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Artikel

Nico Rivers - ein Singer/Songwriter aus Boston mit einem Faible für Astronomie und Astrophysik.

Info

Gesprächspartner: Nico Rivers

Zeit: 11.05.2018

Ort: Wilhelmshaven / Boston

Interview: E-Mail

Stil: Singer/Songwriter / One-Man-Band

Unter dem Motto Dem Nachwuchs eine Chance hatte Wolfgang Giese bereits ein Interview mit dem australischen Musiker Kaurna Cronin geführt. Und so hat es auch der aus Boston stammende Nico Rivers verdient, erfolgreich zu werden. 2015 war es, dass er mit seiner EP Say Hello seine letzte Veröffentlichung vorlegte. Damals war er dreißig Jahre alt. Ende Mai 2018 wird er einen kompletten Longplayer vorlegen, Tiny Death.

Mit dem großen Bruder als Vorbild, wechselte der Musiker einst vom Saxofon zur Gitarre, zur E-Gitarre. Denn seine Musik war laut, Hard Rock, gespielt mit der ersten Band, mit Namen Pine Mountain Casket. Doch im Laufe der Zeit gab es einen Stilwandel, hin zum Singer/Songwriter-Genre. Live tritt Nico auch als One-Man-Band auf. Persönlich hat Wolfgang Nico vor etwa vier Jahren kennen gelernt und in diesem Jahr tourt er erneut in Deutschland. Unabhängig davon erklärte er sich bereit zu diesem Interview.



MAS: Erzähle uns bitte, welche Musik Dich als Kind und Jugendlicher beeinflusste. Waren es damals Deine Eltern oder sonst jemand?

Nico Rivers: Als Kind war ich ein großer Fan von Weird Al (Yankovic) Ich denke, ich hatte fast jede seiner Kassetten. Ich hörte viel von den Beatles auf dem alten Plattenspieler meiner Eltern. Dann hörte ich Black Sabbath und musste eine Gitarre haben. Während der meisten Zeit meiner Teen-Jahre hörte ich sehr viel Heavy Metal (Deftones, Ozzy, Norma Jean usw.) und sehr bald interessierte ich mich für experimentelle Künstler wie Radiohead. Heute höre ich fast alles an, aus jedem Genre.

MAS: Hattest Du bestimmte Favoriten unter den Bands oder Musikern im Teenager-Alter? Und warum ggf.?

Nico Rivers: Als Teenager war ich ein großer Fan von Ozzy, Deftones and Weird Al. Ich weiß nicht genau, was es mit Ozzy war, wahrscheinlich weil er der „“Prince Of Darkness“ war. Deftones spielten Musik, die meine Liebe zu psychedelischen Klängen wie Pink Floyd mit Heavy Metal mischten, und Weird Al ist einfach der Beste!

MAS: Hast Du bestimmte Idole, und haben Dich diese beeinflusst hinsichtlich der Art Deines Songwritings und der Interpretation Deiner Songs? Welche (ggf.) sind es?

Nico Rivers: Ich bewundere die Arbeit vieler zeitgenössischer Künstler. In letzter Zeit waren das die Arbeiten von Bright Eyes, Bon Iver and Joshua James, die ich sehr mag. Ich versuche meine Arbeiten nicht beeinflussen zu lassen durch jene anderer Leute, aber ich denke, ich vernehme immer Teile ihrer Kunst in der Musik, die ich mache. Wie soll es auch anders gehen?

MAS: Bitte erzähle uns etwas über Deine musikalische Entwicklung, zum Beispiel, wann Du das erste Instrument spieltest und welches es war. Wann hast Du Deinen ersten Song geschrieben? Hast Du den jemals aufgenommen? Was kannst Du über persönliche Veränderungen in der Musik, die Du spieltest und heute spielst, berichten?


Nico Rivers: Mein erstes Instrument war das Saxofon, ich war damals etwa acht Jahre alt. Ich „komponierte“ einige Melodien auf dem Instrument, aber es war nicht wirklich gut. Meinen ersten echten Song schrieb ich, als ich wohl elf Jahre alt war. Ich habe ihn nicht aufgenommen, aber ich wette, den Text habe ich irgendwo notiert, wirklich! Meine musikalische Ausrichtung wechselt ständig, auch jetzt noch. Ich denke, man kann das aufgrund meiner bisherigen Veröffentlichungen nachvollziehen und ich kann einfach nicht genau voraussagen, wie sich meine nächste Platte anhören wird.

MAS: Welche Pläne hast Du für die Zukunft? Wirst Du mit einer festen Band spielen und aufnehmen oder wirst Du meistens Dein „eigenes Ding“ durchziehen?

Nico Rivers: Emily (Emily Graham-Handley) und ich planen als Duo zu touren und zu Hause werden wir von einer Band unterstützt. Wir hoffen, dass wir wachsen werden und in der Lage, in der Zukunft mehr Musiker mit auf Tourneen zu nehmen. Ich bin nicht sicher, was die Aufnahmen ergeben werden…

MAS: Ist Musiker Dein “Full-Time-Job” und verdienst Du damit genug Geld, um zu leben?

Nico Rivers: Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Lebensunterhalt davon zu bestreiten, dass ich auftrete, Songs schreibe und Musik produziere. Wir arbeiten mit einer Menge Künstler in Boston zusammen und drehen Filme und nehmen Livekonzerte auf und ich produziere auch Platten anderer Künstler. Ich scheine damit wohl genug zu verdienen, denn ich tue es schließlich noch immer. Ha!

MAS: Wirst Du weiterhin in Boston bleiben oder beabsichtigst Du in eine andere amerikanische Stadt oder außerhalb der USA Fuß zu fassen?

Nico Rivers: Momentan fühlt sich Boston sehr gut an. Es läuft hier alles gut und wir sind in der Nähe zum Nordosten der USA. Dennoch werden wir sehen, was halt geschieht. Ich bin offen für jede Möglichkeit und außerhalb der USA zu leben wäre sicher eine erstaunliche Herausforderung und eine gute Erfahrung.

MAS: Welches ist Deine Lieblingsmusik?

Nico Rivers: Da gibt es so viel erstaunliche Musik. Was immer echt ist und zu dem eine Verbindung mit mir besteht.

MAS: Wer ist Dein Lieblingsmusiker?

Nico Rivers: Schon für eine lange Zeit hatte ich keinen besonderen Favoriten. Ehrlich gesagt, liebe ich Musik generell.

MAS: Welches ist Dein liebster Songwriter?

Nico Rivers: Das kann von Tag zu Tag wechseln, je nachdem, wer mich an jedem Tag speziell berührt und erreicht.

MAS: Mit welchen Musikern würdest Du gern einmal eine Platte einspielen?

Diskografie

To The Bone (2012) EP
Say Hello! (2014) EP
Tiny Death (2018) LP
Nico Rivers: Unsere Band in Boston ist voller großartiger Musiker und wunderbaren Menschen. Da gibt es nichts Besseres, als mit einer Gruppe von Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen Du wirklich gern zusammen bist.

MAS: Was denkst Du generell über die heutige Musikszene?

Nico Rivers: Musik ist überall heutzutage! Sie ist erstaunlich, stressing, überwältigend, aufregend und inspirierend, alles auf einmal! Ich denke, es ist leichter als sonst, ein Album aufzunehmen und es überall auf der Welt mit anderen zu teilen. Den einzigen Nachteil sehe ich für die Hörer, dessen Aufgabe wird schwieriger. Da gibt es immer mehr, so muss man sich durch mehr Musik durchwühlen, um das zu finden, was einen wirklich trifft.

MAS: Wird es eine Zukunft für CDs und LPs geben?

Nico Rivers: CDs- wahrscheinlich nicht. Habe ich recht? Ich habe noch nicht einmal eine Möglichkeit, eine CD abzuspielen. Für Vinyl-Platten gibt es derzeit ein Comeback, ich denke, viele Leute mögen es, so etwas mit nach Hause zu nehmen als eine Art Souvenir. So habe ich selbst auch eine kleine Sammlung.

MAS: Gibt es einen speziellen Song, den Du gern selbst geschrieben hättest?

Nico Rivers: Welchen Song ich auch immer hier aufführen würde, wäre für mich nicht dasselbe oder würde dasselbe bedeuten, wenn ich derjenige gewesen wäre, der es geschrieben hätte, aber ich schätze ich könnte die Tantiemen von solchen Songs wie “Billie Jean“ oder “Stairway To Heaven“ gut gebrauchen. Ha!

MAS: Welche Platten würdest Du mit auf eine einsame Insel nehmen? Gibt es da Favoriten?

Nico Rivers: Würde ich heute aufbrechen, dann wären das “The People's Key” - Bright Eyes, ”22 a million” - Bon Iver, ”White Pony” - Deftones und “In 3-D“ - Weird Al.

MAS: Welche Platte ist die beste aller Zeiten, Deiner Auffassung nach?

Nico Rivers: Die besten Platten sind immer jene, die direkt mit Dir in Verbindung stehen und vielleicht Deine Augen öffnen und Dich zu Fragen anregen, wenn Du auf Dich selbst schaust. Die Platten, mit denen ich wirklich in Verbindung stehe, haben mir oft eine neue Sicht auf Dinge beschert, über die ich nachdachte oder haben neue Perspektiven eröffnet oder Themen, die ich bisher noch nicht in Betracht gezogen hatte.

Unser Autor Wolle mit Nico Rivers

MAS: Sind Deine Songs eher autobiografisch oder fiktiv (oder beides)?

Nico Rivers: Meine Songs beinhalten in der Regel einige autobiografische Aspekte. Einige mögen fiktiv sein, aber sie entstanden aus echten Emotionen oder Situationen, die mir widerfuhren.

MAS: Wenn Du beabsichtigen würdest, ein Konzeptalbum aufzunehmen, welches Thema hätte es?

Nico Rivers: Das ist eine gute Frage. Wahrscheinlich hätte es irgendetwas zu tun mit dem Weltraum oder interdimensionale Reisen.

MAS: Liebst Du es, in Deutschland zu touren?

Nico Rivers: Ja, ich liebe es, in Deutschland zu touren! Ich habe dort drüben mittlerweile einige tolle Freunde gewonnen während meiner Shows und generell auf den Reisen. Ganz obenauf habt Ihr das tolle Essen und das Bier!

MAS: Gibt es Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Publikum?

Nico Rivers: Ich denke, das ist ziemlich ähnlich, wenn Du dann das richtige Publikum gefunden hast. Ich war da recht zufrieden in Deutschland und hatte schon ein erstaunliches Publikum, das mitgesungen hat, auch zugehört hat und sich an Gesprächen beteiligte. Sonst kann ich sagen, dass das deutsche Publikum generell höflicher ist.

MAS: Was denkst Du generell über das Publikum bei Konzerten? Ich denke oft, dass viele Leute eigentlich gar nicht so sehr an der Musik, die auf der Bühne gespielt wird, interessiert sind und sich oftmals viel lieber unterhalten als der Musik zu lauschen.

Nico Rivers: Ja, nochmal – Du musst eben das richtige Publikum finden. Wenn irgendwie keine Reaktion erfolgt, dann versuche ich sie einfach aufmerksam zu machen mit einem energisch gespielten Song, oder vielleicht mit irgendetwas Verrücktem, Du magst es bereits vermuten, mit einem Song von Weird Al.

MAS: Denkst Du, dass “House Concerts” oder “Listening Rooms” viel besser sind, um die Botschaft Deiner Musik den Zuhörern zu vermitteln?

Nico Rivers: Ich denke, “House Concerts” oder “Listening Rooms” bieten Künstlern eine Gelegenheit, sich wirklich mit dem Publikum zu verbinden, speziell dann, wenn Hauptaugenmerk der Songs auf die Texte gerichtet ist. Wenn Du eine komplette Band hast, dann kann man in einer lauten Bar die Aufmerksamkeit durch Lautstärke erreichen, wenn man einen akustischen Auftritt hat, dann ist es schon schwieriger, mit dem Lärm mitzuhalten, doch wenn Du es richtig fühlst, wirst Du Dich auch
mit jenen Leuten verbinden können, die sich auch öffnen.

MAS: Danke, Nico, für Deine Aufmerksamkeit und in Deutschland dürfen wir uns auf Deine zahlreichen Termine im Monat Juni freuen.

Wolfgang Giese


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