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Alles eine Frage des Standpunktes...

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Gesprächspartner: Alias Eye

Stil: ArtRock

Einen Tag vor dem A Different Point Of You-Releasekonzert stellte sich Frank Fischer, Bassist von Alias Eye, meinen Fragen. Aufgrund der Länge des Interviews kommt der erste Teil in dieser Ausgabe, der zweite Teil in der Februarausgabe.

MAS: Ihr definiert eure Musik als Artrock. Was versteht ihr darunter?

FF: Artrock ist für uns natürlich kein Hardrock sondern Kunstrock; darunter verstehen wir die Verschmelzung verschiedener Stilarten, wie es in unserer Musik auch hörbar ist.

MAS: Wie klingen Alias Eye?

FF: Ich glaube das kann man schlecht beschreiben. Wir klingen jazzig, funkig, manchmal einfühlsam, manchmal etwas härter, so dass man es eigentlich nicht genau beschreiben kann, sondern einfach hören muss.

MAS: Wer waren eure Vorbilder?

FF: Also für uns alle gesprochen kann man sagen hauptsächlich die Beatles, was das Songwriting betrifft. In der Szene sicher auch Bands wie Spock’s Beard. Von Philip ganz früher auch Dream Theater, glaube ich. Bei unserem Keyboarder ist es ganz anders, er kommt aus der Elton John-Richtung, unser Schlagzeuger kommt eher aus dem 70s-Rock. Er kommt ja aus Rumänien, dort gibt es eine sehr gute Band, Phönix, die hat ihn sehr geprägt. Ich komme aus der Ecke Beatles, Sting; Paul McCartney insbesondere, aus der PopRock-Ecke. Das sind so unterschiedliche Einflüsse, die kann man fast nicht auf einen Nenner bringen. Aber unser Haupteinfluss sind schon die Beatles.

MAS: Angefangen mit eurer Promo-CD bis zur aktuellen: Sie fahren ja überall nur gute bis sehr gute Kritiken ein. Besteht die Gefahr, dass man denkt “Was wir machen wird eh zu Gold“ und man dann beim Songwriting nachlässig wird?

FF: Nein, auf gar keinen Fall. Natürlich sind die Kritiken hervorragend, man kriegt schon beinahe etwas Angst, ein komisches Gefühl, wenn man sie manchmal liest, aber letztendlich ist es auch ein gewisses Selbstbewusstsein. Es gehört dazu, dass man sagt „Ok, das ist unsere Musik; sie muss zuerst einmal uns gefallen.“. Ich glaube nicht, dass man dadurch leichtsinnig wird. Ich kann mir das auch nicht vorstellen, da wir die Musik schreiben, die aus uns rauskommt, und sie gefällt entweder den Leuten oder eben nicht. Offensichtlich gefällt es den Leuten ja.

MAS: A Different Point Of You ist das beste Album, dass wir je gemacht haben, da...

FF: Das wir je gemacht haben würde ich nicht sagen, da wir uns ja noch weiterentwickeln werden. Es ist das beste, das wir bis jetzt gemacht haben, da wir uns mit A Different Point Of You sowohl songwriterisch (merkwürdisch..., Anm.d.Red.), musikalisch als auch spielerisch weiterentwickelt haben.

MAS: Ein paar Worte zu den einzelnen Songs.

FF: Beginnen wir mit A Clown’s Tale, das natürlich stark von dem orientalischen Saxophon geprägt wird. Es hieß bei uns auch zuerst The Indian Song, da zuerst gedacht war, dass es einen indischen Touch bekommt, und zu Schluss wurde dann doch ein eher orientalischer Song draus. Ein typischer Alias Eye-Song, erstens wegen dem orientalischem Einschlag. Zweitens arbeiten wir wieder mit einem anderen Instrument, dem Saxophon. Wir hatten es zwar schon auf der ersten CD, aber es ist doch prägnanter als auf Field Of Names. Drittens hat es einen sehr eingängigen Refrain und viertens ein sehr ruhiges, aber sehr interessantes Solo. Fake The Right ist unser Funksong schlechthin, die Idee stammt von Matthias, sie wurde aus diesem Gitarrenriff geboren, dann kamen ich und der Schlagzeuger hinzu; wir haben den Groove kreiert und es ist eine absolut geile Nummer. Gerade mit dem Bläsersatz von Timo Wagner hintendran. Uns wird oft vorgeworfen, dass sie zu kommerziell ist. Manche Leute sagen, sie klingt ein bisschen nach Dave Matthews. Ich kenne die Dave Matthews Band und habe mich damit befasst; ich muss sagen ja, es klingt etwas in diese Richtung. Es ist uns schon bewußt, dass dieser Song die Progrockszene etwas spalten wird. Aber es ist eine Nummer , die absolut nach vorne geht mit einem gigantischen Gitarrensolo und eben dieser Solopart, bei dem wir alle synchron miteinander spielen. Das ist eine Nummer, die live auf jeden Fall sehr gut rüberkommen wird. danach kommt Your Other Way. Es war der erste Song, den wir aufgenommen haben; wieder ein typischer Alias Eye-Song, da er von den verschiedenen Teilen lebt, die aber in sich wieder schlüssig sind und insgesamt wieder ein rundes Bild ergeben, mit einem phantastischen, echten Akkordeon drin, welches Vytas auch beim Konzert spielen wird. Das Gitarrensolo stammt allerdings nicht von Matthias, sondern von unserem Produzenten, Christian Schimanski. Eine Nummer, die zwar sehr lang ist, aber durch einige Hooklines lebt und mit einem super Schluss das Ganze schön beendet. Danach kommt schon Icarus Unworded, eine sehr ruhige Nummer, die von Philip stammt und mit einer sehr schönen Melodie aufwartet. In ihr gibt es wieder ein neues Element in unserer Musik, eine Slidegitarre und einem Mittelteil, den einige als Calypso bezeichnen. Wir selbst sagen eher mit einem leicht Reggae-angehauchten Mittelteil, der das Ganze etwas auflockert und dann in einem schönen Slidegitarrensolo endet. Wieder eine wahnsinnig schöne Nummer; es macht auch sehr viel Spaß sie zu spielen. Philip kann auch wieder Mal zeigen, was er in seinem Herzen hat; weniger was er gesangstechnisch drauf hat, das wissen wir, hier kann er einfach sein Herz reinlegen. The Usual Routine ist von Vytas geschrieben; ich würde sagen ein typischer Vytas-Text, da Vytas eher über alltägliche Dinge schreibt. Philip mittlerweile auch ein bisschen, aber Vytas schreibt noch alltäglicher. Es ist ganz klar eine Abgehnummer, ich würde sagen schon eine unserer kommerzielleren Nummern mit einem klassischen Jazzsolo danach. In Grunde könnte man die Nummer auch ohne Jazzteil nehmen, dann könnte man sie sogar im Radio spielen. Aber wir haben gesagt „Ok, wir machen aus dem Popsong mal wieder einen Alias Eye Artrocksong, deshalb haben wir noch diese tolle Jazzpassage hintendran gehängt. The Usual Routine ist etwas von Dave Brubeck inspiriert; Vytas ist ein Brubeck-Fan, da kommen manchmal auch ein paar Ideen her. Diese Ideen sind in The Usual Routine auch ein bisschen drin. dann kommt die wunderschöne, von Philip geschriebene Ballade, Drifting, die wir sehr, sehr ruhig gehalten haben. Wir haben überlegt ob die Vollbesetzung zu ihr passt und gesagt, dass sie Luft zum Atmen braucht, und ich denke, das ist uns auch gelungen. Es ist wirklich so viel Luft zum Atmen drin; es ist kaum Schlagzeug drin. Wir haben es bewusst schlagzeugmäßig sehr still gehalten. Es ist ein Fretless-Bass drin, was man auch hört. Ich habe ihn bewusst eingesetzt, da ein normaler Bass in dem Fall nicht so schön wirkt. Wir haben viel Mühe und Arbeit in Drifting gesteckt; ich habe mir