter anderem Psalmen, Hymnen oder Motetten vor allem zum Weihnachtsfestkreis auf dem Programm, in dem für de Hita typischen hybriden Stil, der spätbarocke und frühklassische Elemente mit den alten polyphonen Satztechniken zu einem organischen Ganzen verbindet.
De Hita plädierte ganz im Geiste der Aufklärung für die künstlerische Freiheit eines gut ausgebildeten Komponisten – so lange das Resultat dem Ohr wohlgefällig blieb. Und so ist seine Musik bei aller formalen Flexibilität klanglich dem galanten Klangbild seiner Zeit verpflichtet. Schöne, eingängige Melodien und kontrapunktischer Satz müssen keine Gegensätze sein. Der Gesamteindruck ist sonor, rund und ausgewogen, ohne allzu große Überraschungen. Dass De Hita ein Bühnenmusiker war, hört man freilich auch: Er weiß sehr wohl, wie man das Material im Sinne eines „theatrum sacrum“ disponieren muss, damit es Effekt macht – von daher passt seine Musik bestens zu den verspielten, szenisch überreich ausgestatteten Kirchen des späten Barocks.

Die Interpretation durch das Ensemble „Le Gand Chapelle“ trägt dem durch eine abgerundete und verbindliche Darbietung in kleiner, aber klangvoller Besetzung Rechnung, die von der angemessen weichzeichnenden Kirchenakustik in ein warmes Licht getaucht wird. Die Präsentation und Dokumentation dieser Weltersteinspielungen durch das Label Lauda sind wie immer sehr sorgfältig und geschmackvoll.



Georg Henkel



Trackliste
Laudate Dominum; Missus est Gabriel; Credidi; Canion Nr. 7 im 7., Ton; Cancion Nr. 3 im 3. Ton; Ave maris stella; Lamed. Matribus suis; Magi veniunt ab Oriente; Illuminare Ierusalem; Omnes de Saba venient
Besetzung

Le Gand Chapelle

Albert Recasens, Leitung


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