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Artikel

John Fogerty macht auf seinem „50 Year Trip“ Halt in Winterbach

Info

Künstler: John Fogerty

Zeit: 17.07.2019

Ort: Winterbach - Zeltspektakel

Mit John Fogerty hat sich heuer ein weiteres Highlight angekündigt. Der Musiker ist mittlerweile nur noch selten in Deutschland zu sehen, ich habe ihn mir bis jetzt einmal 2007 auf der Burg Abenberg angeschaut. Er feiert heuer das 50-jährige Jubiläum von Woodstock, bei dem er einst mit seiner legendären Band Creedance Clearwater Revival auftrat. Dass er gerade in Winterbach Station macht, beeindruckt mich. Es zeigt, dass die Rockinitiative Winterbach e.V. einen guten Ruf hat und über gute Kontakte ins Musikbusiness verfügt.

Bis jetzt war ich noch nie bei dem alle zwei Jahre stattfindenden Zeltspektakel. Das Zelt liegt direkt an der Ausfahrt der B19 und ist schon von der Straße aus gut zu sehen. Insgesamt passen 4.000 Menschen in das Zelt, die Veranstaltung heute ist ausverkauft. Was die Winterbacher anpacken, hat Hand und Fuß. Das geht mit dem abwechslungsreichen und einheimischen Essensangebot los und hört bei gepflegten Toiletten und ausreichend Getränkeständen auf. Vor dem Zelt spielt eine kleine Vorband Songs von Neil Young und anderen Künstlern dieser Ära nach.

Auf der Bühne räkeln sich auf der rechten Seite zwei Hippie-Frauen, das Ganze erinnert schon stark an Woodstock. Ich denke mir noch: die übertreiben es aber. Später stellt sich heraus, dass die beiden zur Show dazugehören.

Die Vorband fällt aus unbekannten Gründen aus, Fogerty betritt um 20.30 Uhr die Bühne. Wie es sich gehört, legt er thematisch passend mit „Travelin‘ Band“ los. Soundmäßig ist hier alles top, man kann sogar seine Ohrenstöpsel problemlos herausnehmen und es ist immer noch laut genug. Leider ist die Bühne für meinen Geschmack mindestens einen halben Meter zu niedrig ausgefallen, man sieht nicht immer optimal.

Was man hört, ist dagegen allererste Qualität. Fogerty wird von seinem Sohn Shane an der Gitarre begleitet, der seinem Vater sehr ähnelt und eine richtig geile Rockgitarre vom Stapel lässt. In der Mitte ist eine Hammond-Orgel postiert, die den Sound komplett macht und natürlich bei den Stücken hervorragend zur Geltung kommt. Am Schlagzeug ist kein Geringerer als der Top-Drummer Kenny Aronoff zu sehen. Alleine ihn beim Spielen zu beobachten, ist schon eine Augenweide. Der Typ ist technisch brillant und pusht die Musiker ordentlich. Zusammen mit einem mir unbekannten Bassisten legt er ein ordentliches Tempo vor, das von dem Altmeister und dem Rest der Truppe mühelos aufgenommen werden kann.

Überhaupt dieser Fogerty: 74 Jahre ist der begnadete Musiker und Songwriter nun schon alt. Das merkt man ihm jedoch zu keiner Sekunde an. Stimmlich ist er über jeden Zweifel erhaben. Er röhrt vielleicht nicht mehr so brachial wie früher, aber hat immer noch ordentlich Volumen zu bieten und meistert alle Passagen mit Bravour. Selbst das recht ruppige „Fortunate Son“ scheint ihm keine Schwierigkeiten zu bereiten. Dabei bewegt er sich auf der Bühne sehr häufig von links nach rechts und nutzt diese in ihrer kompletten Breite optimal aus. Ansagen kommen hin und wieder, die ich jedoch fast nicht verstehen kann. Bei einem Song packt er eine alte Rickenbacker-Gitarre aus, die er schon auf der Woodstock-Bühne gespielt hat. Dabei kann sich der Vollblutmusiker nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass er einen anderen Tonabnehmer einbauen hat lassen. Grund: Jetzt „rockt“ die Gitarre! Solche und ähnliche Anekdoten machen deutlich, dass er trotz seines Superstar-Status im Grunde immer noch ein sehr gewissenhafter Musiker ist.

