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Tenhi - Finnen von der traurigen Gestalt

Info

Gesprächspartner: Tenhi

Stil: Progressive Folk

Tenhi stehen seit ihrer Gründung vor fast 10 Jahren für dunkle Mollklänge gespickt mit vielfältiger instrumentaler Wucht. Das neue Album Maaäet setzt diese Tradition nicht nur fort, sondern setzt dem Ganzen noch mal einen Grad an Melancholie drauf. (Siehe Plattenbesprechung). Im folgenden Interview geben die traurigen Finnen Auskunft über sich und Ihre Klänge.

TS: Tyko Saarikko (Gesang, Piano, Harmonium, Synthesizer, Gitarre, Perkussionen)
II: Ilmari Isaakainen (Schlagzeug, Piano, Gitarre, Bass)
IS: Ilkka Salminen (Gesang, Bass, Harmonium, Synthesizer, Gitarre, Perkussionen)

MAS:
Hallo Ihr Drei. Erzählt doch erst einmal ein wenig zur Entstehung der Band Tenhi.


TS:
Tenhi wurde Ende 1996 von Ilkka und mir gegründet. Wir nahmen dann ein Demotape Namens „kertomusika“ auf, welches zu dem Vertrag mit unserem heutigem Label Prophecy führte. Ein Jahr später stieß dann Ilmari zu uns und seit dem bilden wir drei den kreativen Kern von Tenhi. Imari spielte vorher bei „Mother Dephth“, die über 10 Jahre Doom-Gothik Musik machten.

MAS:
Gibt es noch andere Projekte von Euch?


TS:
Ja! Vor ca. 2 Jahren haben Ilmari und ich die Band „Harmaa“ gegründet. Wir haben schon eine CD Namens „aircut:aamujen“ gemacht, die wir über unser Studiolabel UTUStudio vertreiben. Wir verhandeln im Moment mit Prophecy über eine Lizenzierung.

MAS:
Wie alt seid Ihr und wie lange kennt Ihr Euch bereits?


IS:
Wir sind alle etwas älter als 25. Wir kennen uns bereits über 10 Jahre. Wir stammen aus dem Süden Finnlands, haben aber unsere Familienwurzeln überall in Finnland. Neben der Musik teilen wir das Interesse an visueller Kunst und haben alle unsere täglichen Aufgaben im Bereich Design und / oder Architektur.

MAS:
Seid Ihr ausgebildete Musiker im klassischen Sinn, was Eure Musik vermuten lässt?


II:
Tyko und Illka hatten keinen Unterricht und haben sich alles selber angeeignet. Ich hatte ein wenig Musikunterricht. Mit 22 hatte ich Klavierstunden, danach nahm ich im Bereich Perkussion noch ein wenig Unterricht. Anschließend wechselte ich zur Gitarre, welche ich mir dann alleine beibrachte.

MAS:
Wer von Euch schreibt die Stücke?


II:
Wir alle Drei. Wie oben bereits erwähnt, stehen wir hinter Tenhi, alle anderen Musiker sind Sessionmusiker, die uns jedoch mit Ihrem eigenem Sound und Stil sehr bereichern.

MAS:
Wie entstehen Eure Songs? Geht Ihr mit kompletten Kompositionen ins Studio?


IS:
Im Normalfall kommt einer von uns Dreien mit einer Idee, die aus der Atmosphäre und der Melodie eines neuen Songs besteht. Die übrigen beiden entwickeln daraus dann weitere Ideen und spielen Ihren Beitrag dazu ein. Die endgültige Version entsteht häufig erst nach einem sehr langen Prozess, wir vergleichen das mit dem Entstehen einer Skulptur. Manchmal sind sie auch mehr improvisieret, wie zum Beispiel „Vastakiun“ von „Väre“. Die Grundstrukturen und Iden bleiben meistens bestehen durch den Entstehungsprozess, doch es bleibt immer die Kreativität als unkalkulierbarer Faktor, bis ein Song endgültig als fertig gilt.

MAS:
Tenhi klingen fast immer sehr melancholisch und dunkel. Woher kommt Eure Affinität zu diesen Sounds?


II:
Ich denke dass wir traurige Menschen sind. Wir versuchen mit der Musik uns selbst zu reflektieren. Für uns wäre es definitiv sehr, sehr schwer einen fröhlichen Song zu schreiben.

MAS:
Erzählt doch bitte mal etwas zum Thema des neuen Albums Maaäet.


TS:
Das Hauptthema ist der Kreislauf von Allem, was die Energie dem Erdboden zurückführt. Es handelt von dunklen Themen, verkleidet in Ereignissen die ständig in der Natur vorkommen.

MAS:
Maaäet ist deutlich mehr vom Piano und von Violinen bestimmt, als die beiden Vorgänger. War dies geplant?


IS:
Wenn wir ein Album beginnen haben wir normalerweise keine gemeinsame Vision davon, wie es werden wird. Da sind vielmehr ein Bündel von Visionen und Ideen, die parallel sind oder auch nicht, die uns in die verschiedensten Richtungen führen. Die Richtung klärt sich dann sehr spontan während des Schreibens und Entwickeln der Songs.

II:
Da sind viele ungeplante Elemente in Maaäet. Als die Songs sich immer mehr entwickelten, stellten wir fest, dass wir dabei waren ein viel intimeres Werk als mit den Vorgängern zu produzieren. Und Piano und Violine sind die perfekten Instrumente für diese Stimmungen, also nutzten wir sie auch mehr.

MAS:
Maaäet scheint für mich die perfekte Symbiose aus Traurigkeit, süßer Melancholie und einer Priese Hoffnung. Wohin könnt Ihr Eurer Meinung nach von hier aus noch gehen?


IS:
Ich denke, wir haben verschiedene Möglichkeiten nun weiter zu gehen, aber ich habe keine Ahnung, welchen wir wählen werden. Doch, wie man sehen kann, ist da ein starker roter Faden durch alle unsere Alben hindurch, und ich denke, das wird auch so bleiben. Wie auch immer, das nächste Album wird eine Sammlung alter Demosongs, alternativen Versionen und auch neuen Stücken sein, welche wir in spezieller Form zu unserem 10 jährigem Bandbestehen veröffentlichen werden.


MAS:
Was hört Ihr privat für Musik? Wo seht Ihr Eure Einflüsse?


TS:
Ich kann wirklich keine direkten Einflüsse benennen. Wir versuchen unsere musikalischen Iden unabhängig von anderen Dingen zu entwickeln. Möglicherweise bin ich mehr davon beeinflusst, wie unterschiedlich Alben produziert wurden. Ich versuche herauszuhören, wie die verschiedenen Sounds und Instrumente auf einen Song wirken. Ich höre nur wenig Musik, die der ähnelt, die ich selber schreibe, vielleicht unterbewusst um meine Iden nicht verwischen zu lassen.

MAS:
Werdet Ihr mit „Maaäet“ live auftreten, und wenn, wird es Euch auch nach Deutschland führen?


II:
Wir hoffen, auch nach Deutschland kommen zu können, aber es gibt noch keine konkreten Pläne.

MAS:
Wie wird die Livepräsentation aussehen?


TS:
Wir werden bald mit dem Einüben der Songs in anderer Form beginnen. Wir stellen uns vor, das gesamte Album plus ein paar älterer Songs nur mit akustischen Gitarren, Violine und anderen Vocals aufzuführen. Wir werden sehen, wie das funktioniert. Früher waren wir mit sieben Leuten unterwegs, was sehr schwer war. Einerseits weil die Bühnen der Clubs recht klein sind, und andererseits vom ganzen logistischen Aufwand her. In der Dreierbesetzung werden wir dafür ganz andere Sachen machen können, die sich von den Alben sehr unterscheiden werden.


Wunderbar. Das wäre eine feine Sache, also hoffen wir, dass es die drei netten Finnen nach Deutschland schaffen. Bis dahin kann man sich auf alle Fälle in das neue Album fallen lassen und auf den Frühling warten.

Wolfgang Kabsch


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