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Reviews

The Boxer Rebellion

The Cold Still


Info

Musikrichtung: Independent Rock / Alternative Rock

VÖ: 14.02.2011

(Absentee / ADA / Warner)

Gesamtspielzeit: 39:26

Internet:

http://www.myspace.com/theboxerrebellion

Vor knapp zwei Jahren sagte ich dieser Band mit Ihrem Erstling einen Riesenhit voraus. Nun, ganz so kam es leider nicht, aber The Boxer Rebellion haben sich durchaus Ihren Platz zwischen Radiohead, Coldplay und Interpol geschaffen und auf diesem etabliert. Nun, mit Ihrem dritten Album The Cold Still schaffen die Briten es tatsächlich, die hochgelegte Messlatte nochmals zu überbieten. Bei Oberflächlichem Hören jedoch könnte einem das entgehen, also aufgepasst, Musikfans. Also das neue Album der Briten im Schnelldurchlauf:
“No Harm“: Schwebende Keyboards und schwere Drums eröffnen, tiefes Piano und melancholische Atmosphäre. Dazu die tolle Stimme von Sänger, die sich in den Refrains weit nach oben erhebt. Toller Einstieg, der mit seinen Sounds und seinem Piano süchtig macht.
“Step out of the car“: Ungewohnt kräftiger, rockiger Song, der sich direkt aus dem Vorgänger entwickelt. Durchaus erkennbare Radiohead Gitarren, die einem die Gehörgänge schön frei kratzen. Treibende Drums tragen den Song zum ausufernden Refrain in welchem der Sänger zu Höchstform aufläuft. Erinnert auch ein wenig an Marillion der frühen 0er Jahre.
Locked in the basement:Aus einem eher rituellem Rhythmusgewand schälen sich Gitarren, die wundervoll daher Perlen und hier klingt der Sänger wirklich ein wenig wie Thom Yorke. Nur nicht so knödelig und verkopft, sondern herrlich melancholisch . (Nicht, das ich den verkopften Yorke nicht mögen würde). Dies hier ist absolut der erste Favorit auf den besten melancholischen Alternativepopsong dieses Jahrzehnts! Von der tollen Stimmung und dem gefangen nehmend schönen Gesang kann ich gar nicht genug bekommen.
“ Cause for alarm“: Das Schlagzeug bzw. die Perkussion ist unglaublich wichtig für The Boxer Rebellion. Auch dieser Track schält sich mit leichtem Klackern, welches dann in diese typisch schweren Drums übergeht, aus dem Vorgänger heraus. Die Gitarren erklingen dann melancholisch und gedoppelt, sofort wird man an And Also The Trees erinnert, aber in einer sehr poppig verpackten Variante. Wundervolle Bassfiguren und traumwandlerische Gitarrensounds ziehen einen immer tiefer in den Sehnsuchtssog dieses Albums.
„Caught by the light“: Das Thema And Also the Trees bleibt beim nächsten Song erhalten, wobei die Gitarrenlinien durchaus auch stark an „Blue Hotel“ von Chris Issack erinnern, nur zwei Gänge zurückgenommen. Dazu puckert ein angenehmer, sogartiger Rhythmus und die Stimme zieht einen in andere Welten.
“Organ song“: Beginnt dem Titel entsprechend natürlich mit einer tiefen Orgel, schnell setzen die tiefen Drums ein. Eine einsame Gitarre spielt im linken Kanal, ansonsten viel Orgel, Keyboards und Bass. Einer der schwächeren Song, aber immer noch ein schöner Song. Es fehlt einfach die Tiefe, die den anderen Songs gegeben ist.
“ Memo“: Kommt wieder mit mehr Schmackes daher. Kantige, aber melodische (Chameleons) Gitarren. Wall of Sound halt. Aber es bleibt trotzdem großes Pathos und Midtempo. Doch die etwas ruppiger wirkende Gangart tut der Dramaturgie des Albums sehr gut.
„Both Sides are even“: Hier wird dafür das Tempo dann am Start komplett rausgenommen. Ergreifende Keyboardsounds, dann setzt wieder diese schöne, klare Gitarre ein. Dagegen wirkt die Stimme verhallt und erzeugt so eine Atmosphäre von Weite. Die perlenden Gitarren faszinieren und der Gesang lässt den Hörer schweben.
“The Runner“:: Geht wieder etwas zackiger zur Sache, greift das vorherige Thema musikalisch aber wieder auf. Straightes Drumming und die Gitarren perlen in wesentlich höherem Tempo. Hier kommt richtiges Rockriffing, aber halt in typischer, melancholischer The Boxer Rebellion Manier auf. Dieser Song hätte (neben einigen anderen) auch gut auf OK Computer gepasst.
“ Doubt“: Der Rausschmeißer ist natürlich wieder von eher ruhiger, melancholischer Gangart. Reine Akustikgitarre stimmt den Song ein. Dann setzt die Stimme ein. Perfekt akzentuiert bietet Nathan Nicholson in allen seinen Ihm möglichen Stimmlagen den melancholischen Text wieder. Traumhaft das Cello, das sich fast unmerklich dazugesellt. Die zweite Gitarre, die einsetzt, gibt die Farbtupfer auf dieses Aquarellgemälde. Schöner kann man so ein tolles Album nicht ausklingen lassen.

The Boxer Rebellion gelingt es, dem grandiosen zweiten Album ein noch stärkeres drittes folgen zu lassen. Natürlich sind sie oft verdammt nah an Radiohead, verkommen aber nie zum Plagiat sondern erschaffen Ihren eigenen, traurigen Kosmos.



Wolfgang Kabsch

Trackliste

1No Harm4:02
2 Step out of the car3:03
3 Locked in the basement3:42
4 Cause for alarmc3:34
5 Caught by the light4:51
6 Organ song3:28
7 Memo3:05
8 Both Sides are even5:05
9 The Runner3:39
10 Doubt4:57

Besetzung

Nathan Nicholson: Vox, Rhythm Guitar
Todd Howe: Lead Guitar
Adam Harrison: Bass
Piers Hewitt: Drums

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger