····· The Selecter und The Beat (feat. Ranking Roger) gehen 2018 gemeinsam auf Co-Headliner-Tour! ····· Beth Hart & Joe Bonamassa veröffentlichen ihr neues Album Black Coffee am 26. Januar! ····· Lokomotor – neue Single/ Video „Wir sind jetzt“ und Album Wir sind am 26.01.2018 ····· Auf Album Nummer 10 covern Mystic Prophecy sich durch die Popgeschichte ····· Mit der Pest bewerben Nero Doctrine ihr neues Album ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Reviews

Salieri, A. (Spering)

La Passione di nostro Signore Gesu Cristo


Info

Musikrichtung: Oratorium

VÖ: 15.03.2004

Capriccio / Delta Music (2 CD DDD (AD: 2003) / Best. Nr. 60 100)

Gesamtspielzeit: 90:35

Internet:

Capriccio

WENN DIE PASSION ZUR OPER WIRD: SALIERI HÄLT ANDACHT

Wer kontemplative Musik oder stilistische Zurückhaltung in Salieris (1750-1825) Passionsoratorium erwartet, wird vom Theaterdonner, den dieses Werk verbreitet, verblüfft, ja vielleicht sogar zunächst peinlich berührt sein. Das 1776 uraufgeführte Stück greift auf ein bereits knapp 50 Jahre zuvor entstandenes Libretto des Dichters Metastasio zurück. Dieser schildert nicht 1:1 das biblische Geschehen, sondern läßt es rückblickend durch vier Figuren, nämlich Petrus, Johannes, Josef von Arimatia und Maria Magdalena, erzählen und kommentieren. Die dramaturgisch zugkräftige Darstellung der äußeren Abläufe setzt dabei in einer Situation ein, die die Handelnden vom Zustand zweifelnder Ungewißheit und Hoffnungslosigkeit zur Gewißheit der Auferstehungshoffnung führt und den Zuhörer an dieser Entwicklung teilhaben lassen will: Die Protagonisten begegnen sich nach der Kreuzigung und Grablegung Jesu, aber noch vor dem Auferstehungsgeschehen.
Manche Teile des Librettos stehen in ihrer grausam detailverliebten Schilderung der Folterung und Kreuzigung, sowie ihren scheinbar antisemitischen Tendenzen der Passionsverfilmung Mel Gibsons übrigens in nichts nach.

Salieri nahm die dramatische Grundkonzeption nur allzu bereitwillig auf und vertonte den Text weitgehend im Stil der Opera Seria. Differenzierte Charakterzeichnung der Personen sucht man daher vergebens, wenn auch etwa in der Figur des Petrus eine musikalische Entwicklung erkennbar wird. Auffallend ist zum einen die farbige, abwechslungsreiche Instrumentierung und zum anderen die sorgfältige Ausgestaltung der Rezitative. Bei den Arien finden sich zwar die zeitüblichen Bravourstücke, jedoch nimmt Salieri vom Muster der da-capo-Arie Abstand und läßt die Stücke oftmals nahtlos wieder ins Rezitativ münden, was dem Werk eine große szenische Lebendigkeit verleiht.

Christoph Spering und Das Neue Orchester zeichnen die Partitur mit kräftigen Strichen und knalligen Effekten nach. Ganz zu Recht bemühen sie sich nicht darum, dem Werk eine meditative Seite abzugewinnen, sondern rücken die Nähe zur Oper in den Vordergrund. Dadurch wird ein Höchstmaß an Vitalität gewonnen, zugleich aber hohes technisches Können abverlangt. Das Orchester meistert die damit einhergehenden Herausforderungen virtuos.
Auch die jungen, gleichwohl international vielfältig erfahrenen Solisten zeichnen sich fast durchweg durch ein hohes stimmliches Niveau aus und bewegen sich zugleich geschickt auf dem schmalen Grat zwischen Opern- und Oratorienfach. Melba Ramos brilliert mit einem bis in die Höhen sanft-schwärmerischen Ton, den sie oft schmerzlich schön zu formen weiß. Florian Mock gefällt vor allem durch den Verzicht auf tenorale Allüren, ohne dass er damit an dramatischer Überzeugungskraft verlieren würde. Die wechselhaften Empfindungen in der Figur des Petrus zeichnet er sensibel nach. In der Arie "Se la pupilla inferma" allerdings fehlt seinen Koloraturen die notwendige Leichtigkeit und geraten ihm die Läufe stimmlich zu eng und unbeweglich.
Franziska Gottwald hat ebenfalls bisweilen mit Problemen zu kämpfen. Vor allem zu Beginn agiert sie atemlos und in den tieferen Lagen fehlt es den Tönen an Volumen. Ihre an sich klangschöne Altstimme entwickelt sich aber im weiteren Verlauf hörbar positiv. Hanno Müller-Brachmann begeistert einmal mehr mit einer kraftvollen, jungen Baßstimme und einer Gestaltung, die fast differenzierter erscheint, als die Partie des Josef es hergibt.
Der Chor ist stark besetzt, in seinen vielgestaltigen Aufgaben aber durchweg sicher und überzeugend.

Die auch klanglich hervorragende Aufnahme zeigt uns Salieri als Komponisten, der zwar sicherlich keine neuen Wege beschritt, die wohlbekannten Pfade aber souverän zu gestalten und zu nutzen wußte. Eine wichtige Bereicherung des Repertoires.
Kritisch angemerkt sei, dass die CD hinsichtlich der grauenerregend geschmacklosen Covergestaltung die "Goldene Himbeere" verdient hätte. Nicht abschrecken lassen: Der Inhalt ist in diesem Falle weit besser, als die Verpackung...



Sven Kerkhoff

Besetzung

Melba Ramos, Sopran (Maddalena)
Franziska Gottwald, Alt (Giovanni)
Florian Mock, Tenor (Pietro)
Hanno Müller-Brachmann, Bass (Giuseppe d´Arimatea)

Das Neue Orchester
Chorus Musicus Köln

Ltg. Christoph Spering

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger