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Reviews

Loud + Clear

Demo


Info

Musikrichtung: Rock

VÖ:

(Eigenproduktion)

Gesamtspielzeit: 43:01

Live sind sie besser - keine Frage. Ich sage das gleich zu Beginn, weil vielleicht der eine oder andere noch meinen recht euphorischen Konzertbericht im Kirchentags-Special der letzten Ausgabe im Hinterkopf hat. (Dort findet ihr auch ein paar Infos zur Band als solcher.) Dennoch, auch in der Studio-Version sind Loud + clear eine erfreuliche Ausnahme in der (christlichen) Musiklandschaft.

Verwurzelt in der Tradition ehrlicher handgemachter Rockmusik der prae-Synthie-Aera hätten die überwiegend deutschsprachigen Loud + clear ihren Platz in der Hochzeit der Deutschrock-Bands Ende der 70er/ Anfang der 80er gut gefunden. Dabei geht ihnen selbst in den ruppigsten Stücken - wie der wütenden Abrechung mit sozialer Kälte und Armut in "Nazareth, Bahnhof" - der rotz'n'rollige Asi-Charme eines frühen Marius Müller-Westerhagen ab. Mit ihren nicht seltenen Einschlägen ins Poppige oder die Liedermachersparte schlagen Loud + clear somit irgendwo im stilistischen Dreieck zwischen BAP, Rio Reiser und Heinz Rudolf Kunze auf.

Die christliche (katholische) Identität spricht bei Loud + clear aus jedem Stück. Missionarische Werbetexte sucht man aber glücklicherweise vergeblich. Die Mönchengladbacher reflektieren ihre Erfahrung, die sie im Laufe einer recht selbstverständlich gelebten christlichen Existenz gemacht haben. Und wie auch bei anderen Menschen überwiegen dabei die kritischen Töne. "Nazareth Bahnhof" (übrigens mit einem sehr schönen Orgelpart im Zentrum) wurde schon erwähnt. Hier wird mit den Taufschein-Christen ins Gericht gegangen, die keinen Blick für den Bedürftigen haben, der neben ihnen lebt. "Foto seiner Frau" beschäftigt sich mit der Erfahrung, dass man genau weiß: Viele Jugendliche, die sich konfirmieren oder firmen lassen, sind am Tage ihrer Einsegnung zum letzten Mal in der Kirche zu sehen - kirchliche Realität, die von jemanden, der sich mit dieser Institution identifiziert, verarbeitet werden muss. Dass Kirche auch andere Erfahrungen bietet, zeigt "Giorgia" - Bilder einer Jugendfreizeit, die auch nicht immer ohne Sprengung kritischer Promillegrenzen vorüber gehen.

Drei Cover-Versionen finden wir auf dem Demo. "Vater und Tochter" ist eine Adaption von Cat Stevens' "Father and Son" - inhaltlich gar nicht so fern von BAPs "Verdamp lang her". "Irgendwo da oben" ist ein mit neuer Musik unterlegter Purple Schulz-Song. (Der als Songschreiber häufig unterschätzt wird. Vor allem in seiner Frühzeit, als er noch unter dem Namen "Neue Heimat" firmierte, hat er einige der beeindruckendsten Texte im Grenzbereich von Deutschrock und NDW fabriziert.)

Fragwürdig und faszinierend zugleich ist "An jedem neuen Tage". Der Text stammt von Dietrich Bonheffer. Es ist wohl der berühmteste Text, den der von den Nazis hingerichtete Berliner Pfarrer je geschrieben hat. Aus dem SS-Gefängnis schrieb er kurz vor seiner Hinrichtung "Von guten Mächten wunderbar geborgen" an seine Familie in Berlin. Bandleader Bettin gefielen die verschiedenen musikalischen Verarbeitungen dieses Textes nicht. "Zu süßlich," so sein Urteil. Seine interessante Variante: Er unterlegt den Text mit der Melodie von "A whiter Shade of Pale" von Procol Harum.

Das Demo ist für 5 Euro (icl. Porto) direkt beim Sänger der Band zu beziehen.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1John Wayne, Ri 164:16
2Giorgia, Spr 23, 29-343:55
3Sorrento Bay, Ps 1044:09
4Nazareth, Bahnhof, Lk 2, 6-105:43
5Vater und Tochter, Lk 15, 11-133:19
6Das Foto seiner Frau, Joh 11, 28-374:07
7Frag mich nicht, Joh 21, 15-195:23
8An jedem neuen Tage, Offb 21, 1-67:08
9Irgendwo da oben, Joh 14, 1-45:01

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger