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Artikel

Prong: Es ist keine Computer-Platte!

Info

Gesprächspartner: Prong

Zeit: Mai 2012

Stil: Groove/Thrash Metal

Internet:
http://www.prongmusic.com
https://www.facebook.com/prongmusic

Es war Anfang der 90er, als die aus dem Hardcore entsprungenen PRONG dem Metal zusammen mit Pantera das Grooven beibrachten und dem Genre neue Impulse gaben. Mit dem Album Cleansing und dem MTV-Hit „Snap your fingers, snap your neck“ fuhr man dann die Ernte ein, nur um sich zwei Jahre später nach einer weiteren Veröffentlichung aufzulösen. Danach verdingte sich Sänger/Gitarrist und Bandleader Tommy Victor u.a. (wie später noch öfter) als Gitarrist bei Glenn Danzig. Allzu lange hielt die Pause allerdings nicht an und pünktlich zum neuen Jahrtausend waren PRONG wieder da. Es folgte ein Livealbum sowie 2003 das Studiocomeback Scorpio rising. Zwischenzeitlich auch als Gitarrist bei Ministry angekommen, veröffentlichte Tommy Victor 2007 bei Al Jourgensens 13th Planet Records fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit den viel zu wenig beachteten Dampfhammer Power of the damager. So soll es aber nicht weiter gehen. Mit dem Paukenschlag Carved into stone und einem neuen, kräftigen Label (und der üblichen neuen Hintermannschaft) im Rücken melden sich PRONG lautstark zurück und hauen nebenbei eines der besten Alben ihrer Karriere raus. Grund genug bei Tommy Victor kurz nach der US-Tour mit Crowbar durchzuklingeln, während er gedanklich schon mitten in der (mittlerweile beendeten) Europarundreise zur Feier des eigenen Meilensteins Beg to differ weilte.


Tommy, wie lief die Tour mit Crowbar kürzlich?

Es war eine sehr spaßige Tour. Dafür war das Routing ziemlich schrecklich. Lange Fahrten, jede Nacht im Van schlafen. Wir lieben die Crowbar-Jungs und hatten deshalb eine gute Zeit.

Was für einen Status habt ihr derzeit in den USA bzw. in was für Örtlichkeiten spielt ihr zu Hause?

Die Zeiten sind in den USA ziemlich rau - genauso wie überall. Wir spielten in schäbigen und verschwitzen Punkrock-Clubs.

Hat die neue Besetzung so funktioniert wie Du Dir vorgestellt hast?

Alexei ist fantastisch. Tony hat sich heimlich dazu entschlossen neben Prong in zehn Million anderen Bands gleichzeitig zu sein und auch noch mit Soulfly zu touren. Deswegen sind wir ziemlich enttäuscht von ihm, hatten aber gute Ersatzmänner, mit denen es recht gut funktionierte. Phil Zeller von Toxic Holocaust hat ihn auf dieser Tour vertreten.

Der Titel des neuen Albums Carved into stone hört sich an als wäre dies das definitive Prong-Album. Die Songs klingen wie eine Art Best of der Bandgeschichte, von den Punk/Hardcore-Anfängen, über groovenden Thrash Metal und tanzbaren Stoff, bis zu melodischem Zeug mit tollen Refrains - Nostalgie im modernen Gewand. Hast Du deswegen auch den Albumtitel gewählt?

Das trifft es eigentlich ganz gut. Prong sind ja auch schon eine ganze Weile dabei. Der Titel beruht aber mehr auf dem Covervorschlag eines in den Fels eingelassenen Prong-Logos.

Wie lange hat es vom ersten Schreiben bis zu den letzten Aufnahmen von Carved into stone gedauert?

Eine ganze Weile. Ich hatte ein paar alte Ideen wie „Put myself to sleep“ und „Revenge… best served cold“ als fertige Demos bereits seit ungefähr drei Jahren rumliegen. In der Zeit wurde noch mehr geschrieben. „Keep on living in pain“ schrieb ich zum Beispiel ziemlich nah bevor wir ins Studio gingen. Am Ende hatte ich 25 Songs aus denen wir auswählen konnten.

Hast Du generell übriges Zeug das Du verwendest oder wirfst Du das meiste weg?

Das meiste landet in der Regel im Abfalleimer. Wir haben hier aber ein paar Songs während der Vorproduktion modifiziert; ein paar Sachen von anderen Songs genommen um stärkere Parts zusammenzusetzen.

Die neue Scheibe ist ein ganzes Stück anders als Power of the damager vor fünf Jahren - neue Band, neuer Songs, neues Label und ein wenig verbessertes Songwriting. Eine Art Zeichen für eine neu gefundene Energie?

Absolut! Man muss hart an sich arbeiten. Diese Energie erscheint nicht von selbst. Mir ging es ebenso. Einen guten Produzenten zu haben hilft auch. Wir brauchten einen Typen wie Steve Evetts der kommt, uns anpeitscht und in die richtige Form bringt.

Wenn Du schon Steve Evetts erwähnst: Warst Du mit dem Ergebnis von Power of the damager nicht wirklich zufrieden, welches zu alleine produziert hast oder brauchtest Du einfach Input von außen? Wobei mir die trockene Atmosphäre der Platte gefällt. Dafür hat Carved into stone auch die besseren Songs.

