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Artikel

“The pipes are calling“! Die Highlands rocken mit den Red Hot Chilli Pipers

Info

Gesprächspartner: Willie Armstrong?

Zeit: Oktober 2019

Interview: E-Mail

Unser Mitarbeiter Wolfgang Giese, hat die schottische Band Red Hot Chilli Pipers bereits einige Male live erlebt und war stets begeistert von dieser musikalisch packenden und individuellen Art und Weise, alte schottische Traditionen des Dudelsack-Spiels mit modernen Rock-Rhythmen zu paaren. Der Band ist schließlich eine einmalige Synthese gelungen, die stets für volle Häuser und ein begeistertes Publikum sorgt. Durch Gordeon Music, speziell durch Tymon Napp-Molinski, ist es gelungen, ein Interview mit der Band zu ermöglichen und zu verwirklichen. Vermutlich ist es der Piper Willie Armstrong, der stellvertretend die Fragen beantwortete.


MAS: Welche Idee steckte dahinter, eine Band in Kombination von Rock und schottischen Dudelsäcken zu gründen?

RHCP: Wir hatten Soloauftritte bei Hochzeiten und spielen in schottischen Pipe Bands, es wurde klar, dass das Publikum entsprechend limitiert war und so begannen wir mit anderen musikalischen Genres zu liebäugeln.


MAS: Wann seid Ihr mit Eurer Band angefangen?

RHCP: Das war vor 17 Jahren, Ende 2002.


MAS: Wie kam es dazu, dass Ihr die Band Red Hot Chilli Pipers (anstatt Red Hot Chili Peppers) nanntet. Lag dem eine besondere Idee zugrunde? Ich erinnere mich, dass einige Leute dachten, und noch immer denken, dass Ihr eine Coverband der Peppers wart/seid.

RHCP: Das war so eine Mischung. Stuart, einer der Original-Pipers, bat seine Freundin seine CD in Genre-Abteilungen zu ordnen. Rock und Pop war ein Stapel und traditionell der andere. Er nahm eine oben liegende Pepper-CD vom „Trad-Stapel“ und fragte, warum die darauf abgelegt sei. Seine Freundin antwortete, dass sie sich wohl verlesen habe, weil sie annahm, Red Hot Chilli Pipers gelesen zu haben. So haben wir unseren Namen erhalten. Wir covern niemals Songs der Peppers. Fast 60% unserer Musik ist unsere eigene.


MAS: Wann haben sich die Original-Mitglieder zuerst getroffen und sich entschieden, eine Band zu gründen?



RHCP: Das passierte auf ganz natürliche Weise über den Zeitraum etwa eines Jahres. Wir hatten einige Original-Mitglieder, die sich nicht festlegen konnten, und – wir hatten so gut wie kein Geld im Rückhalt und so war das eine große Verpflichtung.


MAS: Haben einige Gründungsmitglieder vorher auch bereits in anderen Bands gespielt?

RHCP: Ja, wir spielten alle in erstrangigen schottischen Pipe Bands.


MAS: Welche der Gründungsmitglieder sind noch heute in der Band aktiv?

RHCP: Da bin eigentlich nur noch ich übrig. Kevin (McDonald) kam kurz nach mir, etwa 6 Wochen nach unserer Gründung, so ist er eigentlich so eng mit den ursprünglichen Mitgliedern verknüpft.


MAS: Spielt irgendjemand von Euch in anderen Bands neben den Red Hot Chilli Pipers?

RHCP: Ja, in Pipe Bands.


MAS: Seid Ihr mit schottischer Folklore aufgewachsen?

RHCP: Ja, wir alle. Wir sind alle traditionelle Spieler von frühestem Alter an.


MAS: Welche Musiker waren Eure beliebtesten Folk-Musiker (und sind es noch)?

