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Artikel

D-SAILORS - Deutscher Punk in Brasilien und der digitale Download!

Info

Gesprächspartner: Uli Sailor

Zeit: 05.01.2008

Interview: E-Mail

Stil: Punk Rock

Internet:
http://www.www.myspace.com/dsailors
http://www.d-sailors.de

Die deutsche Punk Band D-Sailors veröffentlicht ihr neues Werk (Between The Devil And The Deep Blue Sea) Anfang Februar nur im digitalen Format zum Download. Das war für musikansich.de Grund genung einmal bei Bandleader Uli Sailor anzuklopfen und ein paar Fragen zu stellen. Wer erfahren möchte, warum die Band aus Jülich zu diesem Schritt entschlossen hat, und was die brasilianischen Punkszene von der deutschen unterscheidet, der liest jetzt einfach weiter!

MAS:
Obwohl die D-Sailors aus Jülich kommen, und damit fast aus meiner örtlichen Nachbarschaft (Köln) ist euer neues Album , „Between The Devil And The Deep Blue Sea“, mein erster Kontakt mit euch! Einigen unserer Lesern mag es da ähnlich gehen. Erzähl uns doch mal ein paar Dinge über die D-Sailors die wir wissen müssen.

Uli Sailor:
Wir heißen D-Sailors und kommen aus Jülich. Die aktuelle Besetzung besteht aus Uli B. (Gesang, Gitarre, Saxophon), Ingmar (Gitarre, Backgrounds) Uli G. (Bass) und Matthi (Schlagzeug). Matthi ist erst 2004 dazugestoßen, als unser alter Schlagzeuger Marco gesundheitsbedingt aufhören musste. Wir machen das alles aber schon sehr lange, das erste Mal standen wir 1993 zusammen auf der Bühne. Seitdem haben wir 2 Tapes, 2 EPs, 2 Splitalben und 4 Longplayer veröffentlicht und über 300 Konzerte gespielt. Man kann sagen, dass wir schon viel Zeit miteinander verbracht und noch mehr zusammen erlebt haben.

MAS:
Beim ersten Durchlauf eures Albums, habe ich mich spontan an paar mal an Bad Religion erinnert gefühlt, würdest Du Bad Religion als einen eurer Einflüssen nennen? Welche Bands würdest Du noch als Einfluss nennen?

Uli Sailor:
Bad Religion waren auf jeden Fall ein wichtiger Einfluss für mich und meinen Gesang. Außerdem NOFX, Randy, Propagandhi, Face to Face und Lagwagon. Mit 16 haben wir diese Platten rauf- und runtergehört und wenn man unsere alten Platten hört, sind wir tatsächlich ne lupenreine Melodycoreband, die auch aus Schweden hätte sein können. Heute allerdings hat sich das ein bisschen verschoben, die oben genannten Bands sind immer mehr in den Hintergrund gerückt. Wir hören natürlich noch hauptsächlich Gitarrenmusik und auch viel Punk und Metal, aber insgesamt hören wir etwas breitflächiger Musik und ab und zu ein bisschen ruhiger und mid-tempiger. Das hört man allerdings auch unseren neuen Songs an, die natürlich trotzdem nach wie vor eine gewisse Rauheit und Aggressivität behalten haben.

Diskografie

D-Sailors - 1996
How To Drive - 1997
A New Project - 1998
Mind Dressing - 2000
Multilateral (Split CD mit den Nitrominds) - 2001
Rewind - 2003
Feeling cramped, pushing back borders (Split CD mit Freygolo) - 2003
Lies and Hoes - 2004
Between the Devil and the Deep Blue Sea - 2008


MAS:
Wenn ich eure Songtexte richtig interpretiert habe, dann befasst Ihr euch hauptsächlich schon mit ernsten Themen, woher bezieht Ihr eure Anregungen für die Texte und das Songschreiben?

Uli Sailor:
Ich schreibe zusammen mit einem guten Kumpel die Texte und wir versuchen eigentlich das zu verarbeiten was uns umgibt. Wenn man sich heutzutage umschaut, vergeht einem schnell das Lachen und mir war es immer wichtig, mich mit ernsten Themen zu beschäftigen. Das hatte für mich immer mehr Substanz, als irgendwelche Halligalli-Texte, die keine Aussage haben. In letzter Zeit hab ich mir allerdings überlegt, dass ich mal öfters über die Liebe schreiben sollte.

MAS:
Ihr habt euch entschieden, euer neues Album, nur digital zu Veröffentlichen und physische Tonträger nur auf Konzerten zu verkaufen! Ist es wirklich so schwer geworden CD´s an den Mann zu bringen, bzw. denkt ihr, dass ist es einfacher Downloads zu verkaufen?

Uli Sailor:
Ich glaube, dass heutzutage jedes Tonträgerformat schwierig zu verkaufen ist für eine Band, auf unserem Niveau. Die Entscheidung zum ausschließlich digitalen Release ist somit nur der nächste logische Schritt. Warum sollen wir tausende CDs pressen und sie in die CD-Läden stellen, wenn es sehr ungewiss ist, dass die Leute Bock haben sie zu kaufen? Der Aufwand, den man dadurch betreibt, ist durch die schwachen Verkäufe einfach nicht mehr zu rechtfertigen. Sollte die Platte so einschlagen, dass die Nachfrage nach der CD so groß wird, könnte man immer noch nachträglich entscheiden eine Auflage für den Handel zu pressen, aber zuerstmal reicht uns der digitale Release im Februar. Für die Fans haben wir ja sowieso eine kleine Auflage pressen lassen, so dass die Leute, die es wirklich interessiert auch eine richtige CD mit amtlichem Artwork und in optimaler Qualität bei uns erwerben können. So haben alle was davon und man muss sich nicht mit enttäuschten Vertrieben rumärgern, die sich beschweren, dass man nicht genug verkauft hätte.