Meiner Meinung nach ist die Performance auf Carved into stone ebenso besser. Vor allem der Gesang. Aber im Ganzen stimme ich Dir nicht ganz zu. Ich denke Power of the damager hatte richtige Killer-Songs. Aber ich hatte einfach einen mittelmäßigen Toningenieur. Ich denke meine „Produktion“ sollte man nicht so hervorheben.

Dann denke ich mal, dass Steve die richtige Wahl war.

Er war die perfekte Wahl! Ich meine, es war ein brutaler Prozess. Er ist ein Perfektionist. Aber nochmals, wir brauchten einen Vorgesetzten. Ebenso jemand der sich mit den modernen Techniken auskennt, aber auch alte Geräte benutzt. Die Platte wurde genauso wie vor vielen Jahren aufgenommen. Wir haben uns nicht für Pro-Tools begeistern lassen. Der größte Teil lief extern ab. Es ist keine Computer-Platte.

Warum sind Aaron Rossi und Monte Pittman nicht mehr in der Band? Ist ein Grund, dass es schwer ist mit Prong seinen Lebensunterhalt als Musiker zu verdienen?

Genau, das ist ein Grund. Aaron wollte nicht mehr in einem Van touren, was aber das einzige ist, was sich Prong leisten kann. Außerdem verdient Monte richtig Geld als Tourgitarrist bei Madonna.

Diskografie

Primitive Origins (EP, 1987)
Force Fed (1988)
The Peel Sessions (EP, 1990)
Bed To Differ (1990)
Prove You Wrong (1991)
Whose Fist Is This Anyway (Remix-EP, 1992)
Snap Your Fingers, Snap Your Back (Remix-EP, 1993)
Cleansing (1994)
Rude Aweking (1996)
100% Live (Live-CD, 2002)
Power Of The Damager (2007)
Power Of The Damm Mixxxer (Remix-CD, 2009)
Carved Into Stone (2012)
Ist es nicht frustrierend sich ständig neue Musiker suchen zu müssen?

Es ist ein niemals endender Prozess, und ja, es ist schrecklich. Aber es scheint, dass ich immer tolle Jungs für den Job finde!

Deinen Bassisten Tony kennst Du aus Deiner Zeit bei Ministry. Aber wie hast Du den Alexei als neuen Schlagzeuger gefunden?

Alexei hat herausgefunden, dass Aaron nicht mehr in einem kleinen Van touren möchte, hat sich darauf bei mir beworben und hat mich umgehauen!

Viele Leute haben gar nicht mitbekommen, dass ihr vor ein paar Jahren ein Album auf Al Jourgensen Label 13th Planet Rcords veröffentlicht hattet, da es nicht wirklich beworben wurde. War das auch ein Grund für den Wechsel zu Long Branch Records/SPV?

Selbstverständlich. In den Augen von 13th Planet haben sie Werbung gemacht. Aber sie taten gar nichts. Das Label hat sich nur auf Als Projekte konzentriert. Es war ein Fehler bei ihnen zu unterschreiben.

Apropos Al Jourgensn: Bist zu zufrieden damit, wie das neue Ministry-Album Relapse geworden ist, auf dem Tony und Du zu hören seid?

Ich habe bei der neuen Platte mitgearbeitet, aber ich habe sie noch nicht gehört und will mich auch nicht zu sehr in die ganze Sache hineinziehen lassen.

In Europa steht die aktuelle Prong-Tour unter dem Banner des Albums Beg to differ, das komplett gespielt wird. Siehst Du die 1990er Platte als Deinen persönlichen Meilenstein? Viele würden vielleicht Cleasing wählen, da es die beiden Superhits „Snap your fingers, snap your neck“ und „Whose fist is it anyway“ enthält.

Darüber ließe sich ewig diskutieren. „Cleasing“ ist zum Beispiel reifer als Beg to differ. Und Carved into stone ist reifer als Cleansing. Ich versuche mich immer weiter zu entwickeln.

Wie man heraus gehört hat, bist Du ziemlich glücklich mit Deinem neuesten Werk. Aber es gibt sicherlich ein paar Dinge die Du an den frühren Prong-Platten ändern würdest, oder?

Oh, natürlich gäbe es da einiges zu ändern. Ich war zum Beispiel nie wirklich glücklich, wie es damals mit Rude awakening lief. Wie auch immer, es ist eine tolle Platte die etwas neue Wege eingeschlagen hat. Ich habe gelernt meinen Instinkten zu vertrauen und nicht darauf zu hören, was mir andere nur aus ihren selbstsüchtigen Egos heraus oder was auch immer einreden wollen.

Nachdem Prong mit der Single „Snap your fingers, snap your neck“ einen großen Hit gelandet haben, hast Du die Band kurz nachdem das eben erwähnte Rude awakening veröffentlicht wurde aufgelöst. Kommen diesbezüglich immer noch melancholische Gefühle hoch?

Das war eine geschäftliche Sache. Einer unserer Manager wollte Cleansing noch weiter voran bringen und der andere wollte, dass wir eine neue Platte machen, um noch mehr Geld zu verdienen. Letzterer Manager ist nicht mehr im Geschäft. Hey, ich habe überlebt. Das ist eine Leistung würde ich mal sagen! (lacht)

Das kann man durchaus so stehen lassen, Tommy! Vielen Dank für Deine Zeit.


Mario Karl


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