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Rick Rubin, die Hebamme unter den Produzenten, vorgestellt von Jake Brown

Info

Autor: Jake Brown

Titel: Rick Rubin. Genie im Studio (Vollständig durchgesehene Ausgabe 2023)

Verlag: Reclam

ISBN: 978-3-15-011449-0

Preis: € 16

428 Seiten

Wer Biographien schätzt, weil sie Zeitgeschichte aus einer sehr individuellen Perspektive heraus lebendig machen, ist bei Jake Brown an der falschen Adresse. Was in der Welt während der gut 40 Jahre passierte, in denen Rick Rubin Musik produzierte, bleibt praktisch völlig außen vor. Einen wirklichen Beweis, dass Rubin sein(e) Studio(s) in dieser Zeit einmal verlassen hat, liefert Brown nicht.

Rick Rubin ist eine Legende. Eine Legende, die Grenzen sprengt. Es gibt eine ganze Reihe von Produzenten, die zu Legenden geworden sind – Phil Spector, der den Philly-Sound erfunden hat; George Martin, der gelegentlich als der fünfte Beatle bezeichnet wurde; Alan Parsons, der nicht nur für die Beatles, Pink Floyd und sich selbst gearbeitet hat; Flemming Rasmussen, der die wichtigsten Metallica-Alben produziert hat; Dieter Dierks, für den die Scorpions nur die Spitze des Eisbergs waren.

Allen diesen Legenden gemein ist, dass sie in einem bestimmten Genre Zeichen setzten, oder sogar ein Genre mitbegründet haben. Rick Rubin hat sich einen Teufel um Genrerenzen gekümmert. Er hat im gesamten Pop-, Rock- und Metal-Bereich Spuren hinterlassen.

Gestartet im Rap / HipHop / Crossover Bereich hat er Run-DMC und die Beastie Boys groß gemacht. Über die Düster-Rocker The Cult ging es weiter in den extremen Metal-Bereich zu Slayer und Danzig. Mit Johnny Cash, Tom Petty und Donovan widmete er sich ur-amerikanischen Musikern aus dem Folk-Songwriter-, Country- und Americana-Genre. Daneben, bzw. danach, gab es u.a. die Red hot Chili Peppers (mehrfach), Neil Diamond, Linkin Park, AC/DC, Adele, Cat Stevens, Ed Sheeran, Eminem, den Wu Tang Clan, Lady Gaga, Black Sabbath und Sir Paul McCartney.

Das gleichzeitig Langweilige wie Spannende an Jake Browns Biographie besteht in der Ähnlichkeit der vielen Berichte. Gelegentlich hat man das Gefühl, dass Rubin eigentlich nicht viel mehr tut als zuzuhören. Es gibt keinen Rick Rubin-Sound, an dem man sofort erkennen würde, dass er eine Band produziert hat.

Rubin ist kein Diktator, der den Bands erklärt, wie sie zu klingen haben. Er ist offen für das, was die Musiker mitbringen, und er erkennt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen. Und das scheint ihn mächtig zu interessieren.

Darum kann er auch mit so unterschiedlichen Bands zusammenarbeiten. Rubin bringt nicht seinen Sound zur Welt. Er hilft seinen Patientinnen ihre Kinder zur Welt zu bringen. Wie eine Hebamme sagt er den Musiker (im übertragenen Sinne, natürlich), wie sie in einen Moment ruhig zu atmen haben, um dann wieder kräftig zu pressen. Und am Ende kommt ein kleines schreiendes Produkt heraus, das, wenn Hebamme Rubin mit im Spiel war, sein kräftiges oder sanftes, sein melodisches oder aggressives Geschrei oft bald am oberen Ende der Charts ertönen lässt.

Rubin war, um im Bild zu bleiben, nicht nur in der Geburtsabteilung tätig. Auch in der Geriatrie hat er sich verdient gemacht und hat (Ex-)Stars, die man schon längst abgeschrieben hatte, quasi reanimiert. Dazu gehören Neil Diamond, Donovan, im Klammern Alice Cooper und vor allem Johnny Cash.

Die hier besprochene Ausgabe ist offenbar die überarbeitete Version eines bereits 2009 erschienen Werkes. Das erschließt sich allerdings nur durch das Copyright-Datum „2009, 2022“, die Anmerkung „Vollständig durchgesehene Ausgabe 2023“ und die Tatsache, das in einem 2009 verfassten Werk Veröffentlichungen bis in das Jahr 2021 hinein besprochen werden. Auch das (undatierte) Vorwort „Der Mythos" ist offenkundig jüngeren Datums.

Norbert von Fransecky


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