Musik an sich


Artikel
CHEENO – Harter, intensiver Rock mit Mut zu Ausbrüchen und Emotionen



Info
Gesprächspartner: Jennie Kloos (Cheeno)

Stil: Alternative Rock/Metal

Internet:
http://www.cheeno.de
http://www.myspace.com/cheenorock

CHEENO – wer diesen Namen hört, denkt vielleicht im ersten Augenblick an Cheeno Moreno, den Frontmann der Deftones. Aber in Zukunft sollte man den Namen viel eher mit einer Band aus dem Saarland verbinden. Im Dezember 2008 veröffentlichte das Quintett nach der 2006er EP Try to rescue ihr Albumdebüt The next step will be the hardest. Die 70-minütige CD macht CHEENO zu den heißesten Debütanten des Jahres. Ihr harter Alternative Rock, welcher gerne auch Richtung Metal schielt, steckt voller Gefühl und Tiefgang, nimmt den Hörer gefangen, rockt aber auch gleichzeitig ungemein mitreißend. Die Band, deren Musiker sich aus dem Umfeld der Düstermetaller Autumnblaze rekrutieren, vergisst dabei nie ihren Songs genug Ecken und Kanten zu verpassen und umgehen damit der Gefahr der Eintönig- und Austauschbarkeit. Über allem trohnt die wunderbare und emotionale Stimme von Jennie Kloos, welche dem CHEENO-Sound erst noch die richtige Würze gibt. Eben jene schnappte sich MAS, um ihr ein paar Fragen zur Band und zum Album zu stellen. Hier die wichtigsten Informationen aus dem Gespräch.





Cheeno gibt es jetzt seit ungefähr drei Jahren. Wie kam es damals zur Bandgründung? Waren Deine vier Mitmusiker als Studio- und Livemusiker bei Autumnblaze künstlerisch nicht ausgelastet und wollten von nun an selbst kreativ werden?

Im Grunde haben wir uns alle fernab der Musik kennen gelernt, da wir einen ähnlichen Freundeskreis haben. Die Idee der Bandgründung entstand dann bei einem gemeinsamen Urlaub und einer guten Flasche Wein. Wir wussten zwar, dass wir alle musikalisch unterwegs sind, aber haben dort erst gemerkt, dass wir uns für die Zukunft ähnliche Dinge vorstellen. Bei Autumnblaze konnten die Jungs ihre eigene Kreativität nicht wirklich ausleben und ich suchte ebenfalls noch meinen eigenen Weg.

Woher habt ihr euren Bandnamen? Wirklich viel darunter vorstellen bzw. Rückschlüsse auf eure Musik ziehen kann man dabei nicht.

Wir wollten als Bandnamen nichts Zweideutiges oder etwas, das mit einer bestimmten Bedeutung vorbelastet ist. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr so ganz genau wer darauf kam, aber am Ende dachten wir wirklich nur „CHEENO - das klingt cool!“

Auf den ersten Blick – weibliche Sängerin, alternativer Rocksound mit harten Gitarren – ist sicher der eine oder andere oberflächliche Beobachter versucht euch in eine Ecke mit Bands wie Die Happy oder Exilia zu stecken. Wie begegnet ihr solchen Vorwürfen bzw. wie würdest Du die Musik eurer Band beschreiben und was macht sie besonders?

Jaja, solche Vergleiche kennen wir zur Genüge und teilweise sind diese so abwegig, dass sie schon für einige Lacher in unserem Proberaum gesorgt haben. Die Happy oder Exilia sind dabei schon eher Beispiele, die grob andeuten, wo’s bei uns hingeht. Was unsere Musik besonders macht? Ich denke, es ist der Mut zu Ausbrüchen und Emotionen, die der Musik die nötige Tiefe, sowie Ecken und Kanten, verleihen. Das Ganze muss natürlich in einem rockbaren Bereich bleiben.

Mit welchen Bands würdet ihr euch am ehesten noch ein eine Schublade lassen? An sich ist das ja immer wieder ein Graus für Musiker, erleichtert es aber potentiellen Fans eventuell euch zu finden.

Auch wenn dieses Schubladendenken oft für Ersthörer sehr hilfreich sein mag, so fällt es mir persönlich doch schwer da eine auf zu machen und uns rein zu packen. Entfernt würde mir eine weniger gothiclastige Variante von Lacuna Coil in den Sinn kommen.

Die Texte eurer Songs drehen sich um große Gefühle wie Liebe und Verzweiflung und die Musik klingt dementsprechend emotional und nicht gerade nach Partysound. Damit bewegt ihr euch meiner Meinung nach auf ähnlichem Terrain wie A Perfect Circle, Dredg oder Oceansize. Da stellt sich automatisch die Frage nach euren Einflüssen, falls solche vorhanden sind.

Ich denke Einflüsse hat im Grunde jeder. Sonst würde man sich ja als Mensch, der keine Musik hört „outen“. Die oben aufgezählten wird man sicherlich auch in unseren CD-Sammlungen, oder zumindest bei einigen von uns finden.

Ihr habt bereits mehrere Bandcontests und Ende 2006 den Deutschen Rock- und Poppreis in der Rubrik Alternative gewonnen. Hat euch das viele Türen geöffnet oder seht ihr das eher als kleine Anerkennung eurer Leistungen bis dorthin?

Der DRuP war für uns hauptsächlich eine große Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein, da es sich um ein unabhängiges Publikum, sowie eine neutrale, professionelle Jury handelte. Ansonsten war uns bei den Wettbewerben wichtig, dass wir viel spielen und dadurch auch andere Bands kennen lernen, um uns auszutauschen. Letzteres ist uns dabei sehr gut gelungen. Wir durften einige sehr gute Bands kennen lernen, mit denen wir noch in Kontakt sind und ab und an die Bühne teilen.

Bandwettbewerbe stehen ja nicht immer in einem guten Ruf und fördern unnötig die Konkurrenz zwischen Bands und am Ende profitiert eher der Veranstalter.

Wir haben oft versucht diese Konkurrenzsituation nicht entstehen zu lassen und das ganze eher positiv zu sehen. In sehr seltenen Fällen ist das zwar nicht geglückt, doch meist blieb bei solchen Zickereien nur noch das Argument „Äh … war ja klar, die hat ja auch Titten“.

Ihr kommt aus einem verhältnismäßig kleinen Bundesland, dem Saarland. Ich kann mir vorstellen, dass es dort eher wenige bzw. kleinere Auftrittsmöglichkeiten als z.B. im Bereich Berlin oder dem Ruhrgebiet gibt. Erschwert euch diese Herkunft das Bekanntwerden eventuell ein wenig?

Ja, es ist hier im Saarland wahrscheinlich schon schwieriger als sonst wo, dennoch versuchen wir das Beste daraus zu machen. Das Saarland hat dennoch seine Reize. Es gibt hier noch viele fantastische Bands, die der Rest Deutschlands entdecken könnte.

Kürzlich erschein eurer Debütalbum The next step will be the hardest. Das textliche Konzept hierzu stammt von eurem Gitarristen Joey Siedl und erzählt eine durchgehende Geschichte. Anfangs gewinnt man den Eindruck es mit einer Art Big Brother-Story zu tun zu haben, aber es stehen wohl eher zwischenmenschliche Dinge im Vordergrund. Kannst Du den Inhalt vielleicht etwas genauer erläutern?

Die Idee des Buches entstand, als Joey auffiel, dass die Texte tendenziell alle von Verzweiflung und scheinbar aussichtlosen Situationen handeln. Das Buch erzählt dabei die Geschichte von Tyler, dessen Leben und seine Beziehung zu seiner Freundin Magareth sich in einer kranken Version unserer Gesellschaft abspielen. Es ist also definitiv nichts für zartbesaitete Gemüter, soviel kann ich vorab sagen.

Auf dem Albumcover und im Booklet der CD sind Zeichnungen der Kanadierin Julie Keene abgedruckt, welche die Geschichte auch ein wenig darstellen. Kanntet ihr die Künstlerin bereits vorher und wie seid ihr in Kontakt mit ihr gekommen?

Wir hatten von Beginn an den Wunsch, ein gezeichnetes Cover für das Album zu verwenden. Also haben wir uns auf die Suche nach jemandem gemacht, der genau unseren Vorstellungen entspricht. Beim „googeln“ sind wir dann auf Julie gestoßen, haben sie angeschrieben, und sie war sofort begeistert und sehr kooperativ. In Zukunft wird man den Namen auch noch öfter bei uns lesen können.

Die auf der CD thematisierte Geschichte wird parallel zur Albumveröffentlichung auch als Buch erscheinen. Was kannst Du uns hierzu sagen? Wird dies eventuell ähnlich wie das CD-Booklet illustriert sein?

Das Buch ist ein Roman, also nicht illustriert. Allerdings sind unsere zwei Hauptfiguren auch auf dem Buchcover wieder zu finden.

The next step will be the hardest habt ihr komplett in Eigenregie aufgenommen und produziert. Gab es nie die Überlegung eine externe Person mit heranzuziehen, der eine etwas andere Sichtweise mit ins Projekt einbringt?

Für uns war von Anfang an klar, dass wir da keine zusätzlich Person mit an Bord haben wollten. Denn nur so konnten wir sicher gehen, dass das Endprodukt dann auch genau das wurde, was wir haben wollten. Das Album ist 100% CHEENO und klingt auch so.

Du bist eine klassisch ausgebildete Sängerin und bist bisher in einigen Konzerthäusern auf der Bühne gestanden und auch für verschiedene Fernseh- und Werbeaufnahmen tätig. Deine neue kreative Spielwiese hebt sich hiervon ein ganzes Stück ab. War es schon ein lange gehegter Wunsch von Dir in einer Rockband zu singen?

Ich habe zuvor ja schon in anderen Bands gesungen. Im Endeffekt wollte ich nur eine Band finden bzw. gründen die genau das macht was ich mag und in der man sich gut ergänzt. Und das haben wir mit CHEENO geschafft.

War es anfangs eine große Umstellung für Dich nicht mehr vor bestuhlten Reihen, sondern vor einer schwitzenden Menge in kleinen Clubs zu singen und was gefällt Dir persönlich besser?

Ich mag die Clubs irgendwie lieber, da man so auch eine direktere Rückmeldung erhält und näher am Publikum ist. Bei bestuhlten Konzerten kann ich das Publikum oft schlechter einschätzen, aber es hat natürlich alles seinen Reiz.

Wenn wir schon beim Thema sind: Wann dürfen wir Cheeno wieder live sehen? Gibt es schon Pläne für eine Tour, vielleicht als Support für eine größere Band?

Unsere aktuellen Konzerttermine sind immer auf unserer Bandhomepage einsehbar. Wir haben auch schon Tourpläne für das nächste Jahr, diese sind allerdings noch streng geheim.

Hiermit wären wir am Ende angekommen. Wenn Du noch ein paar persönliche Worte an unsere Leser verlieren möchtest, hast Du nun die Gelegenheit!

Wir haben sehr viel Arbeit und Liebe in dieses Album gesteckt. Was daraus wird liegt leider nicht mehr in unseren Händen, sondern in euren da draußen. Für eure Unterstützung wären wir sehr dankbar. Verschafft euch auf www.myspace.com/cheenorock, www.cheeno.de oder www.prevision-music.com einen Eindruck von unserer Musik und bestellt das Album. Ob sich unsere Anstrengungen gelohnt haben liegt also ganz bei euch.

Also, ihr habt es gelesen, gebt der Band eine Chance. Verdient hätte sie es auf jeden Fall!


Mario Karl



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