einen Fretless-Bass geliehen, da ich leider noch keinen besitze. Eine super Nummer, die manch einem vielleicht nicht gefallen wird, aber wir haben gesagt, wir bringen sie als Entspannungspunkt bewusst in die Mitte der Platte. Nach Drifting kommt On The Fringe, einer meiner Favourites, nicht nur, weil ich mitgeschrieben habe, sondern weil es einfach wieder eine tolle, Alias Eye-typische Nummer ist, da viel Klassik drin ist. Wir wollten den Mittelteil, die ruhige Passage, ausbauen, aber wir haben schnell gemerkt, dass es dann langweilig wird. Man muss sagen „Ok, das und das kann man machen; da und da ist Schluss“. Für mich eine absolut klasse Nummer, da sie seht untypisch mit Didgeridoo beginnt und in einem fulminanten Schluss endet. Bei ihm passiert wahnsinnig viel, aber der Song erfordert auch. dass man viel hineinpackt mit Orchesterstimmen hintendran und so weiter. On The Fringe war auch ein Song, bei dem wir zuerst gedacht haben „Mein Gott, wie kommt das live an, wie kann man das live umsetzen“. Da muss man schon sehr lange überlegen wie man das macht. Es ist ganz klar, dass man zwischen Studio und live trennen muss. Wir arrangieren die Songs für Liveauftritte definitiv um; d.h. wir lassen Parts weg, die man weglassen kann; natürlich keine elementaren Parts, die würden dann ja auch irgendwo fehlen. Es gibt einfach Dinge auf der Platte, die das Ganze runder machen, die man aber live nicht unbedingt benötigt. Ich denke, dass es uns bei On The Fringe optimal gelungen ist; die elementaren Parts, also 95 Prozent des Songs werden auf jeden Fall gespielt. Die wichtigsten Parts, die Riffs, sind auf jeden Fall drin. Ich denke, dass die Nummer live auf jeden Fall sehr gut ankommen wird. Vytas kann dann viele Streicher und Parts spielen kann. Danach kommt The Great Open, das Stück haben wir auch auf dem Sampler des Eclipsed-Magazins gebracht. Eine wahnsinnig tolle Nummer mit fulminanten Gitarrensolo. Ich denke so eine Nummer hat die CD gebraucht, da wir dieses Mal auf der Platte schon mit Soli gespart haben, allerdings nicht absichtlich, das hat sich einfach so ergeben. Bei uns passiert eigentlich nie etwas mit Absicht, sondern wir schreiben einfach und schauen was tut dem Song gut, was passt rein. Und The Great Open schreit förmlich nach so einem Gitarrensolo, da er für unsere Verhältnisse sowieso relativ hart ist, aber die Harmonie erfordert es auch, dass bei diesem Song die etwas härtere Gangart gefahren werden muss. Er fängt sehr schön mit einem Refrain an, gefolgt von einer kleinen Bassmelodie, die das Ganze einleitet, was mich natürlich besonders freut. Dann folgt die härtere Strophe und der wunderbare Refrain, der alles aufmacht und das Gitarrensolo. Der Song lebt unheimlich von seiner Dynamik. Die Platte endet mit einem für den einen oder anderen sicher untypischen Song, Too Much Toulouse. Wir lieben Wortspiele, und Toulouse war einfach so ein Gag, den fanden wir so witzig, da dachten wir den machen wir auf die Platte drauf. Wir haben nichts gegen Toulouse; ich war auch schon dort; es ist eine wunderschöne Stadt. Wieder ein Song von Vytas, dem Jazzer unserer Band, was den Song auch geprägt hat. Wir haben den Song bewusst ans Ende der Platte gestellt, weil wir dachten, dass er mittenrein nicht so gut passt. Auf jeden Fall eine Abschlussnummer; er wird vermutlich auch das Konzert beenden. Bei ihm werden wir auch die Gelegenheit nutzen, die ganzen Leute vorstellen. Wir spielen ihn schon sehr lange, er ist schon lange in einer anderen Fassung in unserem Programm. Wieder eine sehr schöne Nummer, mit einem sehr schönen Refrain sowie schönen Gitarren- und Pianosoli. Eine Nummer, bei der ich nicht mitspiele. Wir haben bewusst einen Kontrabass genommen, da die Nummer förmlich nach einem Kontrabass schreit. Meiner Meinung nach funktioniert die Nummer nicht ohne Kontrabass. Ich habe keinen Kontrabass; kann zwar darauf spielen aber nicht so gut, dass es auf der Platte schön klingt. Philip spielt auch in einer Jazzband und kennt daher auch Bernd Schreiber, der den Kontrabasspart übernommen hat. Soviel zu den einzelnen Songs.

MAS: Du hast es bei Too Much Toulouse schon angesprochen: Wie viele Metaphern stecken in euren Songs?

FF: Ich glaube ziemlich viele, genau weiß ich es gar nicht. Da muss man den Texter fragen, Philip arbeitet sehr viel mit Metaphern. Ich befasse mich auch mit den Texten; manchmal verstehe ich sie sogar - Philips englisch ist schon ziemlich schwierig, wobei es mittlerweile einfacher geworden ist.

MAS: Wird das Artwork nach euren Wünschen angefertigt oder hat der Artworker freie Hand?

FF: Also wir arbeiten das Artwork aus; speziell Philip, da er ja die Texte schreibt und sich dazu entsprechende Bilder im Kopf ausmalt. Er spricht das dann mit uns ab, und wir geben die Ideen dann an Mattias Norén weiter. Er entwirft etwas, wir schauen es uns an und sagen dann: „Ok, mach so weiter“ oder „Wir haben uns das eher so und so vorgestellt.“ Er arbeitet definitiv nach Auftrag, aber die Umsetzung obliegt ihm. Besonders bei dem Cover, dem Glas, hat jeder seine eigene Vorstellung; jeder stellt sich ein anderes Glas vor. Mattias Norén hat das hervorragend gemacht, er ist ein hervorragender Grafikdesigner, vor allem, da er unsere Ideen hervorragend umsetzen kann. Wir wollten schon etwas bewusst aus der Ecke, in der er eigentlich drin ist, weg. Er macht ja auch Bilder für Marillion, Arena und so weiter. Wenn man sich deren Cover anschaut, sind sie sich schon ein bisschen ähnlich. Da wollten wir schon davon weg. Es ist schon unsere Absicht zu sagen „Ok, wir sind musikalisch eine andere Ecke, und das soll sich auch natürlich im Artwork wiederspiegeln. Lustigerweise sagen viele Leute, dass wir wegen „Findet Nemo“ up to date sind; da wir Fische im Glas haben. Diesmal ist das Artwork auch anders; heller geworden, das war auch bewusst die Aussage, dass wir nicht nur von der Musik anders sind, sondern auch vom Artwork her. Die Field Of Names war nicht nur vom Artwork her dunkler, sondern von den Texten her auch melancholischer.

MAS: Deine Lieblingsstücke auf A Different Point Of You?

FF: Das wechselt bei mir ständig. Momentan Fake The Right, The Great Open und On The Fringe, was aber nicht heißen soll, dass ich die anderen Stücke nicht gerne spiele. Natürlich gefällt mir die ganze Platte, aber das sind Stücke, die mir momentan gefallen. Das ändert sich von Tag zu Tag, es gibt keine richtige Skala. Sie liegen alle im gleichen Bereich.

MAS: Viele eurer Songs sind ja in gewissem Maße auch sehr charttauglich. Plant ihr eine Single?

FF: Nein. Eine Single kann man mit unserem Bekanntheitsgrad nicht promoten. Eine Single macht überhaupt keinen Sinn, da sie wahnsinnig viel Geld kostet. Geld deshalb, da man die Single ja ohne Ende promoten muss. Die Herstellungskosten sind natürlich gering, aber man muss eine Single mit einem Video promoten. Es ist eben üblich, dass Chartsingles mit einem Video promotet werden, das ist die einzige marketingtechnische Möglichkeit, eine Single gut zu verkaufen. Eine Single macht leider, leider keinen Sinn. Da ist der finanzielle Aufwand zu hoch, dass es sich unterm Strich nicht rechnen würde.

MAS: Du hast gerade euren Bekanntheitsgrad angesprochen: Wo seht ihr euch momentan?

FF: Was den deutschen Raum betrifft: In der Szene schon unter den bekannteren Bands; in der Artrock/Progrockszene haben wir uns schon einen Namen erarbeitet, in gewissem Maße auch international, wobei man das nie so genau abschätzen kann. Man kann ja nicht messen, wie bekannt man ist. Man kann nur hoffen, dass durch die ganzen Anzeigen und Kritiken in den Magazinen und Onlinezines, durch unseren Internetauftritt und durch Konzerte unser Bekanntheitsgrad erhöht. Ich glaube nicht, dass man sagen kann „soundsoviel Leute kennen uns“, das ist praktisch unmöglich. International sind wir durch unser holländisches Label auch in gewissen Kreisen bekannt. In den Dutch Progressive Rock Pages kommt auch wieder ein Review über A Different Point Of You rein. Ich denke, wer in der Szene drin ist, kennt uns auch; er hat uns sicher Mal gehört; ob er aber gleich weiß, wer wir sind kann ich nicht sagen. Ich hoffe zumindest, dass der Name Alias Eye schon ein Begriff ist.

MAS: Du hast eben gerade euer Label angesprochen. Eure aktuelle Cd sollte ja etwas früher erscheinen. Woran lag die Verzögerung?

