Tim Allhoff

Lepus


Info
Musikrichtung: Fusion

VÖ: 25.01.2019

(Unit Records)

Gesamtspielzeit: 72:14

Internet:

http://timallhoff.com/
http://www.uk-promotion.de/home/
http://unitrecords.com/de/


Der 1980 geborene Pianist und Komponist Tim Allhoff stammt aus Augsburg. Nach autodidaktischem Erlernen des Klavierspiels studierte er später am Richard-Strauss-Konservatorium in München. Seine erste Band war ein Trio mit Bass und Schlagzeug. Diese Musiker, Andreas Kurz und Bastian Jütte, sind auch auf dem neuesten Werk, Lepus, mit an Bord. Zwischenzeitlich bezeichnete man Allhoff als den “Piano Shooting Star der Republik“.

Diese und andere Vorschusslorbeeren und Auszeichnungen beeinflussen sicher bei der Beurteilung der neuen Platte, aber irgendetwas muss es ja geben, dass zu den guten Kritiken geführt hat. Interessant ist es, bereits im Vorfeld zu lesen, dass die sechste Platte des Protagonisten von einem Streichquartett, dem Leopold-Mozart-Streichquartett musikalisch erweitert wird um offensichtlich etwas, dass im Jazz-Umfeld Einlass begehrt. Allhoff selbst sagt hierzu: …und warum nicht mal ein Album präsentieren, bei dem den Hörer bei vielen Stücken eine jeweils ganz andere Welt erwartet. Eben einfach eine Anthologie dessen, was an Musik aus mir raus will, befreit von jedem Schubladendenken..

Nun, das wird ja immer spannender, Zeit für einen ersten Hördurchlauf. Der Titel der Platte bezieht sich auf den Feldhasen (Lepus europaeus). Man sieht ihn auf dem Cover und der zweite Track ist der Titelsong. Wie der Pianist in den Liner Notes zu den einzelnen Stücken schreibt, hätten Hasen für ihn bereits seit seiner Kindheit eine besondere Bedeutung gehabt. Und warum nicht einmal eine Widmung für das possierliche Tierchen? Und so finden wir weitere Erwähnungen des Hasen bzw. des Kaninchens, “Following The Rabbit“, “Missing Tokki“ (Tokki soll Koreanisch für Hase sein) und “I Am The Hareman“.
Doch es startet zunächst mit “The Demogorgon“, inspiriert durch eine TV-Show, es geht wohl um einen mystischen und gefährlichen Dämonen, den “Prince Of Demons“. Ja, das alles ist fein erklärt von Allhoff, und ich will den Lesespaß nicht vorweg nehmen. Der Song ist musikalisch auf der Basis des Jazz verankert und einer jener ohne die Beteiligung der Streicher. Hier greifen Elemente der Fusion ein und allein durch die Gitarre wird es kraftvoll und zupackend.

Zwar ist es auch weitestgehend weiterhin dahin ausgerichtet, dass sich Jazz und Rock treffen, doch durch die Streicher wird das rhythmisch stark untermauerte Grundelement etwas dichter und komplexer in den Arrangements, so dass sich immer wieder große Spannungsbögen aufbauen und dafür sorgen, dass Abwechslung und Finesse an erster Stelle stehen, und Groove neben swingender Atmosphäre steht, dabei stets auffällig ist, wie sehr sich doch der Pianist mit seiner Rhythmusgruppe versteht, und man herrlich locker miteinander umgeht im Verständnis untereinander, einfach perfekt eingespielt! Und so sind Bass und Schlagzeug nicht reine Rhythmusgeber, sondern bringen immer wieder eigene Beiträge und Gestaltungsmerkmale ein.

Dem Musiker selbst ist wichtig, dass musikalische Vielfalt herrscht, und das ist gelungen, Einflüsse aus Jazz, Rock, Funk und Klassik stehen wie selbstverständlich nebeneinander und verschmelzen zu etwas Neuem. Allerdings mit etwas Altem wird diese tolle Produktion abgeschlossen, mit einer einfühlsamen Piano-Solo-Version eines großartigen Standards, “Lush Life“ von Billy Strayhorn.



Wolfgang Giese



Trackliste
1 The Demogorgon
2 Lepus
3 Fourth Of July
4 Body And Soul
5 Missing Tokki - Part I
6 Following The Rabbit
7 Untitled Yet
8 Epilog
9 Missing Tokki - Part II
10 Jean-Pierre
11 Svenja
12 I Am The Hareman
13 Lush Life
Besetzung

Tim Allhoff (piano, Fender Rhodes, keyboards)
Andreas Kurz (double bass)
Bastian Jütte (drums)
Arne Jansen (guitar - #1, 4, 7, 10, 12)
Lutz Häfner (saxophone - #1, 7, 8, 10, 12)
Nils Wülker (trumpet - #12)
Leopold Mozart String Quartet:
Mariko Umae (violin - #2, 3, 5, 9, 11)
Ziva Ciglenecki (violin – #2, 3, 5, 9, 11)
Christian Döring (viola - #2, 3, 5, 9, 11)
Johannes Gutfleisch (cello - #2, 3, 5, 9, 11)
Christian Fischer (bassoon - #7, 8)



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