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Reviews

Cavalieri – Malvezzi – Caccini u. a. (Sempé)

Intermedien für “La Pellegrina” (1589)


Info

Musikrichtung: Renaissance Ensemble

VÖ: 01.11.2007

Paradizo / Note 1
2 CD (AD DDD 2007) / Best. Nr. PA0004


Gesamtspielzeit: 69:10

APOTHEOSE DER RENAISSANCE

Es war ein gesellschaftliches und kulturelles Ereignis allerersten Ranges: Die Hochzeit des Medici-Fürsten Großherzog Ferdinand mit der Prinzessin Christine von Lothringen im Jahr 1589. Nicht zuletzt unliebsame Geschichten um den von allerlei Intrigen und innerfamiliären Gewaltverbrechen begleiteten Aufstieg Ferdinands mochten den prunkliebenden Fürsten bewogen haben, aus dem Fest eine Art PR-Maßnahme von europaweiter Ausstrahlung zu machen.
Zu den obligatorischen Programmpunkten des mehrtägigen Festes gehörte die Aufführung einer Komödie, in diesem Fall „La Pellegrina“ von Girolamo Bargagli. Gerahmt wurden die fünf Akte des Stücks von großbesetzten musikalischen Intermedien, eine Tradition, die seit Ende der 1530er Jahren von den Medici in Florenz mit stetig steigendem Aufwand gepflegt wurde.
Mit dem eigentlichen Theaterstück hatten diese „Einlagen“ 1589 wenig zu tun. Stattdessen verhandelten sie programmatisch den Einfluss der Musik auf den Menschen. Das Publikum konnte der Musik der Sphären (1. Intermedium) lauschen oder dem Wettgesang der Musen und Periden (2. Intermedium). Auch die Unterwelt kam auf die Bühne (Nr. 4). Und zum Schluss war man Zeuge der Geburt von Rhythmus und Harmonie (Nr. 6).
Diese inhaltliche Vielfalt bot beste Voraussetzung für eine Vertonung, die alle klingenden Register zog, über die die Spätrenaissance gebot. Ein bis zu 30stimmiger Vokal- und Instrumentalapparat war erforderlich, um die musikalischen Tableaus zum Klingen zu bringen. Zahlreiche Komponisten von Rang, darunter Luca Marenzio, Giulio Caccini, Jacopo Peri und - als Leiter - Emilio de’Cavalieri, wurden verpflichtet, um die üppig ausgezierten Soli, die instrumentalen Sinfonien und die mitunter mehrchörigen Ensembles zu verfertigen.

Insgesamt handelt es sich um eine mehr repräsentative denn bewegende Musik. Aber Schönheit und Abwechslungsreichtum verfehlen auch heute nicht ihre Wirkung auf den Hörer.
Vorausgesetzt, die Interpreten verstehen sich auf die Finessen einer stilgerechten Aufführung. Schon mehrfach wurden die Intermedien für La Pellegrina eingespielt. Aber diese Neuproduktion durch Skip Sempé und seinem Capriccio Stravagante Renaissance Orchestra auf dem eigenen Label Paradizo übertrifft die Vorgänger an Farbenreichtum, Unmittelbarkeit und Ausdruckskraft. Die über 400 Jahre Musik klingt bei Sempés Team so frisch und lebendig, als sei sie erst gestern komponiert worden - eine Apotheose der Renaissance.
Dass es sich angesichts der tadellosen Leistungen und brillanten Aufnahmetechnik um einen Live-Mitschnitt handelt, ist kaum zu glauben. Wäre da nicht diese durchgängige Spannung, die noch bis in die kleinste Sinfonia hinein spürbar ist. Im Vergleich mit der EMI-Aufnahme von Andrew Parrot fällt eine sehr viel pointiertere Umsetzung auf. Während bei Parrot die Musik (auch aufgrund der größeren Besetzung) vor allem monumental und flächig klingt, versteht sich Skip Sempé darauf, die großen mehrchörigen Architekturen von innen her zu beleben und die klangfarblichen Reize zu intensivieren. Der Notensatz glitzert und funkelt. Dadurch wirkt die aufgelockerte Polyphonie viel dramatischer. Griffige Tempo- und Dynamikwechsel sorgen überdies zwischen den einzelnen Nummern für den nötigen Kontrast.
Ausgezeichnet agieren schließlich die Solisten mit vibratoloser Tongebung, aber intensivem Ausdruck. Dass die Geburtsstunde der Oper kurz bevorsteht, ist in dieser herrlichen Einspielung allenthalben hörbar. Das eröffnende Solo des 1. Intermediums erreicht gar die Qualitäten einer Bravourarie. Die musikalischen Mittel für Monteverdis „Orfeo“ (1607) stehen sämtlich bereit.

Besonderheit ist eine zweite CD mit einem umfangreichen Interview Skip Sempés. Zu den an sich schon sehr guten Essays im Beiheft (auch in deutscher Übersetzung) erläutert der Dirigent hier ausführlich die Aufführungspraxis der Renaissance (leider nur auf Französisch und Englisch).



Georg Henkel

Besetzung

Dorothée Leclair, Monika Mauch – Sopran
Pacal Bertin – Altus
Stephan van Dyck, Jean-François Novelli – Tenor
Antoni Fajardo – Bass

Collegium Vocale Gent

Capriccio Stravagante Renaissance Orchestra

Skip Sempé - Ltg., Virginal und Cembalo

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger