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Reviews

Dream Theater

Systematic Chaos


Info

Musikrichtung: Prog Metal

VÖ: 01.06.2007

(Roadrunner / Warner)

Gesamtspielzeit: 78:46

Internet:

http://www.dreamtheater.net

Ich hatte nicht mehr damit gerechnet - aber sie haben es tatsächlich geschafft. 20 Jahre nach Bandgründung haben Dream Theater ein Album vorgelegt, dem es nahezu gelingt, mit den beiden Überalben Images and Words und Awake gleich zu ziehen. Chapeau!!

Warum ist Systematic Chaos so eindeutig besser als die Alben der letzten zwölf Jahre? Es liegt nicht an den instrumentalen Finessen, den kompositorischen Einfällen, dem gefühlvollen Spiel und der Tatsache, dass sich einige echte Ohrwurm-Hits auf diesem Album befinden. Das gab es auch auf den Vorgängern, wenngleich ich meine, dass Systematic Chaos auch hier noch einmal zulegen kann.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Frische, mit der die New Yorker nach Abfeiern ihres 20. Jubiläums zu Werke gehen. Da wirkt nichts kalkuliert, nichts berechnend. Nie hat man den Eindruck, hier kopiert sich eine Band selber; ein Eindruck, der in der Vergangenheit fast durchgehend im Raum stand.
Vielleicht hat die Tour de Force durch die Bandgeschichte bei der Jubiläumstour ihre Spuren hinterlassen und die Wurzeln bei Labrie & Co wieder lebendig werden lassen. Wie viel Spaß ihnen das Abspielen der alten Tracks gemacht hat, konnte man ja bereits auf Score sehen.

Es ist fast beleidigend, wenn man bei diesem Album einzelne Tracks heraushebt. Denn hier ist nichts Ausschuß, nichts Füllung. Und wenn „Prophets of War“ vielleicht erst einmal die unauffälligste Nummer ist, wächst die machtvolle melodische Midtempo-Nummer bei jedem Durchlauf. Sie setzt wohl auf dem ganzen Album am wenigsten auf die virtuosen Fähigkeiten der Musiker, sondern lebt von der atmosphärischen Dichte der Komposition.

Aushängeschilder für mich sind „Constant Motion“ und vor allem „The dark eternal Night“, die auf Systematic Chaos die Rolle von Stücken wie „Pull me under“ und „6:00“ übernehmen. Als ich „Constant Motion“ das erste Mal auf dem Rock Hard-Sampler gehört habe, musste ich überrascht nach der CD-Hülle greifen. Es gibt doch gar keine neue Metallica-CD. Warum ist dann ein Metallica-Stück auf dem Sampler? Aber es waren eben nicht die Bay Area Thrasher, sondern die New Yorker Prog-Könige mit einem der härtesten thrashigsten Stücke seit langem, das von Labries charismatischen Gesang dann aber zur echten Prog-Hymne geadelt wird.
„The dark eternal Night“ nimmt schon mit dem kraftvollen, fast Hardcore-artigem Gesang und dem Mitsing- (nicht -gröhl!!) Refrain für sich ein. Was dann aber nach dreieinhalb Minuten geschieht, das sprengt alle Vorstellungen. Es beginnt ein gut dreiminütiger Soloteil, der selbst für Dream Theater fast ohne Beispiel ist. Wild, mit Dutzenden von Breaks und Neueinsätzen wird hier über Tasten und Saiten getobt! Grandios! Und auch wenn das die Kollegen unverdient in den Schatten stellt, sind hier vor allem die Kabinettstückchen von Jordan Rudess zu erwähnen, der uns mit Begeisterung zeigt, was für Klänge und Sounds man aus seinen Wunderkisten herausholen kann - wenn man es kann.
Und als ob das Stück nicht schon grandios genug wäre, wird zum Ausklang noch mal eben ein weiterer, dieses Mal wesentlich schleppenderer, Soloteil angehängt.

Die Tradition erfolgreicher Balladen wird dieses Mal insbesondere von der ersten Hälfte des Longtracks „The Ministry of lost Souls“ aufgegriffen. Nach siebeneinhalb Minuten legen Portnoy, Rudess und Petrucci aber auch hier wieder los. Petrucci setzt sich hier die Emotionen so gekonnt in Szene, dass am Ende eine Hymne von religiös erhebender Qualität entsteht, die mich - obwohl sie stilistisch damit nicht das Geringste zu tun hat - an die besten Paul Gerhardt-Lieder erinnert.

Kurz erwähnt werden muss noch das ruhige, streckenweise fast sphärische „Repentance“, dessen Gitarre an David Gilmour erinnert, sowie „In the Presence of Enemies - Part II“, das im zweiten Absatz mächtig an Savatage denken lässt.

Genug geschwätzt. Die Krone bleibt in New York!



Norbert von Fransecky

Trackliste

1In the Presence of Enemies - Part I 9:00
2Forsaken 5:35
3Constant Motion 6:55
4The dark eternal Night 8:53
5Repentance10:43
6Prophets of War 6:00
7The Ministry of lost Souls14:57
8In the Presence of Enemies - Part II16:38

Besetzung

John Myung (B)
Mike Portnoy (Dr, Perc, Voc)
John Petrucci (Git, Voc)
James LaBrie (Voc)
Jordan Rudess (Keys)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger