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Zum Rock'n'Roll verdammt - Die Pogues zwischen Punk und Bürgerlichkeit

Info

Autor: Carol Clerk

Titel: Pogue Mahone – Die Geschichte der Pogues

Verlag: Bosworth, 2009

ISBN: 978-3-86543-306-0

Preis: € 29,95

512 Seiten

Pogue Mahone ist Gälisch. Auf Englisch heißt das Kiss my Arse und erklärt, warum der Bandname vorm Durchstarten leicht verkürzt wurde. Pogue Mahone ist außerdem die Bandbiographie der Band, die nicht nur den Löwenanteil dazu beigetragen hat, dass es heute ein Subgenre wie Irish Punk gibt, sondern überhaupt zur Rehabilitierung des Irisch-Seins in England.
Denn das ist eins, was man zu Beginn des Buchs lernt. Es war um 1980 herum in London alles andere als förderlich Ire zu sein. Das war eher ein massives Hindernis für Karriere, Akzeptanz und Ruhm. Dabei hatte kaum einer der Pogues eigene irische Wurzeln. Es war nicht zuletzt Bandkopf Shane MacGowan, der diese seine Herkunft pflegt.

Nachdem man das begriffen hat, kann man sich mit der Band auf den Weg machen - natürlich erst einmal auf die Ochsentour durch miese Clubs, versiffte Proberäume und ein Leben am Rande des Existenzminimums. Im Spannungsfeld zwischen Elvis Costello und den Dubliners gelingt bald der Start, der die Band nach oben führt. Ruhm gibt’s reichlich; Geld so la la. Das liegt zum einen an einem miesen Management-Vertrag, aber auch daran, dass alles durch acht geteilt werden muss.
Permanentes Touren ist zwar nicht das, was die Band-Mitglieder wollen. Wegen der Kohle muss es aber sein. Damit ist der Grund der später zum Bruch führt schon in der Grundkonstruktion der Band angelegt.

Pogue Mahone ist nicht leicht zu lesen. Das liegt zum eine an der ausführlichen Darstellung vieler sich immer wieder wiederholender Details; zum anderen daran, dass ständig zitiert wird. Bei der Anzahl der Bandmitglieder, die sich auch immer wieder gegenseitig zitieren, braucht das für den Leser, der mit den Personen nicht von vorne herein vertraut ist, eine Zeit sich einzulesen.
Dann aber entwickelt sich ein Panaroma einer Band, die nach außen hin ein Selbstläufer ist, nach innen aber eher eine Zwangsgemeinschaft von Menschen, die oft eigentlich lieber ein beschauliches Leben in den eigenen vier Wänden führen würden, aus ökonomischen Zwängen und Pflichtbewusstsein aber immer wieder in den Rock’n’Roll-Zirkus springen.

Leicht lesbarer hätte man die 500 Seiten sicher machen können; authentischer kaum.

Norbert von Fransecky


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