RHCP: Der verstorbene Gordon Duncan. Er wird noch vergöttert 10 Jahre nach seinem Tod. Er veränderte den Sound, wie Dudelsäcke gespielt werden und klingen. Ich liebe auch Fred Morrison und Roddy MacLeod. (der mich unterrichtet hat)


MAS: Welchen Songs habt Ihr als allerersten Song mit Bagpipes gespielt?

RHCP: Das war während der 70er und Paul McCartney war angesagt mit “Mull Of Kintyre“. Ich liebte diesen Sound. Ich hatte eine kleine Dudelsack-Übungsflöte und habe meine Eltern verrückt gemacht, indem ich mir selbst diesen Song beibringen wollte. Ich habe Sir Paul vor einigen Jahren bei einer Preisverleihung in London getroffen und habe ihm meine Geschichte erzählt, und er schien echt erfreut gewesen zu sein, mich inspiriert zu haben.


MAS: Warum habt Ihr den Song “Highland Cathedral“, der von zwei deutschen Komponisten stammt, ausgewählt?


RHCP: Es hat eine so packende Melodie und passt perfekt für die Pipes. Man kann kleine Bögen spielen und weitere Anteile hinzufügen, ohne die Melodie zu entstellen. Die meisten Schotten glauben, das ist ein schottisches Lied, wir spielen es vor Rugby-Veranstaltungen und manche glauben sogar, das sei die schottische Nationalhymne. Ich habe aber immer den ursprünglichen Komponisten Anerkennung gezollt, wenn ich das Stück vorstelle.


MAS: Ist dieser Song sehr wichtig für Euch und warum?

RHCP: Ich glaube, er wurde geschrieben für die deutschen Highland Games in 1983, die meisten Piper werden das wissen, vielleicht nicht alle, und nicht viele werden wissen, dass es von zwei deutschen Komponisten geschrieben wurde.


MAS: Ist “Highland Cathedral” mittlerweile berühmt oder populär in Schottland?

RHCP: Ja, wie erklärt, das Rugy-Nationalteam läuft dazu auf.


MAS: Habt Ihr während Eurer Konzerte auch einmal alte und neue schottische bekannte Songs wie “Loch Lomond“ oder “Mull Of Kyntire“ gespielt? Jedenfalls habe ich sie live noch nicht gehört.

RHCP: Nein, “Loch Lomond“ passt nicht wirklich gut für unsere Pipes, weil sie nur über eine Oktave verfügen, “Mull Of Kyntire“ passt einfach besser mit einer kompletten Pipe-Band.


MAS: Gibt es noch bestimmte Song, die Ihr zu Eurem Sound umbauen möchtet?

RHCP: Ich würde gern etwas von den Chvrches (das ist nicht falsch geschrieben) nehmen, sie sind Schotten und haben diesen großartigen elektronischen Sound der Achtziger, den wir rekonstruieren könnten. Das passt gut zu den Pipes, aber wir müssten das noch bearbeiten, dass das nicht nur wie ein reines Cover klingt.


MAS: Kennt Ihr den afro-amerikanischen Dudelsack-Spieler Rufus Harley? Er hat so einige verrückte Aufnahmen von “Eight Miles High”(The Byrds), “Moon River” (Henry Mancini) oder “Windy” (The Association) gespielt.

RHCP: Ja, von dem habe ich schon gehört, seine Musik ist sehr interessant. Meine Ohren werden stets auf den Sound der Pipes fixiert sein, und meist klingt das recht rau, zwar interessant, aber recht rau, Rufus hat mit den Pipes auf der falschen Schulter gespielt und seinen Händen oben, so nehme ich einmal an, er hat sich das Spielen selber beigebracht?


MAS: Gibt es bestimmte Pläne für die Zukunft, im speziellen Euren Sound betreffend?


RHCP: Ja, wir haben einen Begeisterungssturm in Japan ausgelöst. Wir haben einige neue, erstaunlich gute Musiker unserer Besetzung hinzugefügt und der Sound wird sich weiterentwickeln. Wir haben stark in Produktion, Lightshow und Sound investiert, so dass wir unserem Publikum einen visuellen und guten Höreffekt bieten können.


MAS: Mir fiel auf, dass es auf Eurer neuen Platte Fresh Air sieben Songs mit Gesang gibt, Werdet Ihr diese auch live bringen, auch mit Gesang, und wer wird sie singen?

RHCP: Ja, wir haben einen tollen Sänger, Chris Judge, er ist Gesangstrainer für Susan Boyle, so haben wir weise gehandelt!

MAS: Beabsichtigt Ihr, mehr Songs mit Sänger/innen aufzunehmen?

RHCP: Wir glauben, dass wir da die Balance wahren sollten, wir wollen unsere Seele auch nicht verlieren. SO denke ich, dass es so, wie es jetzt ist, in Ordnung geht. Man muss die Ohren am Leben erhalten, so ist es das Beste, nicht zu viel von dem Einen oder Anderen zu bieten.


MAS: Warum habt Ihr “Auf uns” von Andreas Bourani für die neue Platte gewählt?

RHCP: Wir wollten das deutsche Publikum belohnen und zeigen, was man mit so einem Dudelsack alles machen kann. Es ist durchweg ansprechender und erkennbarer deutscher Song und wir wollten zeigen, dass wir uns für unser deutsches Publikum angestrengt haben.


MAS: Habt Ihr darüber gesprochen, den Original-Sänger für diesen Song zu gewinnen? Und warum habt ihr Olivia Singleton ausgewählt?


RHCP: Wir haben David Hasselhoff kontaktiert, aber er war zu beschäftigt, ich denke, das wäre eine tolle Zusammenarbeit gewesen.


MAS: Persönlich mag ich den letzten Song, mit Tom Walker, sehr gern. Beabsichtigt Ihr, mehr Musik mit ihm aufzunehmen?

RHCP: Ja, unbedingt, Tom ist ein großartiger Bursche und er wuchs grad um die Ecke von mir auf.


MAS: Schließlich, nun zu etwas ganz anderem! Welche sind Eure/Deine liebsten Malt Whiskeys?

RHCP: Stuart, unser originaler Piper, ist nun verantwortlich für die neue Macallan-Brennerei in Speyside. Er gab mir eine herrliche Flasche eines achtzehn Jahre alten Malts aus 1993 zu meinem 50. Geburtstag. Das ist mein absoluter Favorit. Ich muss hinzufügen, dass ich diese spezielle Flasche nie geöffnet habe, seitdem ich weiß, wieviel wert sie mittlerweile ist. Ich mag nicht gern diese torfigen Whiskeys, wirklich mag ich diese Sorten aus Speyside. Wenn ich fort von zu Hause bin, dann lässt mich sogar dieser Geruch sehr melancholisch werden, weil er mich so sehr an Schottland erinnert und die großen Parties, die wir hatten.


MAS: Gibt es noch etwas, das ich bisher nicht gefragt habe, und dass Ihr den Lesern von „Musik An Sich“ noch mit auf den Weg geben wollt?


RHCP: Ja, es ist wichtig, zu verstehen, dass wir alle wirklich Spitzenmusiker sind. Wir zeichnen jede Show auf, um sicher zu gehen, dass auch alles perfekt ist. Nichts ist selbstverständlich. Wir fühlen und demütig in dem Sinne, dass Leute dafür bezahlen, dass sie uns hören wollen. So ist das Publikum für uns das absolut wichtigste an jedem Veranstaltungsort, denn ohne sie würden wir wahrscheinlich zu Hause sitzen und für unsere Familien spielen.

Unser musikalisches Mantra wird immer sein:

Nicht üben, bis Du es richtig kannst, sondern üben, bis Du es nicht mehr falsch machen kannst!


MAS: Danke für die Zeit, die Ihr/Du Euch/Dir für das Interview genommen habt/hast.

Wolfgang Giese


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