FF: Was heißt früher - geplant war schon Oktober, aber das hat sich ein bisschen verzögert, da unsere Plattenfirma die Promotionagentur gewechselt hat, da sie mit der bisherigen Agentur nicht die gewünschten Erfahrungen gesammelt hat. Wir sind jetzt bei Undercover Promotion, und die machen echt einen sehr guten Job. Ich denke, es lag teilweise auch daran - eine Promotionagentur kostet ja auch Geld - dass René Janssen von DVS Records einfach geschaut hat, das es auch wirtschaftlich Sinn macht. Deswegen hat es sich ein bisschen verzögert, aber wir sind der Meinung, dass das Veröffentlichungsdatum 1. Dezember überhaupt kein Nachteil ist, eher im Gegenteil.

MAS: Die Releaseparty wird ja gefilmt und als DVD veröffentlicht. Plant ihr auch eine Live-CD?

FF: Nein. Eine DVD wird morgen nicht mitgeschnitten. Wir haben das gecancelled, weil wir erstens in der Location alles abtrennen müssten; wir hätten noch Leute organisieren müssen, die Filmen und da müssen wir auch ganz ehrlich sein, wir haben uns hingesetzt und gesagt, wir haben noch so lange Zeit, um uns auf das Konzert vorzubereiten. Wir können nicht jeden Tag proben, wir sind eben keine Profis, das vergessen viele. Wir sind alle berufstätig und müssen schauen, dass wir alle Zeit, die wir haben reinstecken, aber wir müssen auch schauen, dass wir unsere Zeit auch sinnvoll nützen. Und da haben wir gesagt „Macht es Sinn, sich diesem Druck zu unterziehen, der automatisch aufkommt?“ Wir haben gemerkt, dass der Druck einfach zu hoch wird; es keinen Spaß mehr macht und richtig Arbeit und Stress wird. Da haben wir gesagt ok, wir verschieben es. Wir machen es noch, die Idee ist da, vielleicht filmen wir auch noch eine kleine Unplugged-Session und packen sie mit drauf. Ich denke dass man es zu einem Zeitpunkt machen muss, wo die Songs sitzen. Man muss bedenken, dass es ja neue Songs sind. Der Vorteil von der Fild Of Names war dass wir die Songs vorher schon ziemlich lange gespielt haben und sie erst dann aufgenommen haben. Diesmal war es umgekehrt: Wir haben die Songs geschrieben, sie aufgenommen und müssen sie uns erst jetzt draufarbeiten. Wenn man eine DVD aufnehmen will, das hat weniger mit der Musikalität und den technischen Fähigkeiten zu tun, sondern es ist einfach ganz normal, dass man einen Song unheimlich lange spielen muss - sowohl im Proberaum als auch live - bis man ihn richtig verinnerlicht hat. Das ist einfach ein Zeitfaktor, einfach Routine. Das ist auch morgen so; wir spielen morgen natürlich alles live, aber es gibt immer noch hier und dort Ecken und Kanten, wo der Perfektionist von uns sagt: „Ein bisschen mehr Zeit wäre schon schön gewesen.“ Man muss aber immer noch sagen “Ok, wir sind keine Profis“, und selbst Profis machen Fehler. Die kochen auch nur mit Wasser und schneiden mehrere Konzerte mit, wenn sie eine DVD aufnehmen. Das muss man einfach wissen, wenn man sagt, man cancelled eine DVD-Aufnahme. Wir machen das aus eigenen Stücken, da wir einfach noch nicht fit genug sind, das muss man sich einfach auch eingestehen. Der Partner, mit dem wir das machen, hat gesagt, dass wir das jederzeit machen können; ein Konzert mitschneiden. Und selbst dann werden wir vermutlich nur die Highlights nehmen, wo wir auch sagen „das war gut, das können wir nehmen“. Es soll ja dann auch gut sein, die Leute zahlen schließlich ja auch dafür. Dann muss man schon was abliefern, wo man sagen kann das können wir verantworten, das kann der Produzent verantworten und von dem wir reinen Gewissens sagen können „das geben wir raus“.

Im nächsten Musik an sich kommt der zweite Teil des Interviews, darin geht es unter anderem um den Entstehungsprozess der Lieder, um Vergangenheit und Zukunft von Alias Eye und um Musik im Allgemeinen. Wer früher mehr Infos will: www.aliaseye.com

Sascha Christ


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