Woodstock wird natürlich bei dem Motto der Tour „My 50 Year Trip“ mit einigen Songs abgefeiert. Dazu kommen Schauspieler auf die Bühne, die wie Hippies gekleidet sind und sich rhythmisch zur Musik bewegen. Er greift auf die Joe-Cocker-Version von „With A Little Help From My Friends“ zurück, Jimi Hendrix bekommt seine Ehrerbietung durch das von seinem Sohn Shane ziemlich abgefuckt präsentierte „Star Spangled Banner“ und Sly & The Family Stone werden gleich mit zwei Stücken bedacht. Hier kommt sein zweiter Sohn Tyler auf die Bühne, der beim Little-Richard-Stück „Good Golly Miss Molly“ einen fulminanten Gesangspart abliefert. Dabei klingt er stark nach Little Richard und röhrt was das Zeug hält. Die Stücke von Sly & The Family Stone gefallen mir nicht so besonders und kommen auch beim Publikum nicht so gut an.

„Heard It Through The Grape Wine“ lässt vor meinem geistigen Auge die Sümpfe in den Südstaaten von Amerika entstehen, die Band groovt sich hier förmlich in einen Rausch. Fast alle Musiker bekommen hier Soloparts, die phantastisch rüberkommen. Bei den restlichen Songs kann man im Prinzip nichts falsch machen. Sämtliche Leute im Publikum kennen nahezu alle Stücke und feiern diese und ihren Interpreten samt Band, sich selbst und die Woodstock-Generation. „Down On The Corner“ gerät zum Triumphzug, hier tanzt das Zelt. Überhaupt muss man sagen, dass die Fans in Winterbach durchwegs gut gelaunt sind und für eine tolle Stimmung sorgen.

Wie im Flug geht die reguläre Spielzeit gefühlt schon viel zu schnell vorbei. Fogerty kommt wieder auf die Bühne und lässt es mit dem von ihm geschriebenen „Rockin‘ All Over The World“ amtlich krachen. Die beiden Granaten „Bad Moon Rising“ und das unsterbliche „Proud Mary“ versetzen das Publikum einmal mehr kollektiv in Verzückung, danach regiert der Rock’n‘Roll. Fogerty und seine Mannschaft legen lautstärke- und soundmäßig nochmal einen Zahn zu und feuern ein Brett ab, mit dem ich so nicht mehr gerechnet habe. Und das Zelt feiert bei „Blue Suede Shoes“ oder „Long Tall Sally“ begeistert mit. Den Schluss bildet das unvermeidliche „Cotton Fields“, das lauthals mitgesungen wird. Das Publikum hat jedoch immer noch nicht genug und so spielt Fogerty sogar noch ein zweites Mal „Travellin‘ Band“. Fogerty verabschiedet sich danach vom hervorragenden Publikum und geht mit einem breiten Grinsen von der Bühne. Das hat sich auf die Fans übertragen, überall wohin man schaut sieht man in zufriedene und glückliche Gesichter. Bei dieser gezeigten Leistung und der tollen Setlist gibt es auch nichts zu meckern.

Der einzige Kritikpunkt sind die Preise am Merchandising-Stand. Für 180 Euro kann man Schallplatten kaufen, die von Fogerty handsigniert sind. Hier hört für mich der Spaß auf, das ist überzogen und nicht schön. Ansonsten war es eine schöne Sache, diesen Ausnahmemusiker noch einmal live zu sehen!


Setlist:
Travelin' Band
Green River
Born on the Bayou
Lookin' Out My Back Door
Susie Q
Who'll Stop the Rain
Hey Tonight
Up Around the Bend
Blueboy
I Heard It Through the Grapevine
With a Little Help From My Friends
Long as I Can See the Light
Good Golly Miss Molly
Everyday People
Dance to the Music
Give Peace a Chance
The Star-Spangled Banner
Run Through the Jungle
Keep On Chooglin'
Have You Ever Seen the Rain?
Down on the Corner
The Old Man Down the Road
Fortunate Son
---
Rockin' All Over the World
Bad Moon Rising
Proud Mary
Long Tall Sally
Blue Suede Shoes
Cotton Fields
Travelin' Band

Stefan Graßl


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