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Lieblingslieder 04: Black Sabbath - „War Pigs“

In der vierten Runde seiner Lieblingslieder präsentiert Ingo das für eine Akustik-Version erst einmal kaum geeignet scheinende „War Pigs" von Black Sabbath. Und ja, seine Version ist gewöhnungsbedürftig. Aber spätestens beim zweiten Hör kommt die fast beschwörend bedrohliche Atmosphäre des Songs immer deutlicher ins Bewußstein. Und wie der Zufall so spielt, hat Ingo seinen Beitrag direkt nach Rolands Rezension der neuen Black Sabbath Biographie von Martin Popoff in unser Archiv eingestellt. Popoff befasst sich darin zwar gezielt mit den 80er und 90er Jahren. Passt trotzdem!


Das zweite Album Paranoid von Black Sabbath zählt zu den großen Klassikern der Band und des Heavy Metal allgemein. Schon das selbst betitelte erste Album sorgte für einige Furore, doch mit Paranoid legte Black Sabbath noch eine Schippe drauf. Noch deutlich rockiger agierte die Band und wurde damit stilprägend für das damals neue Genre. Dabei stechen drei Lieder bis heute heraus. Der Titelsong, welcher in den UK Charts einen vierten Platz und in Deutschland bis auf Platz 1 kam, “Iron Man“, der in keinem Konzert fehlen durfte und schließlich der Opener des Albums, “War Pigs“. Nach “Paranoid“ als weitere Single ausgekoppelt, jedoch nicht so erfolgreich in den Charts. Ursprünglich sollte das Album nach “War Pigs“ benannt werden, doch die Plattenfirma lehnte dies als zu provokant ab.

“War Pigs“ sticht nicht nur als längster Song des Albums heraus, sondern auch aufgrund seines Textes. Von manchen noch immer als kriegsverherrlichend missverstanden, ist er doch sehr deutlich genau das Gegenteil. Erst vor wenigen Jahren habe ich dieses Lied bei einem Konzert während der internationalen Friedensdekade im kirchlichen Rahmen gespielt und musste im Vorfeld feststellen, dass allein der Name Black Sabbath und “War Pigs“ auf Widerstand stieß. Niemand hatte sich je mit dem Text beschäftigt. Es war klar, dass es ein ‚satanisches‘ Lied ist, weil die Worte Satan, Hexen und Kriegsschweine vorkommen. Erst als ich den Inhalt näher erläutern durfte, schwanden die Vorbehalte und im Konzert wurde es – mit entsprechenden Bildern im Hintergrund und der Textübersetzung – zu einem Highlight.

Geezer Butler, der Texter des Liedes, sagte einmal im Magazin Mojo, „dass Krieg der wirkliche Satanismus ist. Politiker sind die wirklichen Satanisten. Das ist es, was ich auszudrücken versuchte.“ Er schildert, wie Politiker und Generäle sich in den Ofiziersmessen treffen und über Krieg entscheiden, wie Hexen in schwarzen Messen. Sie erklären Kriege und ziehen sich dann zurück und überlassen die Soldaten und die Bevölkerung ihrem Schicksal. Doch am letzten Tag, wenn Gott zum Jüngsten Gericht ruft, haben sie ihre Macht verloren. Sie kommen angekrochen und winseln um Gnade für alle ihre Sünden, doch Satan erwartet sie schon. Ein sehr deutliches Statement gegen jegliche Form von Krieg, welches bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Musikalisch ist “War Pigs“ typisch Black Sabbath. Fantastische Riffs von Tony Iommi (plus ein grandioses Solo), starker Groove von Bill Ward und Geezer Butler (der oft etwas unterbewertet wird) und der einzigartige Gesang von Ozzy Osbourne in perfekter Mischung und unglaublich tight gespielt. Das besitzt einfach große Klasse. Speziell die Strophe, bei der nur der Schlagzeuggroove unter dem Gesang durchläuft, ist eine Besonderheit. Hier sieht man wieder einmal, wie wichtig Pausen in der Musik sind.

Meine rein akustische Version hält sich natürlich nicht sklavisch an das Original. Ich habe einen Teil vom Ende an den Anfang gesetzt und dafür das Intro-Riff weggelassen. Das kann man natürlich auch anders machen, doch für mich passt es so.



“War Pigs“ ist ein Song, der für eine akustische Version kaum geeignet scheint und doch funktioniert es gut. Die Grundsubstanz des Liedes ist einfach vorhanden. Ein großartiger Song und eines meiner absoluten Lieblingslieder.

Ingo Andruschkewitsch


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