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Reviews

Ministry

The last sucker


Info

Musikrichtung: Industrial Metal

VÖ: 21.09.2007

(13th Planet Records/Soulfood)

Gesamtspielzeit: 55:42

Internet:

http://www.ministrymusic.org
http://www.myspace.com/ministrymusic

Hier ist es also nun, das letzte reguläre Studioalbum der Industrial Metal-Pioniere Ministry. Nach über einem Vierteljahrhundert lebhafter Bandgeschichte hat sich Al Jourgenson entschlossen sein Baby mit einem finalen Paukenschlag in die ewigen Jagdgründe zu schicken um sich anschließend anderen Projekten, sowie seinem Label 13th Planet Records zu widmen. Das mag man angesichts des erneuten Aufbäumens des Bandchefs und der letzten hervorragenden Alben aus dem Hause Ministry vielleicht etwas schade finden, aber lieber ein Abschied nach Maß zur richtigen Zeit, als ein jahrelanges kreatives Dahindümpeln. Beispiele für Letzteres gibt es in der Altersklasse von Al(iens) Jourgenson ja zur Genüge.

Denn wenn man eines von The last sucker nicht behaupten kann, ist dass es wie ein schwaches Alterswerk klingt. Sondern es stellt einen weiteren heftigen Tritt in den Allerwertesten des aktuell regierenden Präsidenten der US of A dar. Denn wie auch bei seinen beiden Vorgängern House of the Molé und Rio Grande Blood stehen bei The last sucker abermals George W. Bush und seine Genossen textlich im Mittelpunkt des Geschehens. Doch wenn der neueste Ministry-Streich lyrisch auch aus dem selben Holz geschnitzt ist, hat man spürbar den eigenen Sound ein wenig modifiziert und nicht nur einfach einen weiteren Hassbatzen im D-Zug-Tempo eingespielt.

The last sucker klingt metallischer als all seine Vorgänger und käme der rhythmische Unterbau nicht vom überall gegenwärtigen Drumcomputer, könnte man glatt von einem typischen (Thrash) Metalalbum sprechen. Denn die früher so oft typischen elektronischen Spielereien sind noch weiter in den Hintergrund gerückt, auch die zahlreichen Stimmensamples sind nicht mehr so überstrapaziert anzutreffen, sondern wurden noch zielgerichteter integriert. Donnernde und recht fett aus den Boxen dröhnende Gitarren- und Bassriffs bestimmen eindeutig das Bild. Die einzelnen Titel wirken songorientierter, straffer, pflügen oft ziemlich groovig durchs Gelände und besitzen eine tonnenschwere Heavyness. Hier hat Al Jourgenson wohl seinen Mitstreitern soviel Freiraum in Sachen Songwriting wie noch nie seit dem Ausscheiden seines Kollegen Paul Barker gelassen. Ein Blick auf die Credits (alle Songs entstanden als Koproduktion) bestätigt diesen Eindruck.

Dadurch sind Stücke wie der „Kopfüber in den Weltuntergang“-Song „Let’s go“, das mit orientalischem Hintergrundsample versehende Groovemonster „Life is good“, die alles vernichtende Abrissbirne „No glory“ oder das passende betitelte „Death & destruction“ zustande gekommen. Mit der alten Doors-Nummer „Roadhouse blues“ vergriff man sich mal wieder an einer Fremdkomposition und drehte diese durch den Ministry-Wolf. Die Morrisonsche Laszivität musste hier der Jourgenschen Raserei mit 200 bpm weichen und macht es so zu einer ziemlich gefährlichen Nummer zum Autofahren. Etwas Farbe ins Spiel bringt das punkige „Die in a crash“ (sucht man im Duden nach dem Wort Hitpotential findet man diesen Titel sicherlich als Definition), bei dem der Fear Factory-Fronter Burton C. Bell einen ersten unüberhörbaren Gastauftritt hat. Einen weiteren hat dieser beim viertelstündigen Epos „End of days“, dessen erster Teil gewohnt kracht, während Teil zwei durch die zurückhaltenden, gesprochenen Vocals und die melodischen Gitarren fast versöhnlich und äußerst atmosphärisch klingt. Der Song und somit das Album enden mit einem Auszug der Abschiedrede des ehemaligen republikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower.

Ein sehr passendes und schon fast melancholisch stimmendes Ende eines sehr starken Albums ohne einen einzigen Ausfall. Hiermit kann sich Al Jourgenson ganz beruhigt selbst in die Rente schicken, ohne sein eigenes Erbe beschmutzt zu haben. Bei Altfans wird das neue etwas weniger freakige Soundbild anfangs vielleicht ein wenig anecken, aber man muss Ministry bescheinigen sich auf angenehme Weise aus der kreativen Ecke befreit zu haben, in der man sich zuletzt ein wenig zu sehr einfahren hatte. Mann sollte man diese CD so schnell wie möglich verhaften und in seine Sammlung einreihen, nicht nur weil es die letzte einer langen Reihe ist. Könnte bald zum Klassiker werden!


Ein Interview mit Ministry zum Album ist hier zu finden.



Mario Karl

Trackliste

1Let’s go4:52
2Watch yourself5:28
3Life is good4:15
4The dick song5:50
5The last sucker5:59
6No glory3:41
7Death & destruction3:31
8Roadhouse blues4:26
9Die in a crash4:03
10End of days, Pt 13:22
11End of days, Pt. 210:24

Besetzung

Al Jourgensen: Stimme, Programming, versch. Instrumente
Tommy Victor: Gitarre
Paul Raven: Bass
Sin Qurin: Gitarre
John Bechdel: Keyboards
Burton C. Bell: Gesang, Tracks 10 - 12

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger