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Reviews

Kai Winding

Modern Country + The Lonely One


Info

Musikrichtung: Unterhaltungsmusik

VÖ: 26.01.2017('63/'64)

Jackpot Records (Verve)

Gesamtspielzeit: 60:21

Internet:

http://www.in-akustik.de/

Kai Winding, der amerikanische Jazzposaunist, geboren am 18.Mai 1922 in Dänemark, starb am 6.Mai 1983 in New York. Bereits seit 1934 lebte er in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sechs Jahre später begann er, sich dort musikalisch zu etablieren, unter anderem verdiente er sich seine Sporen bei Benny Goodman und Stan Kenton, an den berühmten Aufnahmen von Miles Davis zu “Birth Of The Cool“ war er ebenfalls beteiligt. Nach vielen weiteren rein im Jazz verwurzelten musikalischen Jahren war es seit etwa 1962, dass er mehr jazzorientierte Popmusik einspielte, und so kennt man ihn auch meistens, als Leiter einer Band, die Unterhaltungsmusik spielte. Und genauso finden wir ihn auf den beiden Platten, die auf dieser Kompilation zusammengefasst sind.

Hier sind zwei komplette Alben enthalten, Modern Country (Verve V6-8602), aus 1964, und The Lonely One (Verve V6-8556), aus 1963. Auf dem ersten Album sind bekannte Songs aus dem Genre der Countrymusik versammelt, eingespielt mit dem Grady Martin Orchestra und The Nashville A-Team, bekannten Session-Musiker aus Nashville, das zweite entstand in der Zusammenarbeit mit Claus Ogerman. Als Bonus gibt es das nicht auf der Original-LP Modern Country enthaltene Stück “Dear Heart“, während der gleichen Session entstanden.

Die LP mit den Country-Songs ist harter Tobak für Jazz-Fans, denn außer dem meist swingenden Gerüst ist hier wenig Jazz in herkömmlicher Gestalt zu vernehmen. Ja, das ist halt Unterhaltungsmusik, wie sie in den Sechzigern oft im Radio gespielt wurde, Sonntagnachmittag zum Tanztee oder morgens bei „Von Hamburg nach Haiti“. Aber auch Country-Fans dürften damit Schwierigkeiten haben, wenngleich auch einige der beliebten Musiker des Genres anwesend waren. Mitunter treibt eine Gitarre mit dem gewissen Twang zwar in jene Richtung, aber die orchestralen Arrangements sprechen eine andere Sprache, und wenn dann noch, zeitgemäß, Damenchöre nett dazwischen säuseln, dann gewinnt das aus heutiger Sicht schon eine gewisse Art von Skurrilität, und erst recht, wenn den Damen plötzlich die psychedelische Fuzz-Gitarre folgt, sehr lustig ist das ja irgendwie, aber, wie es auch sei, letztlich auch unterhaltend, man kann das gut nebenbei hören. Ein Freund von mir hatte mir einst zwei nette Kassetten zusammengestellt mit dem netten Titel „Musik zum Staubsaugen“, Kai Winding hätte mit dieser Platte auch gut auf die spezielle Kollektion gepasst.

Ein wenig anders klingt The Lonely One, im Übrigen seinerzeit auch unter dem Titel “Kai Winding“ veröffentlicht, war es das Nachfolgealbum zu “More!!!: The Theme from Mondo Cane“, dem Album, mit dem Winding seinen Mod-Sound etablieren konnte. Yeah, das war hip, das war in, so etwas liebten die Leute. Bevor sich der Erfolg ein Jahr später mit “Mondo Cane, No. 2“ fortsetzte, erschien erst einmal The Lonely One. Auch hier spricht die Instrumentierung zwar für Jazz, doch die so gar nicht swingende Musik wurde auch durch ein meist eher rockendes strikt auf den Punkt agierendes Schlagzeug am Boden gehalten. Das war schon eher dieser berühmte Groove, der zu halsbrecherischen und sehr lustigen mit Verrenkungen begleiteten Tanzschritten führte. Auch hier also wieder hochwertig arrangierte Tanzmusik, obwohl die beiden “Mondo Cane“-Ausgaben besser waren. „Kenner“ werden übrigens mit dem Track 23 (“Burning Sands“) erkannt haben, dass es sich hier um das von Feltz/Scharfenberger komponierte „Heißer Sand“ handelt. Die 24 Bit digital remasterte Musik wird mit einem umfangreichen 16 seitigen Booklet abgerundet mit vielen Information zu den Platten.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 I Really Don’t Want To Know
2 Busted
3 Wolverton Mountain
4 Bye Bye, Love
5 Cool Water
6 Wildwood Flower
7 Detroit City
8 I Walk The Line
9 Oh, Lonesome Me
10 Slippin’ Around
11 Gotta Travel On
12 Dang Me
13 Dear Heart
14 Get Lost
15 Only In America
16 Hey, Girl
17 The Lonely One
18 Theme From “Mr. Novak”
19 Washington Square
20 The Ice Cream Man
21 Mockingbird
22 China Surf
23 Burning Sands
24 Far Out East
25 Oltre L’amor

Besetzung

# 1-13:
Kai Winding (trombone, arranger, on all tracks)
Gene Mullins, Bill Watrous (trombones)
Harold Bradley, Ray Edenton, Grady Martin, Wayne Moss (guitars)
Joe Zintan (bass)
Murrey Harman, Doug Kirkbom (drums)
The Anita Kerr Singers (vocals)
Orchestra conducted by Grady Martin
Bill McElhiney (arranger)

#14-25:
Gary Sherman (organ)
Claus Ogerman (arranger, conductor)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger