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Artikel

Chris Anderson lacht – nicht nur, wenn er das Wort Gottes in Rock-Songs findet

Info

Autor: F. Christopher Anderson

Titel: God is still laughing VII: A Rock & Roll Theology

Verlag: Eigenverlag

Preis: 8,00 $

56 Seiten

Internet:
http://www.facebook.com/people/F-Christopher-Anderson/100011185425569

Wir schreiben den 28. Juli 2020 … und der Tag hat sich geneiget. Eigentlich sollte ich jetzt (Wir lassen die Zeitverschiebung mal außen vor.) in einer Gruppe amerikanischer und deutscher Pastoren irgendwo vor dem Lancaster Theological Seminary sitzen, um den Tag bei dem einen oder anderen Bier (vielleicht einem Yuengling oder einem Samuel Adams) ausklingen zu lassen. Aber Corona hat uns gefickt und solange der Kamikaze-Präsident in den USA regiert sollte man das Land der offensichtlich wirklich unbegrenzten (selbst der idiotischten) Möglichkeiten besser meiden.

Als kleinen Ersatz greife ich zu der Rock‘n‘Roll Theologie, die mir Pastor Chris Anderson vor zwei Jahren in die Hand gedrückt hat, als das deutsch-amerikanische Pastoren-Treffen, das alle zwei Jahre, abwechselnd in Pennsylvania und Berlin-Brandenburg, stattfindet (bzw. stattfinden sollte), in Berlin-Zehlendorf versammelt war.


Um dieses Büchlein richtig einordnen zu können, wäre es am besten Chris Anderson zu kennen, dessen Visitenkarte der Slogan God is still laughing ziert, der auch der Titel der Veröffentlichungsreihe ist, in der die Rock & Roll Theology erschienen ist. Um den Slogan richtig einordnen zu können, ist es hilfreich, von der Image-Kampagne zu wissen, die die Kirche, der der emeritierte Pfarrer angehört, seit einigen Jahren betreibt. Die United Church of Christ (UCC) ist eine vorwiegend weiße amerikanische Mittelschichtskirche, die überwiegend aus kleineren Gemeinden im ländlichen Raum besteht. Seit Jahren stellt sie sich mit einer Kampagne unter dem Titel „God is still speaking,…“ in der Öffentlichkeit dar. Das Symbol der Kampagne ist ein (meist) rotes Komma.

Der Gedanke dabei: Anders als bei einem Punkt oder einem Ausrufezeichen ist nach einem Komma nicht Schluss. Danach kommt noch etwas. So ist es auch mit dem Wort Gottes. Es ist nicht ein für alle Mal gesprochen, sondern wir können darauf hoffen: „God is still speaking,..“ - auch heute noch. Es sagt viel über die Persönlichkeit von Chris Anderson aus, dass er dieses Motto zu einem „God is still laughing“ umwandelt und damit eine Buchreihe überschreibt, die sich in ihren ersten sechs Folgen mit Witzen und Humor befasst, immer im Bezug zur kirchlichen Lehre – insbesondere zum Heidelberger Katechismus.

Im Zentrum von Folge 7 stehen weder Witze, noch kirchliche Bekenntnisschriften, sondern Rock-Songs. Pastor Anderson will mit seiner Rock & Roll Theology zeigen, dass sich in zentralen Songs der amerikanischen Rock-Musik Aussagen finden lassen, die der christlichen Lehre entsprechen. Der Rock hätte demnach eine theologische Seele.

Gelegentlich greift Chris Anderson auch selber zur Gitarre. Wir haben vor vier Jahren über An all american Evening with J.D. and Reverend Chris berichtet. Das war während des letzten Colloquiums, das in Pennsylvania stattgefunden hat.


Er hätte seine Untersuchung leicht manipulieren können, gibt Anderson in der Einleitung zu (S. 4), indem er Songs eines erklärtermaßen christlichen Rockers wie Larry Norman benutzt hätte, die drei Alben aus Dylans christlicher Phase oder Hits wie „Put your Hand in the Hand of the Man who stilled the Water“ und „Oh happy Day“. Im Interesse einer stärkeren Objektivität beschränkt er sich dagegen auf die 1001 Titel, die David Marsh in seinem Buch The Heart & Soul of Rock & Roll: The 1001 greatest Singles ever made aufgenommen hat.

Die zu untersuchenden Themen lässt Anderson sich von Dorothy und Gabriel Fackre vorgeben. Im Stil einer klassischen Dogmatik ergeben sich daraus die sieben Kapitel: Schöpfung, Sündenfall, Bund, Jesus Christus, Kirche, Erlösung und Vollendung.

Insgesamt benutzt Chris Anderson 49 der 1001 Singles, die Marsh in seinem Buch vorstellt. „Das summiert sich auf fast 5% der Titel,“ so Anderson (S. 5). Zwei Titel werden sogar zwei Mal verwendet: „Help“ in den Kapiteln über Jesus Christus und – nahe liegend – über die Erlösung; „Mighty Quinn“ in den Kapiteln über Jesus Christus und die Vollendung, da wo es um den Messias geht.

Der Fundus begrenzt sich bereits durch Marshs Buch auf ältere Titel. The Heart & Soul of Rock & Roll: The 1001 greatest Singles ever made ist 1989 erschienen. Aber selbst das ist im Blick auf die verwendeten Songs noch viel zu „modern“. Wenn ich es richtig sehe, sind die jüngsten Titel Elvis Costellos „What’s so funny about Peace, Love and Understanding“, der Charity-Song „We are the World“ von dem All-Star-Projekt USA for Africa und Kool and the Gangs „Celebration“. Alles andere dürfte aus den 50er, 60er und 70er Jahren stammen von Little Richard, Elvis und Chuck Berry über die Four Tops, Ray Charles und Dylan bis hin zu Fleetwood Mac, Creedence Clearwater Revival und Blue Öyster Cult.
Pastor Chris Anderson mit einem für ihn typischen T-Shirt. Das Mark Twain-Zitat lautet auf Deutsch sinngemäß etwa: „In den Himmel geht es aus Gnade. Würde es nach Verdiensten gehen, würdest Du draußen bleiben und dein Hund käme rein.“

A Rock & Roll Theology wird spannend und relevant, weil Anderson nicht einfach Bibel- und Song-Zitate aufeinander bezieht, sondern versucht, in beiden Fällen die grundlegenden Aussagen zu erfassen und deutlich zu machen, dass die Rock-Songs, auch wenn sie – in der Regel – keineswegs christlich, oder auch nur religiös gedacht sind, strukturell ähnliche Aussagen über das Leben und die Welt machen. Manchmal überspannt er den Bogen dabei, aber sein Buch ist – vor allem wenn man mit Humor dabei ist – eine interessante neue Perspektive auf das Denken, das dem Rock (& Roll) zugrunde liegt.

Im Handel ist das im Eigenverlag erschienene Heft nicht erhältlich. Man muss sich vertrauensvoll direkt an den Autor wenden. Für 8$ plus Porto ist er bereit sich von einem Exemplar zu trennen. (Alle sieben Bände der God is still laughing-Reihe kosten 35$.) Kontaktieren kann man den Autor telefonisch unter 001/717/855-7952, per email fcba@comcast.net oder auf Facebook.

Norbert von Fransecky


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