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Es hat im Laufe der Jahre meiner CD-Sammelleidenschaft immer wieder einmal bestimmte „CD-Gruppen“ gegeben, in denen ich CDs erworben habe, ohne dass ich eine bestimmte Gruppe mehr als dem Namen nach gekannt hätte.
Lange Jahre waren das z.B. christlich geprägte Bands. Das ist schwieriger geworden. Früher gab es Werbezeitungen einzelner Plattenvertriebe, insbesondere des Pila-Versands. Die habe ich zur Kenntnis genommen und kannte so u.a. den Namen von Hoi Polloi. Deren CD Spin me habe ich verhaftet, ohne je einen Ton von ihnen gehört zu haben, als ich sie in dem CZB-Medienladen am Berliner Südstern für immerhin 10 DM gefunden habe.
Bei Hoi Polloi hätte ich wahrscheinlich auch ohne das genannte Vorwissen gewähnt, dass es sich um eine christliche Band handeln könne. Hoi Polloi ist, so habe ich es vor Jahren in einem Seminar gelernt, ohne das jetzt noch einmal nachzuprüfen, die Bezeichnung, die die Evangelisten Matthäus und Lukas für die Menschen gewählt haben, die sich versammelt haben, wenn Jesus irgendwo öffentlich auftrat.
Das ist insofern bemerkenswert, als beide Evangelisten ihre Werke auf der Basis des Markusevangeliums geschrieben haben. Sie sind mehr oder weniger ergänzende Überarbeitungen des Markusevangeliums. Markus aber benutzt nicht das oben genannte „Hoi Pollo“, sondern sattdessen den Begriff „Ochlos“. Das macht einen deutlichen Unterschied. Während „Hoi Polloi“ neutral eine größere Menschenmenge beschreibt („Die Vielen“, „die Menge“), hat „Ochlos“ eine deutlich negative, abwertende Bedeutung („Pöbel", „Gesocks“).
Hintergrund ist, dass die Anhängerschaft Jesu in den frühen Jahren vor allem aus Menschen bestand, die sich am Rand der Gesellschaft befanden. Die „bessere Gesellschaft“ blickte auf diese Leute naserümpfend herab. Sich die Selbstbezeichnung „Ochlos“ zu geben, war eine Art Gegenwehr. Man nahm den Anderen das abwertende Schwert aus der Hand.
Wir kennen das z.B., wenn sich Farbige in der US-Hip Hop- und Rap-Szene selber als Nigger bezeichnen oder wenn sich Jugendliche in Großbritannien Punks (Abfall) nennen.
Ob der Band Hoi Polloi dieser Hintergrund bewusst war, als sie sich ihren Namen gab, ist mir nicht bekannt.

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