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Eine Songwriting-Ikone in Bestform: Albert Hammond live im Nürnberger Serenadenhof

Info

Künstler: Albert Hammond

Zeit: 22.08.2019

Ort: Nürnberg - Serenadenhof

Fotograf: Thomas Ernstberger

Albert Hammond ist live immer ein Garant für gute Unterhaltung. Seine unzähligen Hits, seine Anekdoten dazu und seine ungebremste Spielfreude haben mich bereits zweimal begeistert. Im Nürnberger Serenadenhof tummelt sich größtenteils älteres Publikum, es ist nicht komplett ausverkauft. Eine Vorband gibt es nicht, pünktlich um 20 Uhr geht es mit „Everything I Want To Do“ los.

Der Sound ist glasklar, sein Gesang am Anfang noch ein bisschen leise, was sich aber ziemlich schnell einpendelt. Im Vergleich zu den Studioversionen sind das Schlagzeug und die E-Gitarre bei manchen Songs sehr laut eingestellt.

Hammond ist einer der erfolgreichsten Songwriter aller Zeiten, der in den 70er-Jahren selbst auf der Bühne aktiv war. In den 80ern hat er sich vom Live-Zirkus verabschiedet und nur noch Songs für andere geschrieben, von denen er einen Großteil davon live interpretiert. Mich faszinieren Hammonds Texte, in denen er Humor und ein offenes Auge für die Gesellschaft und die Dinge des Alltags beweist. Das zeigt sich vor allem in dem Song „Down By The River“, der das Thema Umwelt- und Luftverschmutzung schon 1972 zum Thema gemacht hat. Manchmal sind es auch Begegnungen aus seiner Lebenswelt, wie bei dem Stück „Rebecca“. Hier war er auf Hugh Hefners Playboy-Mansion eingeladen und ihm wurde das gleichnamige Playboy-Bunny vorgestellt. Die Frau muss ihm sehr beeindruckt haben – er hat postwendend einen Song für sie geschrieben. Solche und ähnliche Geschichten gibt er hin und wieder zum Besten, was sehr kurzweilig, authentisch und überaus unterhaltsam ist. Inhalte von Stücken wie „Smokey Factory Blues“ oder „The Peacemaker“ dürfte jeder im Publikum schon einmal selbst erlebt haben.

Seine Band hat er zum Teil schon mehrere Jahre dabei, die Musiker spielen bestens zusammen und haben sichtlich eine Menge Spaß auf der Bühne. Am meisten davon der Chef selbst – Hammond merkt man zu jeder Sekunde an, dass er es mehr als jeder andere genießt, auf der Bühne zu stehen. Mit jugendlichem Elan wirbelt der mittlerweile 75-jährige, sympathische Musiker über die Bühne und reißt dabei sein Publikum und seine Bandkollegen im Handumdrehen mit.

Der beste Song ist für mich heute definitiv der „Smokey Factory Blues“, der in einer äußerst rockigen Version präsentiert wird. Das Stück wurde von Legenden wie Johnny Cash und Steppenwolf interpretiert, beide Versionen waren große Erfolge. Unbedingt mal die Steppenwolf-Variante testen, das Stück rockt ohne Ende! Bei manchen Liedern ist es geradezu erschütternd, wie er lockere Melodien und tiefgründige Texte unter einen Hut bekommt. Live ist mir das bei „These Are The Good Old Days“ oder „I Don’t Wanna Die In An Air Disaster“ aufgefallen, bei denen sich die ganze Brillanz von Hammond als Texter zeigt.

Mittlerweile ist das Publikum kollektiv in Feierlaune, die Stimmung ist phantastisch. Hammond zeigt sich auch heute wieder sehr publikumsnah und geht bei „When You Tell Me That You Love Me“ mit dem Mikro mitten unters Publikum. Er ist dabei immer gut gelaunt und bringt seinen Fans durch solche Gesten eine Menge Respekt entgegen. Interessant auch die Geschichte von „Don’t You Love Me Any More“: Joe Cocker hat den Song gehört und wollte ihn unbedingt für sich haben! Ich dachte eher, Hammond hat Cocker den Song auf den Leib geschrieben… Sein wohl erfolgreichster Hit mit „Fremdinterpretation“ ist Whitney Houstons „One Moment In Time“, der natürlich nicht fehlen darf. Danach ist dann fürs erste Schluss, aber es gibt auf jeden Fall noch ein paar Zugaben.

Starships „Nothing’s Gonna Stop Us Now“ und sein Alltime-Klassiker „I’m A Train“ heizen dem Publikum ordentlich ein. Hier wird fleißig mitgesungen, es hält die meisten Leute schon lange nicht mehr auf ihren Sitzen. „It Never Rains In Southern California“ kommt so geschmeidig aus den Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Wer hier keine gute Laune bekommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der perfekte Sound für den perfekten Sommer! Mein Favorit von Albert Hammond ist „Free Electric Band“, das mit seiner Dynamik und seinem bärenstarken Text für mich einer der besten Songs aller Zeiten ist.

Irgendwann ist jedes Konzert leider mal vorbei. Aber vorher kommt noch der Hippie-Traum „The Air That I Breathe“. Im Radio hört man meistens die Version der Hollies. Mich begeistert die mit E-Gitarre und druckvollem Schlagzeug untermauerte Version des heutigen Abends fast noch mehr als das Original. Klar, Hammonds Stimme ist limitiert und bei weitem nicht so glockenhell wie der Gesang der Hollies – aber ein guter Song bleibt trotzdem ein guter Song!

Nach zwei äußerst kurzweiligen und musikalisch hochwertigen Stunden gehen die Songwriter-Ikone und seine Band von der Bühne. Der Serenadenhof bebt in seinen Grundfesten, das hervorragende Nürnberger Publikum bietet Hammond einen begeisternden Abschied.

Für mich war der heutige Abend das dritte Konzert des Ausnahmekünstlers. Und es war definitiv das beste! Er hat heute Abend gerockt ohne Ende und die musikalische Ausrichtung – mehr Schlagzeug und mehr E-Gitarre – passt für mich sehr gut. Wenn ich einen Wunsch frei hätte dann den: dass ich mit 75 Jahren noch genauso fit bin wie Albert Hammond!


Setlist:
Everything I Want to Do
Down by the River
Rebecca
Don't You Love Me Anymore
Little Arrows
Freedom Come, Freedom Go
Gimme Dat Ding
New York City Here I Come
Smokey Factory Blues
The Day the British Army Lost the War
These Are the Good Old Days
The Peacemaker
I Don't Wanna Die in an Air Disaster
Your World and My World
Memories
When I'm gone
Half a Million Miles
Brand New Day
The Snows of New York
To All the Girls I've Loved Before
I Don't Wanna Lose You
When You Tell Me That You Love Me
One Moment in Time
---
Nothing's Gonna Stop Us Now
I'm a Train
When I Need You
---
It Never Rains in Southern California
The Free Electric Band
The Air That I Breathe



Stefan Graßl


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