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Reviews

The Forresters

Skindeep


Info

Musikrichtung: Pop

VÖ: 29.09.2003

(Tom Thumb)

Gesamtspielzeit: 55:00

Internet:

www.theforresters.com.au

Eine Reise um den halben Erdball musste die CD Skindeep der australischen Band The Forresters hinter sich bringen, um in meinen CD-Player zu gelangen. Ob sich diese Reise gelohnt hat (für wen auch immer), soll sich auf dieser Seite zeigen. Da man den Fünften Kontinent in letzter Zeit leider immer mit dem Hilfeschrei "Ich bin ein Star! Holt mich hier raus!" in Verbindung gebracht hat, darf auch die Frage gestellt werden, ob man nicht vielleicht die falschen "Stars" nach Deutschland (zurück)holte.

Im Einzelnen:

Die Forresters fallen nicht mit der Tür ins Haus, sondern lassen bei "Are you ready" (welch nette Anfrage!) eine Hammond B3 leise anschwellen und setzen dann mit einem Harmoniegesang ein, der sogar den Brüdern der Familie Everly zu Ehren gereichen würde, und bevor man sich zurücklehnen kann, wird gezeigt, dass es sich um keine CD für Schlaftherapien handelt, denn freundlicher, aber bestimmter Rhythmus entführt den Hörer in Richtung Gitarren-Pop mit REM-Einschlag. Der Song ist schwer zu beschreiben, aber das Wort "schön" trifft hier allemal zu. Ein bisschen rauer geht es schon bei "Fool in love" zur Sache. Ein paar Gitarrenriffs aus den 80ern und ein losbrausendes Schlagzeug bringen gleich richtig Schwung in den Laden. Aber auch hierbei geht die Harmonie nicht verloren, die durch einen flotten Backgroundchor noch Unterstützung findet. Wer auch nur einen Funken Rhythmus im Blut hat, wird bei diesem Songs mit dem Fuß wippen, mit dem Kopf nicken oder durch die Wohnung fegen, denn hier gibt es richtig gute handgemachte Musik aus der Rock´n´Roll-Ecke zu hören. Schon jetzt bildet das Album einen deutlichen Gegenpunkt zu der heute gebräuchlichen synthetischen Studiopampe, die einem als Musik verkauft wird.

Wiederum auf den Spuren von REM und "Crowded House" wandelt "Outtamyhead", dass insgesamt ruhiger zu Werke geht und den Schwerpunkt auf akustische Gitarren und Gesang legt und im Background neben der bekannten B3 auch gelegentlich auf Bläser setzt. Einen Gang weiter zurückgeschaltet wird bei "Tremblin´", einer Ballade, die mit einer Drumline und ansonsten dezenter Begleitung auskommt. Als außergewöhnlich kann man ruhigen Gewissens die Stimme von Anthony Bautovich bezeichnet, der als Dreh- und Angelpunkt der Forresters nicht nur alle Songs komponiert und getextet hat, sondern auch die Gitarren spielt. Nach rund drei Minuten schlägt der Song plötzlich eine Kurve ein mit einer Posaune und einer Melodiewandlung, die an das Sgt. Pepper-Album der Beatles erinnert, kommt aber gleich danach wieder auf den ursprünglichen Punkt zurück. Man sollte also nie einen Song nur anspielen, sondern bis zum Ende dabei bleiben, denn man weiss nie, was da noch aus dem (australischen) Busch kommt. Ähnlichkeiten mit den "Fab Four" hat auch "The way you do", denn das Intro weist wegen des Lapsteel-Sounds stark auf "What is love" von George Harrison hin. Ansonsten ist es ein straighter Pop-Song, der sauber ausgearbeitet ist und dem man anmerkt, dass hier nichts dem Zufall oder spontanen Eingebungen der Musiker überlassen blieb. Für eine Band, die ihre eigene Plattenfirma betreibt, ist das schon eine hervorragende Leistung, trotz der Unabhängigkeit eine auch kommerziell derart runde Leistung zu bieten.

"Wake up", Song Nr. 7 auf Skindeep, trägt seinen Namen zu Recht, denn er weckt Erinnerungen an die Rolling Stones und rockt los, als hätte Keith Richards die Saiten gequält und Charlie Watts seine Drums nicht geschont. Dass die Stimme von Anthony Bautovich allerdings mehr nach Marc Bolan von T.Rex klingt als nach Gevatter Jagger, ist durchaus verzeihenswert und vergrößert das Erinnerungsspektrum. Für die heute 40- und 50-jährigen mag es wie ein Wunder daherkommen, dass junge Leute von der anderen Seite unseres Planeten in der Lage sind, den Stil und das Feeling längst vergangener Zeiten so lupenrein rüberzubringen und als zeitgemäßes Liedgut zu verkaufen. Ein musikalischer Hauch von Jurassic Park?

Als Antwort scheinen sich Don und Phil Everly das Mikrofon gegriffen zu haben, denn Harmonie pur strömt aus den Speakern. "Don´t leave me down" ist ein ruhiger Titel, wiederum mit straighter Drumline und dem geschickt arrangierten Background, der dieses Album auszeichnet. "What you want" wird durch die Akustikgitarre geprägt, die in Zusammenarbeit mit Bautovich´s Gesang an die Songwriter-Szene der 70er und ganz besonders an James Taylor erinnert. Der Titelsong dieses Albums, "Skindeep", schwimmt stilistisch in der Nähe von Crowded House und REM, obwohl man den Forresters absolut keine Stilkopie vorwerfen kann. Dafür sind ihre Songs viel zu eigenständig. Als Bonustrack wird dieser Song auch im "Fademaster Mix" als # 13 in leicht geänderter Version angeboten und kommt dabei mit weniger Instrumentaleinsatz aus, was den Harmoniefaktor wiederum erhöht. Die Kunst des Weglassens führt auch hier zum Erfolg.

Bei "Rescue me" geben die E-Gitarren und Drums wieder den Ton an und lassen noch einmal ein paar Stones-Riffs erklingen. Hier wird reinen Rock´n´Roll angeboten, der schon mal mit einem fetten Saxophon und einem rotzigen Gitarrensolo garniert wird. Die relativ einfach gestrickte Gesangs-Line lädt zum Mitsingen ein und bringt so die Stimmbänder ins Schwingen, was der restliche Körper schon seit Beginn des Liedes getan haben dürfte, denn auch hier sind nur Gehörlose davor gefeit, dass der Rhythmus direkt von ihrem Körper Besitz ergreift. "God willing" bringt zum wiederholten Male das hohe Harmoniefeeling der Band zum Vorschein und lebt vom komplett gestalteten Background, der alles hat, was der Song braucht, aber nicht so viel, dass der Stimme von Bautovich der Raum ausgeht.

Fazit:

Schön, dass es solche Musiker und solche Musik noch gibt. Schön, dass heutzutage noch so harmonisch und gradlinig Musik gemacht wird, und man muss zu dem Schluss kommen, dass die Forresters wohl die Stars sind, die man aus Australien herausholen und der Welt vorstellen sollte. Dafür hätte man gerne Kübelböck & Co zum Tausch angeboten (doch wer hätte die genommen?).

Anthony Bautovich und seine Kollegen haben uns mit Skindeep ein Album vorgelegt, an dem es wohl nicht zu meckern gibt, denn es enthält flotten Gitarren-Pop, rockt wie die Stones und lässt bei den Balladen träumen. Besonders ins Auge bzw. Ohr fällt dabei, dass keine Musiker durch einen Computer ersetzt wurde und alles offen und original klingt. Die Spielfreude und Präzision der Musiker spricht hierbei für sich.

Traurig mag es stimmen, wenn man bedenkt, dass derart vielseitigen und begabten Musikern eventuell der große Durchbruch vorenthalten bleibt, weil sie keinem Major-Label angeschlossen sind und ihre Musik selbst vermarkten müssen. Aber vielleicht schützt dies auch davor durch die Pop-Mühlen gedreht zu werden und seine musikalische Seele zu verlieren. Dass die Forresters noch im Vollbesitz dieser Seele sind, hat das Album Skindeep gezeigt, das - wie der Name schon sagt - durchaus unter die Haut gehen kann.



Lothar Heising

Trackliste

1Are you ready 3:21
2Fool in love 3:34
3Outtamyhead 3:07
4Tremblin´ 4:58
5Missing you 3:39
6The way you do 4:31
7Wake up 3:41
8Don´t leave me down 5:27
9What you want 3:43
10Skindeep4:44
11Rescue me 4:27
12God willing 5:05
13Skindeep (Fademaster Mix) 4:43

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger