Artikel
Info
Fotos: Flame Dream Music
Zeit: August 2025
Ort: Berlin – In den schweizerischen Bergen
Interview: E-Mail
Stil: Progressive
Internet:
http://www.flamedreammusic.com
Vor einigen Monaten hatte Norbert sehr positiv auf Silent Transition, das aktuelle Album der schweizerischen Progger Flame Dream reagiert. Als nun ohne jede Vorwarnung die Wiederveröffentlichung des dritten Albums der Band aus dem Jahr 1981 in seinem Briefkasten lag, entschloss er sich ein paar Fragen in den Süden zu schicken, die offenbar in den Alpen gestoppt und von dort aus beantwortet wurden.
MAS: In meiner Review zu `Silent Transition´ erwähne ich zum Ende erfreut, dass drei Eurer sechs Alben neu auf CD veröffentlicht werden sollen. Als erstes ist nun `Out in the Dark´ erschienen. Warum wurde das dritte Album als erstes neu veröffentlicht, da ja auch das zweite Album `Elements´ zur Wiederveröffentlichung vorgesehen ist?
Peter Wolf: Wir haben immer als unabhängige Produzenten selbständig gearbeitet. Das ist auch heute noch so. Für unsere LP-Produktionen hatten wir ab 1979 einen Vertriebsvertrag mit Phonogram für CH und Italien. Das Album Out in the Dark wurde 1981 zuerst in der Schweiz und danach via Phonogram Hamburg in Europa veröffentlicht, später auch durch Greenworld Records/CA in US importiert. Analog auch die späteren Alben.
Ohne unsere Erlaubnis und Wissen wurden im neuen Millennium alle unsere Alben illegal als Mini-Sleeve CDs in schlechter Qualität auf dem „fake japanese label Tachika Records“ ex US online angeboten bzw. verkauft - und in der Folge auch von Fans auf YouTube aufgeladen. Entsprechend haben wir über die Jahre immer mehr Anfragen erhalten für eine offizielle Wiederveröffentlichung der früheren Alben. Da wir alle in verschiedenen Musik-Projekten engagiert waren, mussten wir zuerst die nötige Zeit generieren.
Wir haben uns überlegt, wie wir diese sehr komplexe Situation kreativ lösen können. Die ursprüngliche Idee von Roland Ruckstuhl, die früheren Alben mit einem neuen Bonus-Track wiederzuveröffentlichen, war in dieser Form nicht möglich. Um das Ganze musikalisch spannend zu gestalten, haben wir uns dann aufgrund der neuen Kompositionen 2023 dazu entschieden, ein ganzes Album zu proben bzw. einzuspielen. Silent Transition ist dann im Mai 2024 auf unserem eigenen Label erschienen und hat weltweit sehr gute Feedbacks erhalten. Die Doppel-LP Silent Transition (180 g Vinyl) wurde im Mai 2025 veröffentlicht und hat positive Reaktionen erhalten.
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| Roland Ruckstuhl |
Entsprechend war nun die große Frage, in welcher Reihenfolge wir unsere früheren vier Progressive Rock Alben wiederveröffentlichen sollten? Aufgrund der positiven Feedbacks war es schnell klar, dass wir mit Out in the Dark starten würden. Diese CD ist nun Mitte August 2025 erschienen. Es folgen weiter die CDs Elements (Mitte November 2025), Supervision (Ende Januar 2026) und Calatea (Frühling 2026). Da wir großen Wert auf die Gestaltung und die Texte legen, gibt es zu jeder CD ein 20-Seiten Booklet inklusive der Texte. Wie schon das neue Album Silent Transition werden diese vier früheren Alben auch weltweit im digitalen Vertrieb hörbar sein.
Alle diese Aktivitäten sind mit sehr viel Arbeit verbunden. Dabei leistet unser Label-Mgr. Urs Käch eine hervorragende Arbeit.
MAS: Was ist mit den anderen zwei Alben?
Peter Wolf: Die mehr song-orientieren Alben Travaganza (1983) und 8on6 (1986) sind momentan nicht zur Wiederveröffentlichung auf CD vorgesehen.
MAS: `Out in the Dark´ ist 1981 erschienen. Ohne das zu wissen, hätte ich das Album eine knappe Dekade früher datiert. Fallen wir doch gleich mal mit der Tür ins Haus. Frühe Genesis oder frühe Yes – welche Band hatte den stärkeren Einfluss auf `Out in the Dark´?
Peter Wolf: Wir vier Musiker, bzw. der Gast-Musiker (Gitarre) auf Out in the Dark, haben verschiedene musikalische Wurzeln:
- Roland Ruckstuhl (composer, arranger, piano, organ, keyboards, percussion) kommt aus der klassischen Musik;
- Pit Furrer (drums, percussion) kommt aus dem Jazz-Rock;
- Urs Hochuli (bass, bass pedals, guitar) kommt aus dem Rock;
- der US-Musiker Dale Hauskins aus der Fusion-Music;
- da ich selber (Gesang, Querflöte, Oboe, Saxophone) in Dublin/Ireland geboren bin, sind meine Wurzeln in der irischen Musik, der Klassik und dem Jazz sowie den Song-Books.
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| v.l.n.r: Urs Hochuli, Peter Wolf, Pit Furrer, Roland Ruckstuhl |
Wir sind neben dem Progressive Rock auch sehr früh mit experimenteller Contemporary Music konfrontiert worden: Karlheinz Stockhausen, Edgar Varèse, Terry Riley etc. Auch haben wir uns sehr mit Filmsoundtracks auseinandergesetzt, als viel von dieser Musik auf Tonträgern nicht erhältlich war.
Wenn man in den 1970er Jahren Longtracks komponiert hat, ist es sehr gut verständlich, dass man mit den Bands verglichen wird, welche bekannt waren. Bei genauem Hinhören merkt man jedoch, dass wir dank der speziellen Texte und der Instrumentierung, z.B. mit der Oboe, dem Saxophon und der Fusion-Guitar im Bereich des Progressive Rock eine eigene Mixtur entwickeln konnten. Hörbar ist das z.B. nach dem Gesang im langen Instrumentalteil des Titelstücks „Out in the Dark“, wo man die Jazz-Rock Einflüsse sehr deutlich hören kann - oder im komplexen Track „Kaleidoscope“ in der 3-teiligen Komposition „Strange Meeting“ mit dem erschütternden Text von Wilfred Owen.
Wenn man schon Vergleiche nennen möchte: Unsere Musik auf den ersten vier Alben wurde auch von Frank Zappa, Bands wie Popol Vuh, Soft Machine, Magma, Gentle Giant, King Crimson, Hatfield and the North (später National Health), Van der Graaf Generator, PFM (Premiata Forneria Marconi) und Banco del Mutuo Soccorso beinflusst. Die von Dir erwähnten „frühen“ Genesis und Yes spielen dabei auch eine Rolle. Ebenso die speziellen Filmsoundtracks der französischen „Nouvelle Vague“ und des italienischen „Neorealismo“. Es gibt so viel spannende Musik, welche man entdecken kann. Wichtig ist es, eine eigene Identität zu entwickeln. Das braucht Kreativität, viele Proben & Zeit.
MAS: Wenn ich das Booklet richtig lese, sind die Texte auf `Out in the Dark´ nicht extra für das Album geschrieben worden, sondern Vertonungen von bereits bestehenden Gedichten. Was für Dichter habt Ihr warum ausgesucht?
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| Out in the Dark (1981 / 2025) |
Peter Wolf: Spannende Texte schreiben ist echt eine große Herausforderung. Da ich dies nach meiner Musik-Ausbildung zuerst auch in meiner Geburtsstadt Dublin/Ireland Step by Step lernen musste, haben wir auf dem zweiten und dritten Album bis auf zwei Ausnahmen Gedichte vertont. (Info: „Sun Fire“ auf Elements - und „Nocturnal Flight“ auf Out in the Dark - wurden beide von mir geschrieben). Die sehr spezielle Metrik dieser klassischen Gedichte hatte dabei einen großen Einfluss auf die Kompositionen, die Arrangements und wie wir diese Tracks gespielt haben.
Auf Out in the Dark sind diese Gedichte für Rockverhältnisse anspruchsvoll - auch bezogen auf den angel-sächsischen Raum. Texte: „Full Moon“ von Robert Graves, „Out in the Dark“ von Edward Thomas, „Wintertime Nights“ von Thomas Hardy und „Strange Meeting“ von Wilfred Owen. Wir haben diese vier Gedichte spezifisch zum Titel des Albums ausgewählt - quasi verschiedene Perspektiven zum Thema. Die Tatsache, dass unsere Musik über die vergangenen Jahrzehnte erstaunlicherweise weltweit Hörer/innen gefunden hat - auch in U.K., Japan, US/Kanada und Südamerika, zeigt, dass es auch für andere Texte einen Platz hat.
Noch kurz ein Hinweis: Ab dem vierten Album Supervision war ich dann soweit, die Texte alle selber zur Musik bzw. den Kompositionen von Roland Ruckstuhl schreiben zu können.
MAS: Gibt es einen thematischen roten Faden?
Peter Wolf: Auf der Vinyl-LP Out in the Dark war die Seite A als Sun Side und die Seite B als Dark Side betitelt. d.h. die ersten drei Texte bzw. Tracks („Full Moon“, „Nocturnal Flight“, „Out in the Dark“) vermitteln eine positive, wenn auch teilweise melancholische Perspektive. Hingegen vermitteln die beiden Texte der LP-Seite B - auf der CD sind dies Track 4 „Wintertime Nights“ (aus dem Zyklus „In Tenebris“ von Thomas Hardy) Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung - und der Longtrack 5 „Strange Meeting“ mit dem erschütternden Text von Wilfred Owen eine tiefgründige Reflexion über den Horror des Krieges. Info: Benjamin Britten hat diesen Text 1962 für sein War Requiem verwendet. Leider ist dieser Text heute aktueller denn je. Entsprechend am Ende auch der Hinweis im Booklet.
MAS: Eure ersten drei Alben stammen aus den Jahren 1979 bis 1981. Jeder musikhistorische Artikel, der etwas auf sich hält, betont, dass in diesen Jahren die Progressive Bands der 70er durch den Punk von der Bühne gejagt wurden. Dass die etablierten Dinosaurier sich weigerten auszusterben, ist nachvollziehbar. Aber woher nimmt man den Mut in diesen Jahren eine neue Prog-Band zu starten?
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| Pit Furrer |
Peter Wolf: Wir haben uns immer für Musik und Musikprojekte engagiert, welche uns Spaß machen und von welchen wir überzeugt sind. Die Band wurde 1973 von Pit Furrer (drums, percussion, accordion) gegründet und erlebte mehrere Wechsel, bis sich ab 1976 der Kern herausbildete. Wegen meiner irischen Wurzeln und meinen regelmäßigen Aufenthalten in London waren wir über die Entwicklungen 1975/1976/1977 zeitnah sehr gut informiert. Ich kann diese komplexe Frage nur auf drei ganz verschiedenen Ebenen beantworten:
1. ZEITGEIST: Gerade die Rock- und Pop-Musik sind stets ein Spiegel der aktuellen gesellschaftlichen Strömungen. Auch wenn wir einen ganz anderen musikalischen Background hatten: Wie viele andere Bands waren wir von der direkten Rohheit und der Power sowie dem Spaß der Punk-Bewegung sehr angetan. Jede neue Generation nimmt sich die Freiheit und das Recht, alles, was bisher war, grundsätzlich in Frage zu stellen - siehe auch NDW. Das war übrigens auch schon Anfang der 1960er Jahre so mit der Mod-Bewegung - wunderbar hörbar auf dem Album Quadrophenia von The Who. Der Film Blow up von Michelangelo Antonioni als Spiegelbild von swinging London Mitte der 1960er Jahre. Daraus entstanden in London die Bewegungen des Psychedelic Rock und ab 1969 des Progressive Rock.
Provokation und Schock haben in der Kunst eine sehr wichtige Funktion. Also: Klar, dass die Punk-Bewegung ab 1976 in einigen Bereichen vieles verändert hat. So z.B. einfache Songs, provokative Texte und die Rückbesinnung auf laute überfüllte Klubkonzerte. Dass sich in der Folge auch viele Plattenfirmen in ihren A&R Abteilungen anders orientiert haben, hatte einen sehr einfachen Grund: Man wollte den neuen Zeitgeist aufnehmen. Zudem konnte man diese Alben viel schneller und günstiger produzieren.
2. Damalige PRINT-MEDIEN U.K.: Wenn man die Verhältnisse der 1970er Jahre in der Fleet Street in London kennt und wie die englischen Musik-Zeitungen - z.B. NME - funktioniert haben, so ist es überhaupt keine Überraschung, dass derbe Provokationen wie z.B. „Anarchy in the U.K.“ oder der Titel der ersten und einzigen LP der Sex Pistols auf den Frontseiten gelandet sind bzw. verboten wurden und medial ein riesiges Echo ausgelöst haben, gerade auch weil die arrivierte Klassengesellschaft und modern Economics in U.K. verbal frontal angegriffen wurden.
In Punkto Auftreten und Songs standen für diese Bewegung auch The Velvet Underground (Protégées von Andy Warhol) und Iggy Pop & the Stooges aus den 1960er Jahren Pate. In den US gab es ab 1978 in San Francisco eine Band mit dem provozierenden Namen „D.K.“. Dass Needle and Pins und Irokesenschnitt mit schrillen Farben eher auf einer Frontseite landen als komplexe und lange Musik-Kompositionen, welche man mehrmals anhören muss, versteht sich von selber.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass viele Künstler der Punk-Bewegung großen Respekt für Peter Hammill oder Syd Barrett hatten.
Dass diese Bewegung auch in der Mode große Spuren hinterlassen hat - z.B. Vivien Westwood oder Jean-Paul Gautier, gehört auch zu dieser Geschichte.
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| Urs Hochuli |
3. MUSIK: Wenn man im Rückblick die musikalischen Entwicklungen betrachtet, so fällt es auf, dass es neben der erwähnten medialen Dominanz viele andere herausragende Künstler gab, welche just zu diesem Zeitpunkt gestartet sind. z.B. Laurie Anderson, Grace Jones, Kate Bush, Al Jarreau, Joe Jackson, The Police (mit Sting), Dire Straits (mit Mark Knopfler), Pat Metheney (solo und in der PMG zusammen mit Lyle Mays), Jan Garbarek etc.
Die Charts, Platten- und Ticketverkäufe für Live-Konzerte Mitte/Ende der 1970er Jahre zeigen sehr deutlich, dass es damals in der Musikszene sehr viele verschiedene Strömungen gab - in der Folge u.a. ab den 1980er Jahren auch die Entwicklungen zur World Music oder Projekten wie z.B. Brian Eno/David Byrne mit dem Album My Life in the Bush of Ghosts. Dazu gab bzw. gibt es eine sehr breit gestreute Klassikszene, Contemporary Music und Jazz in den verschiedensten Formen. Auch wenn medial nicht mehr im Mainstream bzw. Fokus: Progressive Rock hatte in all diesen Jahren einen Platz im globalen Musikschaffen - auch im neuen Millennium.
Fazit zu Deiner Frage: Es gab auch Mitte/Ende der 1970er Jahre - in der noch analogen Zeit - Platz für sehr viele verschiedene Arten von Musik. Durch unsere Live-Konzerte und den Vertriebsvertrag mit Phonogram in Hamburg, bzw. den Veröffentlichungen auf dem bekannten Vertigo-Label, konnten wir über unsere Landesgrenzen die Progressive Rock Hörer/innen erreichen.
MAS: Natürlich kann man es z.B. in der Wikipedia nachlesen, aber bereits die im Booklet mehrfache Angabe schweizerische Orte – und der Name Urs – legten die Vermutung nahe, wo ihr zu verorten seid. War die Situation fern der musikalischen Zentren förderlich dafür, gegen den Strom zu schwimmen?
Peter Wolf: Wir arbeiten an unseren Musikprojekten in Luzern bzw. wohnen auch dort. Eine Stadt mit sehr viel Musik und einem der besten Konzertsäle weltweit. Dazu kommen verschiedene Theater, Kleinbühnen, Clubs, diverse Open-Air-Veranstaltungen etc. Das Angebot an Konzerten ist riesig. Durch meine irischen Wurzeln und der Tatsache, dass wir die ersten beiden Alben mit Jean Ristori in den Aquarius Studios in Genève (Co-Owner war Patrick Moraz) und ab dem dritten Album zusammen mit dem Produzenten John Acock in Genève bzw. London aufgenommen haben, sowie unseren damaligen Vertriebsvertrag mit Phonogram Hamburg, war unsere Musik von Anfang an auf ein internationales Publikum ausgerichtet. Unsere verschiedenen musikalischen Wurzeln habe ich vorher schon erwähnt, diese prägen unsere Kompositionen und Texte.
MAS: Wo ich die Wikipedia schon erwähnt habe. Für das Internet-Lexikon seid ihr „eine Band des Progressive Rock aus der Schweiz, die Anfang der 1980er-Jahre zu den wichtigsten europäischen Bands dieses Genres gezählt werden konnte“. Teilt Ihr diese Einschätzung oder habt Ihr das vielleicht selbst in den Artikel geschrieben?
Diskografie
Elements (1980; Re-Release geplant für Mitte November 2025)
Out in the Dark (1981; Re-Release: 21. August 2025)
Supervision (1982; Re-Release geplant für Ende Januar 2026)
Travaganza (1983)
8on6 (1986)
Silent Transition (2024)
MAS: Warum habt Ihr Euch 1986 aufgelöst?
Peter Wolf: Das hatte verschiedene Gründe. Nach sechs LP-Produktionen (fünf davon von 1979 bis 1983 veröffentlicht), sehr vielen Entbehrungen und dem pausenlosen Engagement mit Proben, Schreiben, Produzieren, Album-Release, Promotion, Vorbereitungen Tournee, Konzerten waren wir an einem Punkt, wo wir Abstand brauchten.
Dazu kamen die rasanten technischen Entwicklungen, welche viele Musiker überforderten - z.B. digitale Aufnahmetechnik, Sampling (z.B. Fairlight CMI, Synclavier), MTV (Man musste sichtbar sein; professionelle Videos kosteten damals in der Regel extrem viel Geld, es sei denn man konnte diese selber produzieren wie z.B. Dieter Meier von Yello).
In Punkto Tonträger war es so, dass die CD die Vinyl-LP ablöste. Dazu kam der sehr spezielle 1980er Jahre Zeitgeist. Im Weiteren mussten wir von Anfang an immer sehr viel selber organisieren. Wir hatten nie ein Management mit den finanziellen Ressourcen und der zwingend nötigen Ausdauer, um im Ausland regelmäßig Tourneen organisieren zu können. Logischerweise verschieben sich mit der Zeit auch die Prioritäten.
MAS: Spiegelfrage: Warum geht ihr 2024 wieder an den Start? Wenn ich es recht sehe auf einem Eigenlabel. Was bedeutet 3VƐ Records?
Peter Wolf: Zwischen dem Release von 8on6 (1986) und Silent Transition (2024) liegen lange 38 Jahre, sehr vieles hat sich radikal verändert - auch im Bereich der Musik. Geblieben sind unsere gemeinsame Passion for Music. Wegen der großen Nachfrage nach den früheren Progressive Rock Alben haben wir uns überlegt, wie wir eine Wiederveröffentlichung musikalisch spannend gestalten können. So entstand sukzessive ab 2023 das Album Silent Transition in unserer eigenen Produktionsstätte. Einzig die Aufnahmen für die Gitarre von Alex Hutchings und das Mixing erfolgten in den Soundfarm Studios. Da wir kompromisslos und unabhängig arbeiten, hat sich das Eigenlabel von selber ergeben. Der Name hat keine bestimmte Bedeutung, auf einer CD gibt es nur wenig Platz für ein Label oder Logo.
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| Peter Wolf |
MAS: Seid ihr musikalisch in der Zeit, in der Flame Dream nicht existierten, musikalisch aktiv geblieben?
Peter Wolf: Wir waren stets als Musiker aktiv. Da man in einem kleinen Land wie der Schweiz von Progressive Rock nicht leben kann, bedeutete dies für uns:
- Pit Furrer (drums, percussion): Engagements mit Theater-Musik, 2 Jahre Aufenthalt als Sessionmusiker in L.A./US, nach seiner Rückkehr Gründung einer Drum-Schule, Projekte u.a. mit Musik von Nino Rota. Dazu entwickelte er seine große Passion für Vintage Drums;
- Urs Hochuli (bass, bass pedals, guitar): akustisches Quintett Al Pesto mit dem Kontrabass, div. Design-Projekte, Comic-Festival Fumetto;
- Roland Ruckstuhl (piano, organ, keyboards, percussion) arbeitete jahrelang für Roland International - so lernte er auch vor Jahren den exzellenten Gitarristen Alex Hutchings kennen.
- Ich selber habe u.a. Songs von Brecht/Weill oder George Gershwin gesungen und mich in diversen Kultur-projekten engagiert.
Über die Jahre konnten wir so viele neue Erfahrungen und Know-how sammeln - auch bei der digitalen Aufnahmetechnik.
MAS: Wie habt Ihr es geschafft, das komplette Original Line up wieder zusammen zu bringen?
Peter Wolf: Luzern ist vergleichsweise eine sehr kleine Stadt. Wir sind immer in Kontakt geblieben und unsere Freundschaft hat sich über die Jahre vertieft. Ab Sommer 2022 hat es wieder gepasst. Da wir immer aktiv waren, ist uns das Spielen bzw. das Komponieren von neuer Musik, die Proben, sowie bei mir das Schreiben von Texten leicht gefallen. Die Produktion von Silent Transition hat uns sehr Spaß gemacht.
MAS: Zum Abschluss der übliche Blick in die Zukunft. Dass ihr u.a. im Blick auf Eure CO2-Bilanz auf Live-Auftritte verzichten werdet, teilt ihr auf Eurer Homepage in den FAQ mit. Habt Ihr denn vor in der näheren Zukunft die Kunststoffproduktion durch die Veröffentlichung weiterer Alben zu erhöhen?
Peter Wolf: Live-Konzerte sind im Moment für uns noch kein Thema - je nach der Zukunft sind wir offen. Meine Aussage am Schluss im Interview des Empire-Magazin von Juni 2024 war, dass wir alle - d.h. auch Musiker bzw. Bands - den Rock-Konzertbetrieb grundsätzlich überdenken.
Da wir regelmäßig für Konzerte angefragt werden, haben wir unter FAQ vermerkt, dass wir wie schon eingangs erwähnt je nach den Entwicklungen offen sind. Auch wir haben eine Verantwortung, um den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Damit verbunden, dass man Konzerte bzw. Tourneen gerade auch im Rock-Bereich anders planen sollte.
Dabei geht es auch um die mittlerweile exorbitant hohen Preise, welche durch die dominante Monopol-Situation einiger globaler großer Veranstalter bzw. in Europa sowie den digitalen Ticketplattformen entstanden sind. Info: Unsere CD-Digipacks erscheinen auf recyceltem Karton. Leider gibt es bis heute zum Tray aus Kunststoff, wo man im Innenteil des Digipacks die CD fixieren kann, noch keine zahlbare gangbare Alternative.
MAS: Peter, herzlichen Dank für die sehr ausführlichen Antworten.

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