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Artikel

San2 & his Soul Patrol und die Henrik Freischlader Band - Eröffnungskonzert der 27. Rother Bluestage

Info

Künstler: San2 & his Soul Patrol / Henrik Freischlader Band

Zeit: 17.03.2018

Ort: Roth - Kulturfabrik

Fotograf: Micha Brenner

Internet:
http://www.bluestage.de/

Die Rother Bluestage öffnen wieder ihre Pforten. Mittlerweile geht es in die 27. Ausgabe – Kinder wie die Zeit vergeht! Auch heuer ist es den umtriebigen Organisatoren wieder gelungen, ein sehr breit gefächertes und buntes Programm auf die Beine zu stellen.

Eröffnet werden die Bluestage von keinem Geringeren als Henrik Freischlader, der schon öfters zu Gast war. Mit dabei ist die mir noch unbekannte Formation San2 & his Soul Patrol, die den Sound der Motown-Ära für sich entdeckt haben. Für viele Anwesenden ist dies nicht der erste Festivalbesuch, einige sind sogar extra aus der Nähe von Hamburg angereist. Die Eröffnungsrede hält Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer, der zwar selbst nicht der bekennende Blueser, aber sichtlich stolz auf seine Stadt und das Festival ist. Monika Ammerer-Düll schenkt ihm für sein vor kurzem geborenes Kind einen Strampler mit sämtlichen Bandlogos des diesjährigen Festivals. Ihr obliegt zusammen mit Silke Rieger die künstlerische Leitung des kultigen Festivals.


Musikalisch beginnen San2 & his Soul Patrol. Sänger San2 zieht sofort alle Blicke auf sich. Mit seiner auffälligen Erscheinung uns seiner einnehmenden Bühnenpräsenz fällt es ihm leicht, Kontakt zum Publikum aufzunehmen. Das neue Album Hold On wurde 2017 veröffentlicht, etliche Stücke werden aus diesem Album gespielt. Auf der Homepage der Bluestage wird die Band als eine der besten Live-Bands Süddeutschlands vorgestellt, was sicher nicht übertrieben ist. Es ist schier unglaublich, was das Quintett hier vom Stapel lässt. San2 zieht sämtliche Register, die ein Frontmann ausschöpfen kann. Er ist ständig in Bewegung, singt seine Songs mit Überzeugung und spielt dabei eine gewaltige Bluesharp, die es in sich hat. Bei einem Stück springt er von der Bühne und spielt im Publikum weiter, was ihm viel Applaus einbringt. Auf der Bühne jagt er die Bluesharp über einen Verstärker, was dem Instrument einen beißenden, metallischen Klang verleiht. Klasse! Bei dieser positiven, ausdrucksstarken Musik ist es nicht möglich, still zu stehen. Es ist Bewegung im Publikum, die Leute sind gut drauf und die gute Laune der Musiker überträgt sich schnurstracks auf die Fans im Publikum. Die Songs aus dem aktuellen Album kommen hervorragend an. Ob „Hold On To Me“, „Burnin‘ Flame“ oder die fabelhafte Steve-Miller-Nummer „The Joker“ – man wird bestens unterhalten und die Zeit vergeht wie im Flug. „The Joker“ wird komplett durch den Fleischwolf gedreht und ist fast nicht mehr wieder zu erkennen.


Der Blues kommt neben den Soul-Anleihen natürlich nicht zu kurz. Immer wieder stellt San2 fest, dass er ja auf einem Blues-Festival spielt… So kommt neben dem Klassiker „Good Morning Little Schoolgirl“ auch noch B.B. Kings „Rock Me Baby“ zum Zuge, was die bärenstark eingespielte „Soul Patrol“ sicher aus ihren Instrumenten schüttelt. Schlagzeuger Peter Oskar Kraus sorgt zusammen mit dem urigen Bassisten Dominik Palmer für einen satten Rhythmusteppich, auf dem sich der Rest der Band getrost austoben darf. Alle Instrumentalisten werden von San2 ausgiebig vorgestellt, jeder bekommt seinen Solo-Part. Herausragend sind Organist Matthias Bublath, der für satte Farbtupfer sorgt und durch den Sound eines Leslie-Verstärkers hammermäßig klingt. Gitarrist Sebastian Schwarzenberger versinkt förmlich in seinen Solos, wofür er vom Rother Publikum häufig Szenenapplaus bekommt. Die Stimmung ist phantastisch, doch nach ca. 60 Minuten ist das Konzert leider schon viel zu früh zu Ende. Das Rother Publikum steht Kopf, die Band bekommt minutenlange Standing-Ovations. Wenn das mal kein Einstand nach Maß ist, weiß ich auch nicht – definitiv ein Hammerkonzert!


