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Neues Musik-Magazin geht mit einer Ausgabe zu Elton John an den Start

Info

Autor: Pop Classics Sonderheft

Titel: Elton John

Verlag: Slam Media Verlag

Preis: € 9,90

100 Seiten

Pünktlich zum Kinostart der Elton John Biographie Rocketman erscheint die erste Ausgabe des Pop Classics Sonderheft. Der Slam Media Verlag stellt damit seiner Rock Classics Sonderheft-Reihe einen kleinen Bruder an die Seite. Und wenn man sich das neue Heft genau anschaut, muss man das „klein“ des „kleinen Bruders“ groß schreiben.

Grundsätzlich scheint das Konzept dasselbe zu sein. Beide Reihen erscheinen einmal im Quartal und beschäftigen sich ausschließlich mit einem Künstler, bzw. einer Band. Auch das Layout ist weitgehend identisch. Damit sind die Parallelen nicht erschöpft, aber man beginnt auf die Unterschiede zu stoßen.

Böse Zungen verbinden Rock-Musik mit Anspruch, Ernsthaftigkeit und Qualität; während die Popmusik gerne als seichte Massenware abgetan wird. Ein wenig scheint es so, als wolle man diesem Vorurteil im Hause Slam Futter geben.

Die Rock Classics Sonderhefte, von denen schon einige bei uns besprochen wurden, zeichnen sich durch eine herrliche Vielfalt aus. Oft liegen ihnen CDs bei, auf denen Bands zu hören sind, die die dargestellten Künstler geprägt haben. Es gibt ausführliche Biographien, Interviews mit möglichst vielen relevanten Mitgliedern, aber auch mit Personen aus dem Umfeld, Produzenten, Cover-Künstlern, Weggefährten etc. Und dann haben sich die jeweiligen Macher auch noch mit offenbar großer Liebe und Begeisterung für die Sache aufgemacht, liebenswerte und manchmal skurrile Trivia aufzuspüren und mit kleineren Beiträgen aufzuarbeiten.

Von einer solchen Begeisterung ist in dem Elton John-Heft nichts zu spüren. Der Löwenanteil des Platzes wird von ein- bis zweiseitigen Reviews der einzelnen Alben von Elton John und zwei alten Interviews von 2000 und 2004 eingenommen. Damit sind 70 der 100 Seiten gefüllt. In den Reviews werden zwar auch kurz aktuelle Ereignisse in der Karriere des Sängers und Entertainers angesprochen. Eine wirkliche, nachvollziehbare Biographie entsteht dabei allerdings nicht. Mit vielen Detailangaben zu Produzenten, Produktionsorten etc sind die Reviews auch anstrengend zu lesen – insbesondere, wenn man sich nicht nur eine vornimmt, sondern versucht das Heft kontinuierlich zu lesen. Bleibt der Artikel „Captain Fantastic“, der das Heft eröffnet und auf viereinhalb(!) Textseiten, von denen einiger Platz auch noch für die Beschreibung eines Konzertes genutzt wird, einen Abriss der Karriere Elton Johns gibt.

Ähnlich lieblos sind die Anhang-artig angesetzten Beiträge zu Memorabilia und Merchandise. Im Prinzip steht dort nicht mehr, als dass es sie gibt. Bleiben noch je eine Seite mit Kurzrezensionen von Büchern und Filmen zu Elton John. Fast das kreativste sind die letzten neun Seiten, auf denen einige Weggefährten von Kylie Minogue über Billy Joel und Barry Gibb bis hin zu Zakk Wylde und Henry Rollins einige wenige Worte zu Elton John zu Protokoll geben. Woher diese Zitate stammen und was die jeweiligen Künstler mit ihm zu tun hatten, bleibt im Dunkeln.

Man kann für die Zukunft nur hoffen, dass irgendjemand den Machern Ausgabe des Pop Classics Sonderheft ein älteres Rock Classics Sonderheft mit den Worten „So kann man’s auch machen!“ in die Hand drückt.

Eine Passage war dann aber doch Klasse! Im Interview von 2004 wird der Wahl-Amerikaner zur politischen Situation in den USA befragt. Er äußert sich äußerst kritisch zur aktuellen Bush-Regierung, wünscht sich einen Sieg von John Kerry bei der bevorstehenden Wahl, mit dem er allerdings nicht rechnet, um dann fortzufahren: „Allerdings gibt es noch Hoffnung: Bei der Convention der Demokraten ist mir ein junger, schwarzer Senator aus Illinois aufgefallen, der eine der ergreifendsten Reden hielt, die ich je gehört habe. Ich dachte nur: `Das wird der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten.´ Der Mann ist einfach unglaublich und ohne Zweifel ein Hoffnungsträger für die Zukunft dieses Landes. Außerdem hat er das, womit man heutzutage Wahlen gewinnt: Charisma.“ (S. 76) Fünf Jahre vor(!) der Wahl Obamas, denn um den geht es hier, waren das geradezu prophetische Worte.

Norbert von Fransecky


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