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Lieblingslieder 13: Michael Praetorius - “Es ist ein Ros entsprungen“

Vor einem Jahr hat Ingo seine neue Kolumne begonnen. Mit der Folge 13 startet er – passend zum Beginn des Kirchen(!)jahres – in die zweite Runde. Und er hat sich dieses Mal ein ganz klassisches Weihnachtslied geschnappt. Das weitet das sowieso schon beachtliche stilistische Spektrum, das er in den ersten zwölf Ausgaben abgesteckt hatte, noch einmal beträchtlich aus. Wir sind alle gespannt, wohin das in den folgenden 12 Monaten noch führen wird.

Im Jahr 1599 erschien das Alte Catholische Geistliche Kirchengeseng auff die fürnemste Feste. Heute ist es vor allem als Das Speyerer Gesangbuch von 1599 bekannt. Es enthielt Gesänge und einen Katechismus. In diesem Buch wurde erstmals das Weihnachtslied “Es ist ein Ros entsprungen“ mit zwei Strophen abgedruckt. Der Verfasser des Liedes ist unbekannt. Bereits 1609 komponierte und veröffentlichte Michael Praetorius (1571-1621), ein protestantischer Komponist, Organist und Hofkapellmeister, einen vierstimmigen Chorsatz dieses katholischen Liedes und änderte dafür den Text der zweiten Strophe protestantisch ab. Die Marienverehrung der katholischen Fassung steht nun nicht mehr im Vordergrund. 1844 dichtete Friedrich Layritz (1808-1859) drei weitere Strophen hinzu. Gesungen wird davon vor allem die erste Strophe, weil es auch von anderen Autoren verschiedene Textfassungen gibt.

“Es ist ein Ros entsprungen“ begleitet mich schon seit meiner frühesten Jugend. Ich war Mitglied in einem renommierten deutschen Jugendchor (zunächst als Alt, später als Bass). In der Adventszeit standen stets zwei Konzertwochenenden (in die Schweiz und ins Elsass) auf dem Jahresprogramm. Neben vielen wechselnden Weihnachtsliedern und Motetten war das Lied “Es ist ein Ros entsprungen“ in der Fassung von Michael Praetorius jedoch immer gesetzt und für mich ein Höhepunkt des Konzertes. Egal in welchem Ort, egal in welcher Kirche, immer wenn die Lichter gedimmt wurden und die ersten Töne des Liedes angestimmt wurden, war man in einer anderen Welt. Der schlichte Chorsatz und der Text der deutlich macht, um was es beim Weihnachtsfest eigentlich geht, sind in der Fassung von Michael Praetorius perfekt eingefangen. Auch die Fassung für zwei Chöre von Jan Sandström aus dem Jahr 1990 bietet dieses Erlebnis und ist ebenfalls sehr zu empfehlen.

Im Video spiele und singe ich die vierstrophige Variante aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG 30). Harmonisch ist sie an den Chorsatz angelehnt.



Ein wunderschönes Lied und für mich einfach das Weihnachtslied überhaupt. Kein “Stille Nacht, heilige Nacht“ und kein “O du fröhliche, o du selige“ kann dieses Lied ersetzen. Allenfalls “Maria durch ein Dornwald ging“ wäre noch eine Wahl wert. Doch “Es ist ein Ros entsprungen“ ist und bleibt mein Lieblingsweihnachtslied!

Ingo Andruschkewitsch


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