Der Wuppertaler Gitarrist Henrik Freischlader ist seit Jahren im Blues-Bereich eine feste Größe und hat 2017 sein jüngstes Album, Blues For Gary eingespielt. Hier zollt er einem seiner großen Idole – Gary Moore – Tribut, es werden hier nur Songs des Iren gespielt. Bis jetzt hatte ich noch nicht die Möglichkeit, den Gitarristen und Sänger live anzuschauen, von daher war ich entsprechend gespannt.

Freischlader beginnt ruhiger als die Vorgängertruppe und lässt zu Beginn einen klassischen Slow-Blues vom Stapel. Soundmäßig passt hier wie auch bei San2 alles, man hört jedes Instrument perfekt heraus und kann die Musik vom Fleck weg genießen. Er bittet die Mischer nach dem ersten Stück, die Hammondorgel und das Saxophon etwas lauter zu stellen, womit er recht hat und die Songs noch besser in Szene gesetzt werden können.

Freischlader spielt während des kompletten Abends nur eine Gitarre – ein Fender Telecaster-Modell, das schon reichlich ramponiert aussieht, aber phantastisch klingt. Mir gefällt sein Gesang sehr gut, er klingt ausdrucksstark und sehr emotional. Auch er ist sehr in seinen Stücken versunken und taucht gerade bei den Solos fast komplett ab. Zusammen mit seiner tollen Band schafft er es jedoch mühelos, punktgenau wieder in den Song einzusteigen und die Solos genau dann zu beenden, wenn es der Song erfordert. Das traumhafte Zusammenspiel seiner runderneuerten Band ist äußerst beeindruckend.

Auch bei diesem Gig bekommen die Musiker die Möglichkeit, sich in Solos dem Publikum vorzustellen. Am meisten überzeugt mich hier Keyboarder Roman Babik, der hier alles aus seiner Orgel herausholt und das Teil ab und zu amtlich röhren lässt. Duelle mit Freischlader sind feste Bestandteile des Programms und zeigen die musikalische Klasse der beiden auf.

Eine Bereicherung des Sounds ist sicherlich Saxofonist Marco Zügner, der in bester Bobby-Keys-Manier Akzente setzt und sehr häufig Solos vom Stapel lässt, die teilweise in den Jazz-Bereich reingehen. Für manche mag das vielleicht ein bisschen zu viel des Guten sein, für die neue musikalische Ausrichtung der Stücke passt das jedoch hervorragend. Seinem Helden B.B. King erweist Freischlader mit einer schmissigen Version von „Since I Met You Baby“ die Ehre. Das Stück wurde schon von Gary Moore gecovert und hat mir damals auch schon sehr gut gefallen.

Vom Publikum her ist es für die Henrik Freischlader Band schwer, nach San2 aufzutreten. Freischlader ist ein toller Musiker, sympathischer Typ mit Herz und Verstand und hervorragender Blues-Gitarrist. Im Gegensatz zu San2 ist er jedoch keine solche Rampensau und baut im Gegensatz dazu zum Publikum auch nicht diesen Kontakt und diese explosive Spannung auf. Zusätzlich kommt während des Konzerts der Winter zurück. Es schneit wahre Massen, was etliche Fans mit weiterem Anfahrtsweg dazu veranlasst, das Konzert schon frühzeitig zu verlassen. Auch hier kann keiner was dafür, schade ist es trotzdem. Freischlader und seine Truppe kämpfen sich jedoch mit vorbildlichem Einsatz durch das Set, das im letzten Drittel mehr Fahrt aufnimmt und das Publikum noch einmal richtig mitreißt. Nach ca. 110 Minuten und der letzten Zugabe gibt es viel Applaus, was sich die Truppe redlich verdient hat. Freischlader ist ein Künstler, der sich immer wieder neu erfindet, bekannte Pfade zielsicher verlässt und genau das macht, worauf er Lust hat. Spannendes Konzert, das Lust auf mehr macht! Gelegenheit dazu gibt es ab Oktober 2018 mit der „Old School Tour“, bei der er auch wieder in Bayern vorbeischaut.


Fazit: Das Eröffnungskonzert ist hervorragend gelungen. Zwei unterschiedliche Künstler boten dem Publikum einen musikalisch abwechslungsreichen Leckerbissen, der zeigt, dass es immer wieder neue gute Künstler gibt, die das Publikum begeistern können.



Stefan Graßl


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