MAS:
In welchem Format werdet Ihr das Album zum Download stellen (mp3, wav, etc), und wie versucht ihr euch gegen dagegen zu schützen, dass die Musikdateien in Tauschbörsen landen, wenn man sich überhaupt vernünftig dagegen schützen kann?

Uli Sailor:
Das Format wird meines Wissens ein 320kbit-MP3 sein. Unsere Musik befindet sich schon in Tauschbörsen seit es Tauschbörsen gibt und von daher bin ich sehr entspannt. Schließlich müssen wir nicht von der Musik leben. Ich freue mich eigentlich sogar auch über jeden, der sich unser Album anhören möchte und ich kann es niemandem verübeln, wenn er sich das Album herunterlädt. Irgendwo vertraue ich auch darauf, dass die Leute, denen das Album wirklich gefällt zur Band gehen und sich die Platte kaufen, um sie zu unterstützen. So habe ich es auch immer gehalten und werde das auch in Zukunft tun. Um jeden Preis muss man kleinere Bands unterstützen, damit die die Chance haben weiterhin Musik zu machen. Das sollte man den Leuten vielleicht noch viel öfter sagen.

MAS:
Tourneemässig seit ihr ja desöfteren auch schon in Brasilien unterwegs gewesen. Wie hat es euch dorthin verschlagen, und habt ihr dort schon eine größere Fanbase?

Uli Sailor:
Wir waren im Sommer zum dritten Mal dort. Der Kontakt entstand über Andre den Sänger von Nitrominds. Wir haben 2001 ein Splitalbum mit den Brasilianern veröffentlicht und waren zum Release 4 Wochen auf Europatour. Da haben wir uns so gut angefreundet, dass uns Andre, der ein kleines Label in Sao Paulo betreibt, anbot unser Album in Brasilien zu veröffentlichen. Auf diesem Wege buchte er uns natürlich auch eine Tour, um zum Release das Album zu bewerben und die ist eingeschlagen wie ne Bombe. Seitdem pflegen wir regelmäßig Kontakt, die Brasilianer kommen immer noch regelmäßig auf Tour und wir fahren auch immer wieder rüber. Wir haben im Sommer auch eine kleine Dokumentation gedreht, wo ziemlich gut rüberkommt, wie es da ist und was wir eigentlich da machen.
Checkts aus unter: http://www.sly-fi.com/index.html?episode=581

MAS:
Wenn Du die deutsche Punk Szene mit der brasilianischen vergleichst, welche Unterschiede stellst Du zwischen den beiden Szenen fest?
In Deutschland scheint mir die Szene im Moment etwas auseinander zu driften, auf der einen Seite Bands die sich dem Fun Punk verschrieben haben und auf der anderen Seite Punk Rock der zunehmend immer mehr mit Hardcore Elementen versetzt wird, dafür aber immer weniger Bands, wie Ihr, die den guten alten einfachen Punk Rock spielen!


Uli Sailor:
In Brasilien genießen nicht viele das Privileg in einer Band zu spielen, denn es fehlt ihnen meistens das Geld für Instrumente oder einen Proberaum. Die Bands, die es dann gibt, spielen schon meistens Metal oder Punk, der aber eher Stadionrock orientiert ist als auf vertracktem Hardcore basiert. Allerdings gibt’s auch eine sehr aktive Grindcore-Szene, was ich hier aus Deutschland eigentlich nicht so kenne. Aber die normalen Nachwuchsbands versuchen meisten so zu klingen wie Metallica, Slayer, Ramones oder Blink 182. Da unten gibt es einfach viel weniger Möglichkeiten und von daher ist die Szene bei weitem nicht so facettenreich wie in Europa oder Nordamerika. Allerdings sind dort auch viele Trends erfolgreich, wie zum Beispiel die Emowelle vor ein paar Jahren, oder eben der Trend zu Screamo und Metalcore, den wir hier seit einiger Zeit erleben. Grundsätzlich ist aber alter Metal viel verbreiteter als hier und auch immer noch angesagt. Slayer, Manowar, Kreator, man hat zum Teil das Gefühl, dass die Jungs da unten mehr deutsche Metalbands kennen als man selber und das find ich geil. Immer wenn wir Brasilien waren pack ich danach meine ganzen alten Metalplatten raus. Das muss einfach ab und zu mal sein.

MAS:
Für Anfang nächsten Jahres habt Ihr einige kleine Clubshows terminiert, wie sieht es mit einer längeren Tournee aus?

Uli Sailor:
Es ist erst mal keine geplant, wir wohnen quer durch das ganze Land verstreut und wir warten jetzt erst mal die Reaktionen auf die neue Platte ab. Haben wir das Gefühl, dass da Bedarf ist, werden wir auf jeden Fall noch ein paar Shows buchen. Ich hoffe, dass man uns im Sommer noch auf ein paar Festivals sieht und wir im Herbst definitiv für ein paar Tage durch die Republik touren werden. Wie lang das sein wird, das entscheiden wir im Frühjahr.

MAS:
Was wünscht ihr euch für die nähere Zukunft? Wohin soll der Weg der D-Sailors in der Zukunft gehen?

Uli Sailor:
Wir wollen weiter zusammen Musik machen. Das ist für uns das wichtigste, der Rest eigentlich eher nebensächlich. Es gehört viel Organisation dazu, um diese Band am Leben zu erhalten und weiter nach vorne zu bringen. Erstaunlicherweise klappt das aber sehr gut und ich bin sehr optimistisch, dass ihr weiter von uns hören werdet. So eine geile Band, kann man einfach nicht auflösen, von daher wird es uns noch einige Zeit geben.



Rainer Janaschke


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