····· Wenn Corona will, gibt’s im September drei Brunhilde-Gigs ····· Corona (ver)schiebt weiter - Volle Kraft voraus-Festival erst wieder 2022  ····· 15. Studio-Album von Dream Theater noch in diesem Jahr ····· Neue Genesis-Best of als Tour-Auftakt ····· Die Single „Tik Tak" kündigt das neue Album der Drunken Swallows an ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Kurz vor seinem 75sten Geburtstag ist Ex-Uriah Heep-Sänger John Lawton von der irdischen Bühne abgetreten

Info

Künstler: John Lawton

Internet:
http://www.johnlawtonmusic.com

Am 11. Juli wäre John Lawton 75 geworden. Es war ihm nicht mehr vergönnt, diesen Geburtstag zu feiern. Keine 14 Tage zuvor ist er am 29. Juni 2021 verstorben. Plötzlich! Angaben zu der Todesursache wurden anfangs nicht bekannt. Aber es heißt, dass er friedlich an der Seite seiner Frau Iris aus diesem Leben geschieden sei.

Mittlerweile hat Iris Lawton in einem Facebook-Post an seine Fans bestätigt, dass es keine langwierige tödliche Erkrankungen gewesen sei. Die Tatsache, dass er um Spenden an eine Krebshilfe-Organisation gebeten hat, habe nichts mit einer eigenen Erkrankung zu tun. Er sei an einem Aneurysma gestorben, das sehr plötzlich kommt und kaum Voranzeichen hat.

Die größten Erfolge feierte der 1946 als John Cooper Lawton in England geborene Sänger mit Uriah Heep, für die er unter anderem den Hit „Free me“ eingesungen hat, einen der größten Single-Erfolge der britischen Band.

Aber das Engagement bei Uriah Heep umfasste – spätere Gastauftritte ausgeklammert – lediglich etwas mehr als drei Jahre in einer über 50-jährigen Karriere, während der er 1970 mit der Band Asterix sein erstes Album aufnahm. Asterix war ein Vorläufer der deutschen progressiven Hard Rock Formation Lucifer’s Friend, mit der er 2019 sein letztes Album Black Moon veröffentlichte.

Lucifer’s Friend und der Pop-Chor The Les Humphries Singers, mit dem er etliche vor allem in Deutschland sehr erfolgreiche Singles aufnahm, waren vom Output her die wichtigsten Stationen in seiner Karriere.

Daneben gab es etliche weitere Aktivitäten – unter anderem die Hard Rock Bands Zar und Gunhill, das AOR-Projekt Diana Express, einige Soloalben und Kooperationen mit dem ehemaligen Uriah Heep-Mastermind Ken Hensley.

In Erinnerung bleiben wird John Lawton aber vor allem als Sänger von Uriah Heep, die in den letzten Monaten mehrere Todesfälle ehemaliger Bandmitglieder zu beklagen hatten. Der Tod von John Lawton, der uns noch im Dezember ein Interview zu seinen Jahren bei Uriah Heep gab, setzt in gewisser Weise viele Jahre danach einen endgültigen Schlusspunkt unter die erfolgreichsten Jahre der Band.


Mit dem Album Demons and Wizards hatte die bislang von ständigen Wechseln geplagte Band 1972 nicht nur endlich eine stabile Besetzung gefunden, sondern auch das bis heute erfolgreichste Album der Bandgeschichte abgeliefert. Die Erfolgsgeschichte Uriah Heeps endete 1978 mit dem Album Fallen Angel erst einmal. Es folgte das ruhmlose Album Conquest, eine Fast-Auflösung, aber fast bruchlos die Auferstehung.

Drei Besetzungen hat es in dieser Zeit gegeben – die “klassischen“ Uriah Heep mit Mick Box (Gitarre), David Byron am Gesang, Ken Hensley u.a. an den Keyboards, Lee Kerslake als Drummer und Gary Thain am Bass. Diese Besetzung spielte vier Studio-Alben und eine Live-Scheibe ein.

Als Gary Thain wegen seiner Drogenprobleme aussteigen musste, übernahm John Wetton für zwei Alben seine Rolle. Danach brauchte man nicht nur einen neuen Bassisten, sondern auch einen neuen Sänger. Denn auch Wetton hatte seine Probleme mit den Drogen. Jetzt kam zusammen mit dem neuen Bassisten Trevor Bolder John Lawton ins Spiel. Die so entstandene Besetzung sollte drei Alben einspielen. Danach stand die Band kurz vor der Auflösung.

Uriah Heep sind auferstanden. Darüber haben wir immer wieder berichtet. Aber die Geschichte Uriah Heeps nach John Lawton ist eine eigene Geschichte. Was den Tod John Lawtons - nach den Todesfällen so besonders macht, ist die Tatsache, dass seit seinem Tod Mick Box der einzige Überlebende der drei hier beschriebenen Uriah Heep-Besetzungen ist. Sämtliche anderen Akteure, Sänger, Keyboarder, Bassisten und Drummer sind seit 1975 verstorben

Das sieht in den suchenden ersten Jahren noch anders aus. Da sind neben Box noch einige bei Heep aktive Bassisten und Drummer am Leben. Noch besser sieht es bei der Besetzung nach der oben erwähnten Auferstehung aus. Die Besetzung Mick Box (Gitarre), Lee Kerslake (Drums), Pete Goalby (Voc), John Sinclair (Keys) und Bob Daisley (Bass) wäre fast vollständig reaktivierbar. Verstorben ist hier lediglich Drummer Lee Kerslake.
Too late to hate war das erste vollständige Studio-Album nach der Reunion von Lucifer's Friend.

John Lawton wird an anderer Stelle fehlen. 2015 hatten sich Lucifer’s Friend nach 20 Jahren Pause in Fast-Originalbesetzung wieder zusammengefunden und sich mit dem Doppelalbum Awakening, das neben zehn Neueinspielungen alter Titel vier neue Stücke enthielt, vielversprechend zurückgemeldet.

Ein Versprechen, das gehalten wurde. Nach einem furiosen Live-Mitschnitt ihres ersten Live Auftritts nach 28 Jahren Live @ Sweden Rock folgten 2016 und 2019 zwei weitere erstklassige Hard Rock Alben. Ob die Geschichte dieser deutschen Rock-Institution nach Lawtons Tod weiter geht, steht wohl in den Sternen. Die beiden Alben, die die Band in den Jahren aufgenommen hat, in denen John Lawton bei Uriah Heep in Lohn und Brot stand, gehören jedenfalls nicht zu ihren Sternstunden.

John Lawton wurde 1969 gefragt, ob er als Sänger bei Lucifer’s Friend einsteigen wolle. Er war zu der Zeit mit der Band Stonewall in Hamburg, aber das Engagement im Star Club lief aus. So entschied er sich in Deutschland zu bleiben, wo er in der ersten Hälfte der 70er parallel zu Lucifer’s Friend bei dem kommerziell wesentlich erfolgreicheren Pop-Chor The Les Humphries Singers sang.

Nun sind alle Engagements eines der großen Hard Rock Sängers in dieser Welt beendet. Er hat nicht den Ruhm geerntet wie z.B. Ronnie James Dio, sein Vorgänger David Byron, oder ein Glenn Hughes. Er hätte es verdient in einem Atemzug mit ihnen genannt zu werden. Ruhe in Frieden, John!

Norbert von Fransecky


Zurück zur Artikelübersicht