Artikel
Info
Zeit: Oktober 2025
Ort: Brakel / Los Angeles
Interview: E-Mail
Stil: Heavy Metal
Internet:
http://www.officialwingsofsteel.bandcamp.com
Mit ihrem zweiten Longplayer Wings Of Time haben Wings Of Steel eines der ultimativen Metal-Highlights des Jahres 2025 geschaffen. Die acht Tracks ohne Schwächen bersten vor schierer Power, Melodie und Variation! Die glänzende Leistung war für Michael ein guter Grund, dem Trio aus Los Angeles, das bei Liveauftritten zum Quintett anwächst, ein paar Fragen zu stellen. Diese kreisten um den Kern „Wie ist diese enorme Qualität in dieser (vermeintlichen) Leichtigkeit möglich?“ Das hochtalentierte Songwriting-Duo Leo Unnermark (Gesang) und Parker Halub (Gitarre) tat sein Bestes, um Licht ins Dunkel zu bringen und das Geheimnis hinter ihren hammergeilen Songs zu lüften…
MAS: Mit euch beiden haben sich zwei Ausnahmetalente gefunden! Wie habt ihr euch kennengelernt? Und was ist das „Geheimnis“ hinter eurer Zusammenarbeit? Für mich als Außenstehenden seid ihr ein Beispiel für perfekte Chemie! Und perfekt ist sie, denn andernfalls wären diese unglaublichen Ergebnisse gar nicht möglich!
Leo Unnermark / Parker Halub: Als Heranwachsende haben wir beide viele gleiche Bands und Künstler gehört. Unsere individuellen musikalischen Einflüsse haben aber auch einzigartige Elemente in die Entwicklungsjahre der Band eingebracht. Von Leo kam dabei die eher Blues-betonte Hardrock-Seite, die Bands wie Bad Company und Great White verkörpern. Parker bringt das heaviere Element ein, das von Bands wie Metallica und Diamond Head beeinflusst ist.
Zu der Zeit, als wir unsere Debüt-EP schrieben, waren unsere Musikgeschmäcker nahezu identisch. Wir interessieren uns auch für Stile abseits von Heavy Metal. Dadurch hat sich unsere kreative Vision und unser Songwriting signifikant erweitert. Wir halten uns beim Komponieren nicht an ein starres Schema; es ist diese Freiheit, in Verbindung mit unseren unterschiedlichen Einflüssen und der Bereitschaft, Neues kennenzulernen und zu wachsen, die uns unser ganz eigenes und fesselndes Songwriting erlaubt. Wenn es um das Komponieren von Musik geht, sprechen wir dieselbe Sprache und inspirieren uns ständig gegenseitig. Das erzeugt eine tolle und aufregende Arbeitsdynamik.
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MAS: Wie kriegt ihr den Fluss in eure Songs? Jeder Song enthält so viele verschiedene Parts, dass ich mich gefragt habe, was wohl alles von der ursprünglichen Idee bis zum fertig aufgenommenen Stück passiert? Da müssen doch oft unerwartete Dinge passieren, die sogar euch selbst verblüffen!
Leo Unnermark / Parker Halub: Oft hat einer von uns beiden eine Idee für ein Riff, eine Melodie, eine Sektion oder einen Refrain. Von da aus sammeln wir Ideen, die zu der Stimmung passen, die wir ausdrücken wollen. Um die Idee und Stimmung herum schreiben wir dann den Song. Manchmal kommen in einem Song ältere Einfälle zusammen, aber meistens entsteht und entwickelt sich der Song im Augenblick des Schreibens. Das verblüfft uns, weil sich alles so mühelos fügt.
Unser Longplay-Debüt Gates Of Twilight und unser neues Album Winds Of Time haben wir im Grunde auf dieselbe Art und Weise geschrieben: Wir haben ungefähr zehn Wochen die Köpfe zusammengesteckt und in der Zeit das ganze Ding geschrieben und aufgenommen. Das war zwar ganz schön stressig, sorgt aber auch für den natürlichen Fluss zwischen den Songs. Wenn wir ein Stück fertig haben, wollen wir normalerweise etwas anderes ausprobieren, und dann wieder etwas anderes. Diese Art des Komponierens ist organisch und natürlich. Das spiegelt die enorme Dynamik wider, die man unter und in den meisten Tracks findet. Zudem stimmt die Reihenfolge, in der die Lieder geschrieben wurden, größtenteils mit dem Tracklisting auf dem Album überein.
MAS: Wings Of Steel wurden 2019 gegründet. Was habt ihr in den folgenden drei Jahren getrieben, dass es seit 2022 jedes Jahr einen physischen Release gibt? Habt ihr vielleicht einen Zaubertrank gebraut? Eine solche Schlagzahl ist heutzutage extrem ungewöhnlich!
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Leo Unnermark / Parker Halub: Haha! Leider haben wir so einen Trank nicht entdeckt. Wie auch immer, unsere Reise ist bisher eine mit einer natürlichen Entwicklung. Unsere Debüt-EP Wings Of Steel wurde hauptsächlich 2021 während des Covid-19-Lockdowns geschrieben. Diese Phase bot uns eine unerwartete Gelegenheit, uns intensiv aufs Komponieren und Aufnehmen zu konzentrieren.
Die Umstände erlaubten es uns zwar nicht, unsere Musik direkt anschließend auf die Bühne zu bringen, aber wir konnten unsere kreative Energie stattdessen in das Verfassen von neuem Material fließen lassen. Als die EP 2022 veröffentlicht wurde, schrieben wir direkt weiter, und die entstandene Musik bildete das Grundgerüst von Gates Of Twilight, unseren zweiten Release und unser erstes vollständiges Album, das 2023 herauskam.
Unsere dritte Veröffentlichung Live In France (2024) war ein komplettes Zufallsprodukt. Wir hatten seinerzeit keine Ahnung, dass die Show mitgeschnitten wurde. Davon erfuhren wir erst hinterher, und trafen einstimmig die Entscheidung, es als Livealbum herauszubringen. Alles was wir tun mussten, war, die Aufnahmen zu mixen und zu mastern, um die bestmögliche Qualität zu gewährleisten, um den Hören die Möglichkeit zu geben, die rohe Energie und das Prickeln unserer Liveshow zu spüren.
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MAS: Wie ist der Titeltrack „Winds Of Time“ entstanden? Er klingt wir ein verrückter Abenteuertrip!
Leo Unnermark / Parker Halub: „Winds Of Time“ kristallisierte sich während der entscheidenden Kreativphase des Albums als ein fundamentaler Track heraus, Der Songwritingprozess verlief bemerkenswert flüssig, trotz der komplexen Natur des Stückes. Jede fertig entwickelte Passage verband sich nahtlos mit der nächsten, woraus sich schließlich ein zusammenhängendes Ganzes bildete. Es sind aber auch Parts enthalten, die so individuell klingen, dass sie für sich selbst stehen, unabhängig vom Rest des Songs.
Dieses Stück zeigt eine unserer Grundüberzeugungen als Songwriter: dass Musik kein Zeitlimit kennt. Ein Grundprinzip des Heavy Metal und zugleich unsere Philosophie insgesamt. Das ist vielleicht nicht die cleverste Wahl, um im Radio gespielt zu werden, aber das Stück fängt die Grundessenz des Albums ein, klanglich wie textlich, und gibt damit ein kraftvolles Statement ab.
Wir genießen es wirklich, Songs mit einer epischen und atmosphärischen Erzählweise zu schreiben, nachzuhören in früheren Tracks wie „Into The Sun“, „Slave Of Sorrows“ oder „Khamsin Riders“. Diese Einstellung ist ein Eckpfeiler des Sounds unserer Band und grundlegend für unsere kreative Identität.
MAS: Neben Leos Stimme werden die superben Songs von der atemberaubenden, ebenso wilden wie eleganten Gitarrenarbeit gekrönt, besonders von den akustischen Breaks, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Wieso klingen sie, als müsste es so sein und wäre gar nicht anders möglich?
Diskografie
Michael Schübeler

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