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Ufomammut: Wir spielen Musik für unsere Seelen, nicht für unsere Taschen.

Info

Gesprächspartner: Ufomammut

Zeit: April 2012

Stil: Doom Metal/Postrock

Internet:
http://www.ufomammut.com
http://www.myspace.com/ufomammut

Das italienische Psych-Doom-Trio UFOMAMMUT mag es episch - sehr episch sogar. Überlange Stücke die über ein Album hinweg ein großes Ganzes bilden sind für die Band ganz normal. Das war zuletzt auf Eve so und wird jetzt mit dem neuesten Streich noch weiter ausgebaut. Oro nennt sich dieses Werk, wobei es sich im Endeffekt um ein großes Stück, unterteilt in zehn Abschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 100 Minuten, handelt. Das Ganze kommt allerdings zweigeteilt in den Handel. Der erste Teil Opus Primum erschien Mitte April, Opus Alter soll im Herbst das Licht der Welt erblicken. Die darauf die hörende Musik ist recht faszinierend, sofern man die gewisse Geduld hierfür aufbringt und gebannt zuhört, wie sich wiederkehrende Abschnitte im Kreise drehen, nur um immer wieder abzuheben. UFOMAMMUT sind dabei mehr als eine gewöhnliche Doomband und pflegen ihren ganz eigenen Stil, der sich nicht nach allgemein gültigen Formeln und Regeln richtet. So werden klassische Strukturen gepflegt durchbrochen und auch der Gesang ist als solcher nicht wirklich zu erkennen, da er verfremdet ein Teil des Klanggebildes darstellt. Trotzdem verfolgt die Band auch hier ein lyrisches Konzept, das sich um Wissen und Macht dreht und für das man das italienische Wort für Gold als Albumtitel und Bezug zur geheimnisvollen Alchemie wählte. MAS unterhielt sich in einer ruhigen Minute mit Bassist/Keyboarder/Sänger Urlo und Gitarrist Poia, die nebenbei auch noch Teil des Künsterkollektives Malleus und Inhaber der kleinen Labels Supernatural Cat sind.


Euer Bandname hat mich schon lange fasziniert. Während „Mammut“ pure, vorzeitliche Schwere und Kraft zu symbolisieren scheint, steht das „UFO“ wohl für etwas Futuristisches und ziemlich Seltsames. Liege ich mit dieser Vermutung richtig oder steckt mehr dahinter?

Urlo: Du hast vollkommen recht und das freut mich, da viele den Namen wirklich nicht verstehen. Dabei dachten wir immer es sei ganz einfach.

Poia: Damals klang es seltsam und nach einem einzigartigem Wort. Ich mag die Tatsache, dass es für Englisch sprechende Leute nicht unmittelbar zu verstehen ist.

Ufomammut ist mehr als eine typische Doom Metal-Band. Aber seht ihr Euch selbst überhaupt als Metalband oder fühlt ihr Euch einer gewissen Szene zugehörig?

Urlo: Ich möchte kein Teil einer Szene sein. Ich denke, Musik ist Musik - ganz egal was du spielst. Die Beatles waren zum Beispiel eine Popband, nahmen aber viele der schwersten Songs die ich kenne auf und machten auch einige verdammt psychedelische Sachen. Nun, sie machten einfach alles, um ehrlich zu sein. Wir spielen Musik, aber wir möchten die Freiheit haben zu tun was immer uns in den Sinn kommt.

Poia: Ich für meinen Teil denke schon, dass es ein Umfeld gibt in dem Ufomammut existieren. Es definiert sich durch die drei Koordinaten „heavy“, „Rock“, und „Psychedelia“. Aber die Grenzen sind ziemlich verschwommen.

Ich beschrieb die Atmosphäre Eures neuen Albums als eine Art moderne und metallische Version von Pink Floyd in ihrer Meddle / Live in Pompeii-Phase. Ist diese Band eine Art Vorbild für Ufomammut?

Urlo: Wir lieben Pink Floyd. Sie sind eine große Inspiration für uns. Es gibt aber natürlich noch viele andere Bands die wichtig für uns waren und es immer noch sind. Aber zwei die wir immer im Hinterkopf haben sind die Beatles und Pink Floyd.

Poia: Ich stimme komplett zu und füge ein paar weitere wahllose Einflüsse hinzu: Hendrix, Sleep, Led Zeppelin, Eyehategod, Motorpsycho, God Machine, Motörhead, Monster Magnet, Sex Pistols, Melvins, Popol Vuh, Johnny Cash, Nick Cave, Entombed.

Ihr seid auch Teil des Künstlerkollektivs Malleus. Gibt es generell Interaktion zwischen Eurer Musik und Eurer Kunst? Inspiriert das eine das andere, haben beide Dinge denselben Urspung, die Gleiche Quelle aus der ihr die Inspiration zieht?

Urlo: Poia und ich sind zwei Drittel von Malleus. Lu ist das dritte und sie ist auch der Kopf hinter Ufomammuts Visualisierungen. Alles kommt von der Musik. Alles ist tief mit meinem persönlichen Leben verbunden. Ich könnte nicht in Ufomammut sein ohne in Malleus zu sein und umgekehrt. Der Weg dem ich folgte war ein einseitiger.

