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Reviews

Acapulco Gold

Rock in einer Sprache die jeder versteht


Info

Musikrichtung: Deutsch Rock

VÖ: 03.10.2005 (1980)

(Floh Dur / Mix United GmbH)

Gesamtspielzeit: 34:58

Internet:

http://www.acapulco-gold.de

Acapulco Gold haben es nie zu großem Starruhm gebracht, waren aber durchaus in der Lage, in der einen oder anderen Hitparade mehr als nur Höflichkeitsapplaus einzufahren und sind zumindest punktuell bis heute nicht vergessen. Die Gründe für beides sind bereits auf dem Debüt Rock in einer Sprache die jeder versteht, das seit einigen Monaten als CD wieder erhältlich ist, zu erkennen.

Das Quintett um Marcus Neu ist in der Lage in den Bereichen Songwriter, Blues Rock und Biker Rock variationsreich aufzutreten. Textlich zeigt man gelegentlich vorsichtige Gesellschaftskritik ohne zu Politrockern zu werden. In anderen Stücken wird skurriler Humor gepflegt. Das ist durchaus das Holz, aus dem in diesen Jahren Rockhelden geschnitzt wurden. Man denke an das BAP-Spektrum von der “Kristallnach“ bis zum “Müsli Män“.

In beiden Fällen, Text und Musik, fehlt Acapulco Gold jedoch erkennbar das gewisse Etwas, das aus der Begleitband des Wolfgang Niedecken die Rock-Institution BAP, oder aus einem Marius Müller-Westernhagen die Kultfigur Theo/ Marius gemacht hat.

“Ich törn lieber an“ wird auf der Acapulco Gold Homepage als Kultsong verkauft, der damals zum „Identifikationssong einer breiten Masse“ geworden sei. Vielleicht etwas laut gepfiffen, aber Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Zu feinem dreckigen Biker Rock distanziert man sich schön alternativ - so musste das Ende der 70er sein - von einer Gesellschaft, in der nur der etwas gilt, der Kohle hat. In ähnliche Richtung gehen der flotte Mutmach-Song “Drück dich aus“ oder der raue Mod-Titel “Das geht nicht“, der gegen einengende Erziehung rebelliert.

Die, wie ich finde, besonders interessante Seite Acapulco Golds findet sich bei drei skurrilen Songs, die eher selten Themen aufgreifen. In die Ursprünge des Menschen, bzw. gar der Erde, steigen “Samen“ und “Kieselstein“. Während ersterer zu ruhigen Blues-Tönen die Heldentaten eines männlichen Samen schildert, ist “Kieselstein“, der Rock(!)-Song im eigentlichen Sinne. Denn hier wird geschildert, wie ein felsiges (Rock!) Gebirge sich unter Zuhilfenahme des irdischen Vulkanismus langsam auflöst, bis erst zwei Kieselstein gemeinsam und dann alleine durch die Ströme davongetragen werden. Musikalisch erinnert mich das Stück an Kiev Stingl, einen ebenfalls ziemlich vergessenen Rock-Poeten der frühen 80er.
Skurril-Song Nummer 3 heißt “Freddie“. Freddie ist eine Katze. Hier gibt es in der Geschichte der deutschen Rockmusik vielleicht Vergleichbares: den “Laubfrosch Blues“ von Bauer Garn & Dyke oder Achim Reichels “Rätselhafte Freundin“.

Weitere Akzente werden durch den puren Rock’n’Roll von “Einfach aufdrehn“ oder das von griechisch intonierten Mandolinen und Maultrommel begleitete “Dann dann Du“ gesetzt. Dass es auch einige Durchhänger gibt, versteht sich nach meinen einleitenden Worten von selbst. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Freunde traditioneller Rock Musik in deutscher Sprache hier ein kleines Schatzkistchen heben können.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Ich törn lieber an 3:01
2Samen 2:36
3Freddie 3:54
4Einfach aufdrehn 3:48
5Drück dich aus 3:16
6Dann dann Du 4:36
7Kieselstein 3:46
8Das geht nicht 1:50
9Laubfrosch 4:08
10Oben unten 3:10
11Ich törn lieber an II 1:00

Besetzung

Marcus Neu (Voc, Git)
Kai Waindinger (E-Git, Mandoline, Maultrommel)
Erwin Jomada (E-Git)
Pix Nepix (B, Mandoline, Geige, Ak. Git)
Michael Weber (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger