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Artikel

Erode: Alexander Dietz und der Blick über den Heaven Shall Burn Horizont!

Info

Gesprächspartner: Alexander Dietz

Zeit: 22.07.2011

Interview: E-Mail

Stil: Electronic, Ambient

Internet:
http://www.erodemusic.com
http://www.facebook.com/erodemusic
http://www.myspace.com/officialerode

Wenn ein Musiker einmal einen anderen als den gewohnten Weg einschlägt, dann kann das die unterschiedlichsten Reaktionen hervorbringen. Im Falle des Heaven Shall Burn Gitarristen Alexander Dietz waren die Rezensionen zu dessen Projekt Erode und dem Album Horizon mal positiv und mal durchwachsen. Da das Album bei uns gut angekommen ist, haben wir uns mit Alexander Dietz über Erode unterhalten!

Als Heaven Shall Burn Fan bringe ich Dich natürlich direkt mit einem brachialen Gitarrensound in Verbindung, daher hat mich Erode und das Album Horizon quasi komplett auf dem falschen Fuss erwischt und sehr positiv überrascht!
Wie lange existieren die Pläne schon ein eher elektronisches Album zu veröffentlichen?


Freut mich, wenn ich dich positiv überraschen konnte. Ich bekomme einige verwunderte Reaktionen auf Erode, da es ja etwas völlig anderes ist als Heaven Shall Burn (HSB). Obwohl ich die Idee gar nicht so abwegig oder verwunderlich finde, denn was sollte ich denn mit einem Projekt, das wie HSB klingt oder in dieselbe Kerbe schlägt. Ich möchte mich immer auf Eines richtig konzentrieren, da geht meine ganze Kraft im Punkto Aggressivität natürlich in HSB. Ich bin mit vielen Musikgenres aufgewachsen, und habe schon immer Synthiepop und elektronische Musik gehört. Diese Musik begleitet mich sogar länger als Metal. Pläne für etwas Elektronisches gibt es schon sehr lange. Leider habe ich mich bis jetzt nicht getraut und auch nicht über die Fähigkeiten verfügt, so etwas zu realisieren. Vor ca. 2 Jahren dann habe ich entschlossen, ERODE zu starten. Ich habe meine Skizzen zusammengenommen und ausgefeilt. Horizon ist dabei herausgekommen. Für mich ist die Entstehung des Albums ein ganz wichtiger Lernprozess gewesen, und ich hatte natürlich auch sehr viel Spaß daran herumzuprobieren :)

Hast Du Horizon schon den anderen Heaven Shall Burn Bandmitgliedern vorgespielt? Und wenn ja wie waren die Reaktionen?

Ich habe meine Bandkumpane schon mit den Demos "genervt" :). Auf dem Track "Wither" ist ja auch Markus zu hören, natürlich sehr abgewandelt. Alle bei HSB hören auch ganz viele unterschiedliche Musikstile, und haben es sehr positiv aufgenommen. Wenn man mal Matze oder Maiks Plattensammlung anschaut, oder im Gespräch mit ihnen mitbekommt, wie viele Platten jeglicher Genres sie kennen, wundert man sich, was da alles vertreten ist. Generell finde ich es sehr wichtig, sich genreübergreifend umzuhören, da viele Genres echte Leckerbissen bieten. Engstirnigkeit oder Scheuklappen lassen dich viele Stunden Musikgenuss verpassen.

Deine Hauptband hat in ihrer bisherigen Laufbahn ihre Musik immer relativ geradlinig durchgezogen. Tut da so ein Blick über den Tellerrand, wie Horizon einer ist, gut? Brauchst Du die musikalische Abwechslung?

Auch wenn es für viele so klingen mag, dass wir mit HSB immer geradlinig unser Ding machen, haben wir immer kleine Ausflüge in andere Genres unternommen und diese mit einfliessen lassen. Natürlich kann ich mit Erode viel ausschweifender agieren, da in der Richtung weniger Grenzen existieren. Ich kann ja oft genug im Studio bei der Arbeit mit anderen Bands über den Tellerrand blicken, und das tut auf jeden Fall sehr gut. Mit Horizon hab ich eine schwere Zeit verarbeitet, und das war wie ein Befreiungsschlag. Da wir ja mit HSB über die Jahre einen bandtypischen Stil und Sound entwickelt haben, ist es ziemlich interessant für mich, mit Erode wieder auf der Suche zu sein. Ich werde sehen, wo das nächste Album hingeht, ich lass mir da momentan noch alles offen.

Der Song Brutal Romance unterscheidet sich deutlich vom Rest des Albums, was wahrscheinlich aus der Zusammenarbeit mit Deadlock und dem Gesang zusammenhängt. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Mit Deadlock haben wir ja schon auf der letzten HSB CD Invictus gemeinsame Sache gemacht. Ich finde die Band sehr gut, und hatte einfach Lust, mir mal einen Song der Jungs und Mädels vorzunehmen. Das Ergebnis hat uns so gefallen, dass ich den Song dann einfach mit auf Horizon gepackt habe. Ich möchte noch viel mehr Remixen, da es mir einfach Freude bereitet, einem Song ein ganz anderes Gesicht zu verleihen. Ein paar Remixe sind auch schon in Arbeit, und ich werde von Zeit zu Zeit mal etwas auf Facebook online stellen. Manchmal kommen wirklich lustige Sachen dabei heraus :). Ich hätte auf jeden Fall viele Remixwünsche, da ich damit einem Song, den ich mag, auch immer ein Stück weit Tribut zollen kann. Außerdem bietet so eine Zusammenarbeit immer die Möglichkeit, völlig verschiedene Genres zu mischen und zu sehen was passiert.

In der Promoinfo zu Horizon steht der Hinweis, dass Du dir Unterstützung bei Mike Cadoo geholt hast, welcher insbesondere in der Elektroszene bekannt ist, was genau hat er zu Horizon beigesteuert?

Horizon war von Anfang an als Album geplant, bei dem ich mit Leuten zusammenarbeiten wollte, die mich sehr beeindrucken. Das war fürs Artwork Colin Marks von Rainsong Design, dessen Arbeiten mir sehr gefallen, und Mike Cadoo, dessen künstlerisches Schaffen über so viele Jahre mich sehr beeindruckt. Diese Idee hatte ich schon lange bevor überhaupt klar war, dass das Album auf Tympanik erscheinen würde. Das war für mich natürlich noch ein ganz großer Moment. Ein Label, das man schon jahrelang verfolgt, weil es einfach gute CDs rausbringt, signed jemanden ohne Background in der Elektroszene…, das war schon ein erhebender Moment für mich. Ich wollte Erode am Anfang einfach unter den oben genannten Gegebenheiten selber herausbringen, um es einfach durchgezogen zu haben, hahaha. Die Resonanz gibt mir aber auf jeden Fall Anlass, Erode weiter zu verfolgen. Nach 2 Jahren Aufnehmen und Rumbasteln fühlte ich mich betriebsblind und habe Mike ins Boot geholt. Er hat unter Anderem das Mastering übernommen und hat auch einige gute Ideen und Denkanstöße gehabt. Er hat ein unglaubliches Verständnis für Stimmungen und Sounds, das merkt man ja schon wenn man Gridlock, Bitcrush und Dryft hört, und ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass er im Punkto Verständnis für die Tracks genau auf meiner Wellenlänge ist. Darüber hinaus konnte ich sehr viel lernen, und es hat sich über das letzte halbe Jahr eine Freundschaft entwickelt. Da sieht man wieder, dass Musik verbindet :)

Du bist ein vielbeschäftigter Mann, Heaven Shall Burn, jetzt Erode und du produzierst mit Deiner Firma Chemical Burn andere Musiker. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Einfach das schlafen weglassen :). Nein, ich habe lange dafür gebraucht, um mir da einen vernünftigen Rhythmus anzuschaffen, aber mit meiner Familie, die sehr verständnisvoll ist und der Fähigkeit auch zu sagen: "für heute ist Feierabend" schaff ich das alles eigentlich ganz gut. Bei HSB arbeiten wir ja alle und sind quasi eine Hobbyband. An diesem Fakt hat sich nie etwas geändert, so dass wir ja gar nicht so viel unterwegs sind. Erode sehe ich immer als Entspannung, und das Gute ist, ich kann dank der modernen Technik überall Songs schreiben. Ich versuche diese Erfahrungen auch Bands mitzugeben, die ich im Studio habe. Es muss immer eine gesunde Balance zwischen konzentrierter Arbeit und Chillen herrschen. Das macht jede Platte für eine Band zu etwas Besonderem. Wenn sich die Band wohlfühlt, dann wird auch das Ergebnis besser und alle spielen über ihren Fähigkeiten.

Was sind die weiteren Pläne, insbesondere für Erode? Wird es weitere Veröffentlichungen geben?

Davon geh ich mal aus. Ich habe schon Ideen für ein neues Album. Inzwischen werden ein paar Kooperationen mit Künstlern kommen, die ich sehr mag. Ende des Monats kommt erst mal ein Erode Video, das Phillip Hirsch von film-m unter seinen Fittichen hat. Ansonsten werde ich mich wie immer im Studio herumtreiben und mit HSB in der Weltgeschichte unterwegs sein. Am härtesten arbeite ich im Moment an einem live Set für Erode. Ich habe einfach Lust, so etwas Mal in chilligen Clubs oder Lounges zu präsentieren. Das ist aber noch etwas Arbeit, weil ich in dem Sektor noch sehr unbeleckt bin :)

Rainer Janaschke


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