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Artikel

Pussy Sisster: Einmal USA und wieder zurück

Info

Gesprächspartner: Pussy Sisster (Alex Nad)

Zeit: 20.07.2010

Interview: Telefon

Stil: Hard Rock

Internet:
http://www.pussy-sisster.de
http://www.myspace.com/pussysisster

Manchmal kann es gar nicht schaden, sich fürs Fernsehen in einer Auswanderer-Reality-Show zu prostituieren. Und dabei muss man nicht mal Daniela Katzenberger heißen. Die vom Brüderpaar Chris und Alex Nad gegründeten Hardrocker Pussy Sisster aus dem beschaulichen Städtchen Waghäusel bei Karlsruhe haben das ebenfalls schon probiert. Mit gewissem Erfolg. Denn wer hätte trotz einiger selbst produzierte CDs schon gewusst, dass es dort in Baden eine relativ spaßige Sleaze-Band gibt? Jetzt wollen es die Mösenschwestern richtig wissen. Ein Deal mit dem deutschen Metallabel Black Bards ist abgeschlossen und Ende Juli kam das erste, so richtig von Dennis Ward (Pink Cream 69) produzierte Album Pussy Sisster im großen Maßstab in die Läden. Nachdem man in den US of A schon gewisse kleine Erfolge vorweisen kann, ist es nun an der Zeit sein Heimatland (und noch ein bisschen mehr) zu erobern. MAS klingelte eines schwülen Abends beim äußerst sympathischen Pussy Sisster-Sänger Alex Nad durch und löcherte ihn mit ein paar Fragen zur Band.


Warum sollten die Leute ihre Depri- und Chartmucke wegschmeißen und ab jetzt sofort nur noch Pussy Sisster hören?

Naja, die brauchen ihre Chartmucke nicht wegschmeißen. Sie können alles hören was sie wollen. Aber ich denke halt, dass unsere neue CD einfach eine gute Rock-CD ist. Und es sind eigentlich verschiedene Stile zu hören. Die gefällt auch den Frauen, denn es sind zwei Balladen drauf (Klischee, ick hör dir trapsen... - Anm.d.Red.). Aber es gibt natürlich auch härtere Stücke. Aber bitte, schmeißt die Charts nicht weg, die braucht man auch. Aber die neue Pussy Sisster ist natürlich auch nicht schlecht. (lacht)

Die Band gibt es jetzt auch schon ein paar Jahre. Wann genau habt ihr euch denn gegründet?

Also wir haben uns vor ungefähr vor acht Jahren gegründet. Wir sind doch schon eine Zeitlang unterwegs. Anfangs hatten wir zahlreiche Musikerwechsel, haben aber durchgehalten. Und das ist auch das Wichtigste. Viele junge Bands stecken heutzutage sofort den Kopf in den Sand. Das darf man natürlich nicht machen. Egal was es für Probleme gibt. Wir haben halt acht Jahre durchgehalten und langsam kommt der Erfolg.

Die ersten fünf Jahre sind dabei wahrscheinlich die härtesten.

Ja schon, aber andererseits sind das auch irgendwie die einfachsten. Man ist so unbekümmert und macht einfach - ob man es kann oder nicht. (lacht) Die ersten Jahre können ziemlich locker sein. Je bekannter man dann wird, umso mehr Probleme kommen dann. Viele Neider auch.

Warum habt ihre euch damals gerade so einen sleazigen Hardrock ausgesucht - mochtet ihr einfach nur die Musik von Bands wie Kiss und Guns n' Roses, oder mochtet ihr auch den vermittelten Lifestyle?

Das war genau unsere Musik damals. Guns n' Roses, Kiss, Van Halen und die ganzen Rockbands der 80er. Aber ich sage mal, wenn man die neue CD jetzt nimmt: Man entwickelt sich weiter mit der Zeit. Und auf der neuen CD sind ja jetzt nicht nur solche Sleaze-Lieder drauf. „In your arms“ ist zum Beispiel ein ziemlich düsteres Stück.

Das ist mir auch gleich aufgefallen. Es schlägt fast schon ein wenig aus der Reihe.

Und das ist auch ganz gut für die CD. Weil wenn nur ein Stil durchgehend gespielt wird, ist das auch langweilig. Oder die Balladen wie „Melody of pain“ und „Back again“, die sind natürlich für die Damen etwas. (lacht) So etwas muss auch immer drauf sein. Man entwickelt sich mit der Zeit einfach. Als wir uns gegründet haben, standen wir ganz anders auf der Bühne. Mit richtig auftoupierten Haaren und bunten Hosen.

Wie wichtig war eigentlich dieses Glamimage für euch früher? Heute ist es ja nicht mehr ganz so arg. Könntet ihr es euch auch ganz ohne Haarspray und Kajal vorstellen?

Also ich persönlich brauche das nicht so sehr. Da ist unser Bassist viel extremer. Klar machen wir immer noch den Sleaze-Rock. Aber früher, als wir die Band gegründet haben, waren wir total fanatisch auf dieses ganze Zeug. Ich kann das jetzt auch nicht sagen wie wir das in 20 Jahren machen. Aber jetzt sind wir froh wie es ist und wie sich die Musik entwickelt. Man wird es sehen.

Eure Heimatort Waghäusel ist jetzt nicht gerade der Nabel der Welt und ihr seid sicherlich die reinsten Paradiesvögel dort. Oder sind die Leute dort eher stolz auf euch?

Na klar, uns kennt man schon in dem kleinen Dorf, in dem wir wohnen. Wir sind zwar meistens immer in Karlsruhe, aber wenn man auf der Straße ist, kennen einen die Leute natürlich. Die reagieren auf uns eigentlich ziemlich cool. Aber es gibt halt ein paar, wie überall, die uns nicht so gut finden. Aber das ist kein Problem für uns. Wir gehen unseren Weg und lassen und davon nicht abbringen.

Und wie fühlt es sich an, diese eine bunte Band aus dem Fernsehen zu sein?

Das ist natürlich etwas ganz Besonderes. Es war schließlich der erste große Fernsehauftritt für uns. Es ist schon irgendwie hart, wenn man sich da selbst über den Bildschirm flimmern sieht. (lacht) Aber es war natürlich positiv für uns. Denn dadurch ist unser Name deutschlandweit bekannt geworden.

Mit Sicherheit! Ich muss sagen, ich habe euch erst dadurch kennen gelernt.

Das war schon toll - immer lustig, immer Vollgas. (lacht) Manche Sachen sind natürlich im Fernsehen auch blöd dargestellt worden. Aber wenn man da mitmacht, muss man diese Pille halt schlucken.

Euch hat man stellenweise ziemlich naiv rüberkommen lassen.

Da gab's schon so eine Art Drehbuch und es wurde vorgeschlagen, ihr müsst es so oder so sagen. Da haben wir uns schon gesagt, das machen wir jetzt nicht so. Wir mussten für uns einen Zwischenweg finden. Wenn so etwas im Fernsehen kommt und es läuft alles nach Plan, wäre das ein wenig langweilig. Es muss schon etwas chaotisch sein. (lacht)

Was war denn eigentlich zuerst da, die US-Tour oder der Vertrag mit dem Fernsehen?

Also in den USA sind wir schon zwei Mal gewesen, 2007 und 2008. Wir touren da jedes Jahr.

Als kleine Band ist es fast schon ein wenig ungewöhnlich gleich den Schritt in die USA zu wagen.

Wir sind schon immer USA-Fans gewesen und waren schon viel im Urlaub drüben, zum Beispiel in Los Angeles. Also mussten wir einfach auch als Band da rüber und haben es mal versucht, wie es ist, eine Tour dort zu spielen. Und das war schon ziemlich geil durchs ganze Land zu reisen. Von der Ostküste an die Westküste und wieder zurück. Das hat sich dann eben so eingebürgert, dass wir jedes Jahr ein-, zweimal dort auf Tour gehen.

Reagieren die Leute dort drüben eigentlich anders auf eure Musik wie bei uns? Die Staaten sind doch mehr die Heimat dieser Musik.

In den USA gibt es halt viele solche Bands und die sind nach wie vor beliebt. Aber in Deutschland ist es auch geil. Bei uns ist alles viel organisierter als in den USA, wenn man in einem Club spielt. Man weiß, dass man die Gage bekommt. In Übersee ist das halt anders. Da kann es schon sein, dass sich der Chef durch die Hintertür verdrückt. Also nicht ganz so toll. (lacht) Aber die Leute haben uns in den USA immer super empfangen. Da gibt es gar nichts!

Seht ihr euch denn musikalisch in den Staaten mehr beheimatet als bei uns?

Aus den USA kommen natürlich die ganz großen Bands, sag ich mal. Und in Deutschland ist es oft das Problem, dass sie viele Bands aus dem Ausland nehmen. Da musst du kämpfen, dass du da reinkommst. Die nehmen lieber eine Band aus Schweden oder eine gut bezahlte aus den USA als eine Einheimische. Gerade bei unserem Musikstil. Und wenn man in Schweden ein Plattenlabel sucht, heißt es „sorry, wir nehmen nur schwedische Bands“. Das ist irgendwie ein bisschen ernüchternd.

Wobei ja gerade sehr viele solche Glam-Bands aus Schweden kommen.

Ja, da hast Du in der Tat recht. Aber wir wollen nicht wie die Schweden sein, wir wollen schon unseren eigenen Stil durchziehen. Dann schauen wir, was daraus wird und wie es die Leute annehmen.

Diskografie

Sleazy Things (2005)
Hot Like Hell (EP, 2006)
City Of Angels (2007)
Pussy Sisster (2010)
Ihr hattet früher auch einen Vertrag mit einer amerikanischen Firma namens Spat Records. Wie kam das zustande?

Das müsste so 2008 gewesen sein, dass wir dort in Nashville unterschrieben haben. Das war aber ein reiner Vertriebsvertrag. Danach war das Ding bei Amazon zu kaufen. Aber das war jetzt kein Vertrag, dass die Platte damit in den Läden steht.

Du hast jetzt schon öfter eure neue CD erwähnt. Reden wir doch mal direkt drüber. Sie trägt nur euren Bandnamen als Titel und erscheint bei einem richtigen einheimischen Label. Seht ihr das jetzt als eine Art Neustart an?

Nicht so wirklich, denn seit unserer Gründung hat es nie eine Pause gegeben. Aber wir haben uns gedacht, die erste CD die jetzt richtig im Laden steht, nennen wir einfach so wie wir heißen. Das ist einfach und einprägsam.

Wenn ich das richtig gehört habe, sind darauf auch ein paar ältere Songs mit drauf.

Ja, „Back again“ haben wir hierfür neu produziert, weil es uns einfach so gut gefällt (nicht zu vergessen den Opener „Today“ - Anm.d.Red.). Dann wollten wir ursprünglich ein Cover von Frank Sinatras „My way“ mit draufnehmen. Aber dafür haben wir leider keine Genehmigung bekommen. Dann haben wir einfach als quasi Bonustrack unser altes „Pussy Sisster“ von 2004 mit dazu gepackt. Es ist ein noch etwas raueres Lied, mit einer raueren Produktion. Das ist so wie wir damals waren. Noch der richtige Ur-Rock'n'Roll. (lacht)

Wer schreibt bei euch eigentlich die Lieder und die Texte?

Die Texte mache natürlich alle ich. Und die Musik machen wir alle zusammen. Da kommt von jedem eine Inspiration. Einmal schlägt der Gitarrist ein Riff an oder so und schon basteln wir daran rum.

Wie ist eigentlich die Rolle Deines Bruders Chris, ist der nur der Manager für euch oder trägt er auch kreativ was bei?

Klar sagt er ab und zu ob was gut ist oder nicht. Aber er macht viel im Hintergrund. Er organisiert das ganze Touren und macht das Booking. Er hat den Plattenvertrag an Land gezogen. Das ist natürlich gut für uns, denn wir können uns ganz aufs Musikmachen konzentrieren und müssen uns keinen Kopf um die anderen Sachen machen. Er ist voll dahinter, dass alles läuft.

Er ist praktisch eure Mädchen für alles?

(lacht) Naja, wenn's ums Feiern geht ist er aber auch richtig dabei.

Hat sicher auch seine Vorteile, wenn man alles im eigenen Kreis behält.

Das ist natürlich das Beste, wenn wir alles in eigener Hand halten können. Dann wissen wir auch genau, wenn wir etwas anpacken und machen, dann wird es auch gut und wir brauchen uns nicht auf einen Dritten verlassen.

Was steht denn als nächstes auf dem Plan, irgendwelche größeren Festivals oder eine Konzertreise?

Am 24. Juli kommt natürlich erst mal unsere CD europaweit raus. Am 9. Oktober spielen wir das Jurock-Festival in Ulm mit Bonfire zusammen. Aber momentan haben wir nicht so viele Konzerte gebucht, weil wir erst ein wenig mit unserer CD arbeiten wollen. Und nächsten Mittwoch (28. Juli - Anm.d.Red.) kommt im österreichischen Musiksender GoTV die Show „Hosted by“ mit uns, bei der wir Lieder auswählen durften. Mit Interview und allem.

Was habt ihr euch denn für Videos ausgesucht, ganz typisch Guns n' Roses, Poison und Mötley Crüe?

Weil wir schon in Wien waren, haben wir natürlich „Vienna calling“ von Falco genommen. (lacht) Eigentlich ziemlich querbeet. Guns n' Roses, U2, aber auch David Bowie & Mick Jaggers „Dancing in the street“.

Das ist ja schon fast wieder außergewöhnlich!

Ja, aber die Musik hören wir natürlich auch. Es ist ja nicht so, dass wir nur Hard Rock hören. Wir mögen auch Musik aus den 70ern oder Rock'n'Roll aus den 50ern. Wir sind da nicht so beschränkt auf den harten Rock.

Also schon ein bisschen offener, wie man es solchen Bands wie euch immer unterstellt?

Ne ne, wir hören auch die Charts. Da gibt es hin und wieder auch gute Lieder.

Dann sind wir auch schon am Ende unserer Zeit, Alex. Vielen Dank für dieses kurzweilige Gespräch!


Mario Karl


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