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Lieblingslieder 57: Albert Frey - “Zwischen Himmel und Erde“

Dass sich Ingo nicht dem Zeitgeist folgend von Glauben, Kirche und Christentum abgwendet hat, ist bereits in den letzten 56 Kolumnen immer wieder einmal deutlich geworden. Nun hat er sich mit Albert Frey einen mehr als etablierten Protagonisten moderner Kirchenmusik zu Brust genommmen und in den Anmerkungen dazu Details seines kirchenmusikalischen Lebenswegs offen gelegt.

Von 1998 bis 2000 machte ich neben meiner Arbeit an der Universität Hohenheim (Fach Bodenkunde) eine Ausbildung zum C-Pop Musiker der evangelischen Landeskirche Württemberg. Es war das erste Mal, dass es so eine Ausbildung im Popbereich gab und ich war einer von 5 Gitarristen, die an diesem Pilotprojekt erfolgreich teilnahmen. Eine Zeit des Umbruchs in der kirchenmusikalischen Szene, denn erstmal war man als Popmusiker dem klassischen Musiker gleichgestellt. Dies hatte auch mit der enorm gewachsenen Szene der christlichen Popmusik zu tun, die jedoch oft in der freikirchlichen Umgebung, bzw. in der sogenannten Lobpreisszene groß wurde.

Einer der wichtigsten Komponisten, Texter und Musiker war schon damals Albert Frey, dessen Lieder auch in der populären Liederbuchreihe ‚Feiert Jesus‘ abgedruckt waren. Im dritten Band war neben anderen seiner Lieder auch das Lied “Zwischen Himmel und Erde“ abgedruckt, welches 2002 auch titelgebende Song einer CD wurde. Mich hatte das Lied damals sofort textlich und musikalisch angesprochen. Und es begleitet mich seither sowohl im Gottesdienst als auch im Konzert und im Gitarrenunterricht.

Der Text beschreibt die Spannung die entsteht, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, um wieder in der Gegenwart Gottes leben zu können. Dennoch leben wir aber noch im hier und jetzt. Wir sind sozusagen in einer ‚Zwischenzeit‘. So heißt es in der ersten Strophe:

Zwischen Himmel und Erde ist ein Riß
Und ein Kampf zwischen Licht und Finsternis
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit
Zwischen Himmel und Erde sind wir noch
Und das, was wir nicht wollen, tun wir doch
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit


Im Pre-Chorus wird dies noch deutlicher:

Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt
Wir gehören zu dir und doch sind wir noch hier


Im Refrain spricht Albert Frey dann davon, wie das Kreuz der zentrale Punkt ist, zwischen Himmel und Erde, die dort aufeinandertreffen:

Zwischen Himmel und Erde hängst du dort
Ganz allein und verlassen von Mensch und Gott
Zwischen Himmel und Erde ausgestreckt
Dort am Kreuz
Zwischen Himmel und Erde hängst du dort
Wo die Balken sich kreuzen, ist der Ort
Wo sich Himmel und Erde trifft in dir
Dort am Kreuz


Für mich eine schöne Metapher dafür, warum das Kreuz im Christentum eine so wichtige Rolle in sich birgt.

Musikalisch lebt das Lied zunächst von einer schönen Melodielinie in den Strophen und vor allem von einem tollen, gut mitsingbaren Refrain. Harmonisch bleibt Albert Frey in bekannten Gefilden von Tonika, Subdominante und Dominante, ab und zu auch eine Mollparallele. Eigentlich nichts wirklich Aufregendes, aber eben perfekt aufeinander abgestimmt und schön arrangiert.

Oft spiele ich ja Lieder etwas langsamer als das Original. Bei “Zwischen Himmel und Erde“ verhält es sich einmal andersherum. Ich hatte damals das Lied damals nur von den Noten her gelernt. Die Aufnahme von Albert Frey hatte ich erst Jahre später gehört. So macht man sich eben seine eigenen Gedanken zu einem Lied und wie man es für sich glaubhaft spielen und singen kann. Eine Methode die ich gerne anwende, weil man dann viel freier an die Lieder herangehen kann, auch wenn manchmal Leute, die das Original kennen, nicht immer glücklich damit sind.



Albert Frey ist für mich einer der herausragenden Songwriter in der christlichen Popszene und es dürfte kaum jemanden mit einer christlich-kirchlichen Sozialisation geben, der nicht irgendein Lied von ihm kennt. Für mich ist “Zwischen Himmel und Erde“ eines seiner wichtigsten Lieder, welches mich nun schon über 20 Jahre begleitet und auch in Zukunft begleiten wird. Eben ein echtes Lieblingslied!

Ingo Andruschkewitsch


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