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25 Years after - Mein Leben mit der CD; Folge 140: Böhse Onkelz - Danke für Nichts

Zum zweiten – und wahrscheinlich letzten Mal - beschäftigt sich Norbert in dieser Kolumne mit der umstrittensten deutschen Band der 90er Jahre. Auf der Suche nach den Schuldigen an den ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992 verfiel ein Teil der Medien auf die so genannten Rechts-Rock-Bands – und zählte die Böhsen Onkelz, in der Regel auf der Basis eines sehr dünnen Halbwissens, zu ihren führenden Vertretern. Da Norbert genau in dieser Zeit im Jugendkeller einer Zehlendorfer Gemeinde begann mit rechten Jugendlichen zu arbeiten, die (neben Ballermann-CDs) auch gerne die Onkelz hörten, begann er sich mit dem Phänomen Rechts-Rock und den Onkelz zu beschäftigen.


Wer Biographien schreibt, muss auch schon einmal mit Stellen rechnen, an denen Fragezeichen stehen bleiben, weil sich einfach nicht mehr rekonstruieren lässt, was zu einem bestimmten Zeitpunkt geschehen ist. So geht es mir mit den CDs, die unter den Nummern 1566 bis 1568 in meiner Sammlung stehen. Es handelt sich dabei um das Doppelalbum Live in Dortmund und die EP Danke für Nichts, die der Erstauflage der gleichnamigen Onkelz-Autobiographie beigelegt war.


An Fakten festzuhalten ist, dass mir die Live-CD und die Biographie vom damaligen Onkelz-Label Virgin kostenlos zugeschickt worden und am 21. November in meinem Briefkasten gelandet sind – was metaphorisch zu verstehen ist, da der Wälzer definitiv nicht in den Kasten gepasst hätte. Es kann sich dabei also nur um ein Bemusterungsexemplar gehandelt haben, das ich zwecks Besprechung angefordert habe. Denn auf einer Verteilerliste von Virgin – oder den Onkelz - habe ich nie gestanden.

Eigentlich kommt als Ort der Besprechung nur die Märkische Allgemeine in Frage. An musikansich.de hat damals noch niemand gedacht und die Kirchenzeitung war nicht unbedingt der passende Ort. Aber in meinem MAZ-Ordner findet sich nichts Entsprechendes. Und damals war ich noch sehr sorgfältig, was das Archivieren von Artikeln anging. Ich habe eine dunkle Ahnung, dass ein Artikel zu den Onkelz von einem Juristen gegengelesen wurde, da man bei dem Thema sehr sensibel war. Aber an einen deshalb abgelehnten Artikel würde ich mich definitiv erinnern.

Wieso die beiden Onkelz-Produkte also auf meinem Schreibtisch landeten, muss hier also erst einmal im Dunklen bleiben. Warum ich mich für die EP und damit gegen das Live-Album entschieden habe, ist dagegen eindeutig zu beantworten. Die Biographie mit der EP, die in die ganz frühen Tage der Band zurückblickt, ist für mich so etwas, wie der Abschluss mit den Onkelz gewesen.
Heilige Lieder (1992)

Kennen gelernt hatte ich sie 1992 durch die Alben Wir ham‘ noch lange nicht genug und Heilige Lieder, die im o.g. Jugendkeller kursierten. Sie erwiesen sich als absolut nicht rechts und gehörten bald zu meinen Deutsch-Rock-Favoriten. Die ersten Onkelz-Alben, die ich mir zulegte, waren Die Schwarze und Die Weiße, mit denen ich mich in meiner Kolumne vom Dezember 2018 beschäftigt habe.

In den kommenden Monaten habe ich mir nach und nach einen großen Teil des Backkatalogs zugelegt. Titel wie „Es“ und „Am Morgen danach“ habe ich in den Themeneinheiten „Gottesbild“ bzw. „Sucht“ immer wieder im Unterricht eingesetzt.

Auch in der Öffentlichkeit klärte sich das Bild um die Onkelz immer mehr. Für mich war die Biographie und der Status, den die Band mit Konzerten in der auf der Live-CD dokumentierten Größe erreicht hatten, so etwas wie ein Schlusspunkt hinter der wirklich interessanten Zeit der Band. Ich habe mir danach noch einige Alben zugelegt, aber so richtig begeistert hat mich nichts mehr.

Norbert von Fransecky


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