····· 1984 haben sie die „red Box“ geöffnet – jetzt kommen Simply Red mit blauäugigem Soul ····· Mit der provokant-poetischen Geschichte eines obdachlosen Soldaten promoten Fischer-Z ihr kommendes Album ····· 50 Jahre danach überqueren die Beatles erneut die Abbey Road ····· Mit einer Single-Trilogie wollen Atlas die Beziehung zwischen Mensch und Natur erkunden ····· Mit der Mafia auf Du - Robbie Robertson kündigt neues Soloalbum an ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Auch ein Herz aus Gold kann scharfe Kanten haben. Die Neil Young-Biographie von Harvey Kubernik

Info

Autor: Harvey Kubernik

Titel: Neil Young – Heart of Gold. Die Chronik in Bildern

Verlag: Heel

ISBN: 978-3-95843-229-1

Preis: € 29,95

226 Seiten

Der Untertitel Die Chronik in Bildern stapelt tief. Für den ebenfalls im Heel Verlag erschienen Titel über die Beatles, den wir in der letzten Ausgabe besprochen haben, war das eine angemessene Charakterisierung. Und Heart of Gold ist tatsächlich reich, teilweise mit doppelseitigen Bildern illustriert. Aber Harvey Kubernik hat auf gut zweihundert Seiten ausführlich über den raubeinigen Musiker geschrieben, um ein differenziertes Bild seiner Persönlichkeit zu zeichnen.

Ich weiß nach der Lektüre nicht so recht, ob ich dem Protagonisten gerne begegnen würde. Ein Diplomat ist er definitiv nicht. Man bekommt – nicht nur zwischen den Zeilen – den Eindruck, dass man es mit einem Menschen zu tun hat, der wenig Rücksicht darauf nimmt, wie das, was er tut, bei anderen ankommt, oder was es mit ihnen macht. Nennen wir das mal konsequent authentisch leben und sich nicht verbiegen lassen. Dann klingt das recht sympathisch.

Seine nahezu lutherische Starrköpfigkeit hat Neil Young nicht nur zu künstlerischer Authentizität verholfen. Gelegentlich hat er sich damit auch Türen zugeschlagen und Chancen vertan. Die schwierigen Beziehungen zu Musikern, mit denen er zusammenarbeitete, sprechen Bände. Seine Biographie ist sicherlich mehr Tragödie als Komödie.

Kubernik führt uns chronologisch durch das Leben Youngs. Diesen Weg zu erfassen verhelfen die sogenannten „Timelines“. Jedes Kapitel wird nicht nur mit einem Deckblatt eingeleitet, das ein Young-Zitat wie eine biblische Losung präsentiert. Es folgt auch eine Doppelseite, auf der ein mäandernder Zeitstrahl abgebildet ist, der die wichtigsten Stationen benennt, die auf den kommenden Seiten dargestellt werden.

Die Musik steht natürlich im Mittelpunkt. Aber der politische Mensch Neil Young, der sich u.a. in die Umweltpolitik oder die Marktmechanismen des Musikbusiness einmischt, kommt auch nicht zu kurz.

Harvey Kubernik schreibt seinen Text nicht einfach selbst. Ein großer Teil seines Textes besteht aus Zitaten von Menschen, die den Weg Neil Youngs gekreuzt haben. Das reflektiert Kubernik in dem ausführlichen Anhang seines Buches, der mit Kurzbiographien von etwa 100 Menschen beginnt, die in dem Band zu Worte kommen.

Es folgt eine extrem ausführliche Diskographie, die nicht nur die Titel von Alben nennt, an denen Neil Young beteiligt war, sondern Tracklists, Besetzungen, VÖ-Daten, Chartplatzierungen, Single-Auskopplungen, Katalognummern und etliches mehr aufführt.

Ob das die ultimative Neil Young-Biographie ist, sei dahin gestellt, mehr als ein Bilderbuch oder eine Hagiographie ist sie definitiv.

Norbert von Fransecky


Zurück zur Artikelübersicht