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Artikel

Brunhilde widmen sich den unbekannten Mitgliedern des Klub 27

Info

Gesprächspartner: Caro Loy (Gesang)

Zeit: Oktober 2022

Ort: Fürth

Interview: E-Mail

Stil: Rock

Internet:
http://www.brunhilde.de

MAS: In den Songs Eures neuen Albums geht es durchgehend um Todesfälle. Der Album-Titel `Twenty-Seven´ ruft da natürlich sofort die Assoziation zu dem sprichwörtlichen Klub 27 hervor. Ist `Twenty-Seven´ ein Konzeptalbum, das sich davon hat inspirieren lassen?

Caro Loy: Tatsächlich war die erste Idee Klub 27. Allerdings haben wir dann etwas recherchiert und mussten feststellen, dass schon einige Songs und Mythen, sowie Dokus über den Klub 27 existieren und schon so viel Material im Umlauf ist, dass es nichts Besonderes mehr wäre, dieses Thema erneut aufzugreifen… Jedoch hat mich die Zahl nicht losgelassen und ich dachte mir… Wieso suchen wir nicht Menschen, die auch mit 27 verstorben sind, eine krasse Geschichte zu erzählen haben, jedoch nie die Möglichkeit bekommen haben, diese zu erzählen.

MAS: Geht es in den Texten um konkrete Todesfälle? Manche Details lassen das vermuten – die Nummer des „Apartment 123“ z.B., oder die 27 Opfer in 11 Minuten, die in „Son of a Gun“ anklingen“?

Caro Loy: Ja, es geht um konkrete Todesfälle und Menschen mit schlimmen Schicksalen. Wir haben uns jedoch aus rechtlichen und moralischen Gründen entschieden, keinerlei Namen zu veröffentlichen, da wir natürlich die Opfer, die Angehörigen und die Geschichten wahren und respektieren wollen.

MAS: Es handelt sich aber offenbar nicht um die „klassischen“ Toten des Klub 27, der ja vor allem Musiker umfasst, die mit 27 Jahren gestorben sind – Hendrix, Joplin, Whitehouse etc. Lediglich „Cut my rockin‘ Brain“ könnte man eventuell auf Jim Morrison oder Kurt Cobain beziehen. Ansonsten klingen die Texte eher nach einem verunglückten Formel 1-Piloten („The Winner takes it all“), einem jungen Mann, der im Krieg verheizt wird („Friendly Fire“) oder einer Frau, die sich nach dem Missbrauch (durch einen Priester?) selbst zerstört („Girl with a Thousand Scars“).

Caro Loy: Nah dran, aber es ist weder Jim Morrison noch Kurt Cobain. Vielleicht sollten wir mal ne Challenge machen… Wer alle Namen der Beteiligten richtig benennen kann, gewinnt nen Preis. Aber ich finde es super, dass du dich mit den Texten intensiver befasst hast… So bekommen die Songs ein ganz anderes Gewicht, oder?



MAS: Spannend finde ich die biblische Rahmung des Albums. (Am Anfang des Albums steht Psalm 27 aus dem Alten Testament; am Ende werden die 27 Schriften des Neuen Testamentes aufgezählt; NvF) Die Tatsache, dass das Neue Testament 27 Schriften umfasst, prädestiniert es ja nicht gleich für eine Einbeziehung in dieses Thema. War es Euch wichtig den christlichen Glauben mit in das Albumkonzept einzubeziehen?

Caro Loy: Ich persönlich bin sehr christlich aufgewachsen. Meine Oma hat sehr viel Wert auf Beten, Traditionen und Nächstenliebe gelegt. Tut sie heute noch und ich bewundere sie sehr für Ihren Glauben und die Kraft, die sie daraus zieht. Jedoch weiß ich, oder auch andere Menschen heut zu Tage mehr als die ältere Generation. Nachrichten- News-, TikTok- andere Medien. Ich frage mich jedes Mal, warum lässt ein Gott sowas zu. Die ältere Generation befasst sich meist nur mit den gängigen Medien… ARD, ZDF, BAY3 etc. Die jüngeren Generationen befassen sich mit Medien, in welchen Dinge gezeigt werden, die sowas von unreal erscheinen, dass ich mich wirklich oft frage… Warum lässt ein Gott sowas zu. Genauso wie die Menschen auf dem Album 27. Opfer, deren Killer mehr Aufmerksamkeit bekommen als sie selbst. Perversion oder Faszination der Menschheit?

MAS: Wurde der 27ste Psalm vor allem wegen seiner Nummer oder auch aus inhaltlichen Gründen ausgewählt? Ihr habt in ja nicht in Gänze, sondern nur in Auszügen zitiert.

Caro Loy: Tatsächlich ist beides der Grund. Hat irgendwie wie Arsch auf Eimer gepasst. Inhaltlich und dann auch noch die Zahl 27!!

MAS: Das Stück „The Book of Revelation” ist ja nichts anderes als die Verlesung des Inhaltsverzeichnisses des Neuen Testaments. Warum heißt es „The Book of Revelation” und nicht „The New Testament“?

Caro Loy: Klingt besser. Klingt mystischer. Es soll ja dann auf die Johannes Offenbarung hinweisen.

MAS: Wie passen die beiden Cover-Songs in das Album-Konzept? Ich frage mich das insbesondere bei „House of the rising Sun“.

Caro Loy: „House of the rising Sun“ symbolisiert die aufgehende Sonne, nach dem Untergang… Ok, das war gelogen… Mir hat der Song schon immer gefallen und ich wollte ihn covern.


MAS: Zum Schluss zwei Fragen, die über das Album hinaus reichen. In unserm letzten Interview sagtet ihr mir, dass Brunhilde erst einmal aus der Sängerin Carolin Loy und dem Gitarristen Kurt Bauereiss bestehen. Andere Posten würden im Studio punktuell besetzt. Das Booklet von Twenty Seven lässt die Vermutung zu, dass Ihr Euch mittlerweile zum festen Quartett entwickelt habt.

Caro Loy: Wir haben unsere festen Musiker, welche immer an unserer Seite sind. Das Kurt und ich die beiden Macher sind ist kein Geheimnis. Jedoch sind Randy van der Elsen und Bastian Emig nicht mehr wegzudenken.

MAS: Auf Eurer Homepage sind keine kommenden Konzerte angekündigt. Ich habe nachgeschaut, weil mich die Tracks gelockt haben, sie mal mit zu gröhlen. Ist die Konzert-Abstinenz noch Corona-bedingt?

Caro Loy: Ja das ist sie leider. Es ist sehr schwer noch Slots für 2022 zu bekommen. Alles Gigs sind schon verbucht. Ich kann wirklich sagen, dass es zu lasten Corona ist, da die Konzerte, die jetzt laufen, noch aus 2020 sind und nachgeholt werden müssen.

MAS: Ich danke für die Antworten.




Fotos: Franz Schepers

Norbert von Fransecky


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