Poia: Musik ist immer noch der Hauptantrieb unserer visuellen Kunst. Diese selbst ist aber auch offensichtlich mit künstlerischen Bewegungen verbunden die wir lieben. Zum Beispiel Art Nouveau oder Symbolismus, mit der Schönheit von weiblichen Formen und vielen Einflüssen aus dem Bereichen Film und Comics.

Nachdem ihr so großen Wert auf Eure Artworks legt, ist es als Künstler sicherlich frustrierend, dass sich in Zeiten von iTunes & Co. nicht mehr allzu viele dafür interessieren.

Urlo: Das trifft in gewisser Hinsicht zu. Aber es wird trotzdem noch immer sehr geschätzt. Mit unserem kleinen Plattenlabel Supernatural Cat stellen wir handgedruckte Cover und coole Grafiken für unsere Alben her. Zum Beispiel haben wir eine limitierte Edition von Oro auf Vinyl mit einer DVD herausgebracht und sie war ein richtiger Erfolg. Die Leute lieben es immer noch etwas zu haben, mit dem sie sich richtig beschäftigen können.

Poia: Vinyl ist eben immer noch ziemlich cool. Punkt! (lacht)

Was kommt bei der Arbeit an einem neuen Album zuerst: die Musik oder das Thema das ihr behandeln wollt?

Urlo: Die Musik kommt immer zuerst. Danach beginne ich mit dem Gesang, die Texte entstehen und mit ihnen auch das Thema.

Diskografie

Godlike Snake (2000)
Snailking (2004)
Lucifer Songs (2005)
Supernaturals: Record One (mit Lento, 2007)
Idolum (2008)
Eve (2010)
Oro - Opus Primum (2012)
Oro klingt meiner Meinung nach dynamischer als sein Vorgänger Eve. Gibt es eine Art Masterplan, wenn ihr zu arbeiten beginnt oder lasst ihr es einfach fließen und schaut was entsteht.

Urlo: Es gibt keine Linie die wir beim Schreiben eines Albums verfolgen. Oro ist durchdachter verglichen mit Eve. Wir haben sehr lange daran gearbeitet. Unter anderem an der Art wie die Sounds übereinander gelegt werden.

Poia: Oro zeigt auch eine Entwicklung von Eve her in Sachen Klangdynamik und Anzahl an Noten die gespielt werden.

Verfolgt ihr eine bestimmte Arbeitsweise während der Entstehung?

Urlo: Nicht wirklich. Wir jammen generell viel. Sogar bei Oro spielten wir um Riffs herum, die wir einzeln herausarbeiteten.

Warum wird Oro eigentlich in zwei Teilen ein paar Monate versetzt veröffentlicht? Wolltet ihr die Fans nicht überfordern? Böswillige Leute unterstellen hier gleich Abzocke, was bei einer Band Eurer Größenordnung natürlich blödsinnig ist.

Urlo: Aber selbstverständlich war der Plan reich zu werden, am besten Millionäre. Darum haben wir das Album auch nach dem italienischen Wort für Gold benannt. Absolut kein anderer Grund.

Poia: Das ist auch der Grund, warum die Stücke voller ohrwürmelnder Melodien sind, welche die Leute regelrecht anziehen unsere Alben zu kaufen.

Ah ja meine Herren, dann hab ich Euch jetzt auf frischer Tat ertappt! Aber weiter im Text: Wurde der zweite Teil von Oro bereits aufgenommen? Unterscheiden sich beide in gewisser Hinsicht?

Urlo: Wir haben Oro im Ganzen aufgenommen, als ein einzelnes Epos. Meiner Meinung nach ist der zweite Teil recht anders, auch wenn es dort viele wiederkehrende Riffs und Parts gibt.

Die CD-Version des Albums wird - anders als das genannte Vinyl - nicht mehr von Euch selbst, sondern beim Neurosis-Label Neurot Recordings veröffentlicht. Warum diese geschäftliche Neuausrichtung - wolltet ihr die Kraft eines bekannteren Labels nutzen?

Urlo: Kein Geschäft, nur Respekt zwischen Neurot und uns. Außerdem arbeiten Neurot und Supernatural Cat mit den gleichen Vertriebspartner. Ich denke das letzte an was wir bei der Zusammenarbeit mit Neurot dachten, war Geschäfte zu machen. Wir spielen Musik für unsere Seelen, nicht für unsere Taschen.

Poia: Wir hatten bereits Kontakt mit anderen, größeren Labels, aber wir haben uns für Neurot wegen der Attitüde und dem Respekt für Musik und Musiker entschieden. Wir haben uns gemeinsam entschieden, dass wir die alleinige Kontrolle über die Vinyl-Version beibehalten, da sie sehr mit unserer Sorgfalt in Sachen Artwork verbunden ist.

Wo seht ihr Ufomammut in der Zukunft?

Urlo: Ich konzentriere mich derzeit lediglich auf die Gegenwart.

Dann bedanke ich mich jetzt für Eure Zeit und wünsche viel Erfolg mit Eurer Musik!

Poia: Vielen Dank - „in bocca al lupo“! (im Mund des Wolfs, bedeutet so viel wie „viel Glück“ - Anm.d.Verf.)

Mario Karl


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