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Reviews

Uriah Heep

The Magician's Birthday


Info

Musikrichtung: Melodic Prog / Hard Rock

VÖ: 31.03.2017 (1972)

(Sanctuary / BMG)

Gesamtspielzeit: 106:02

Internet:

http://www.uriah-heep.com

The Magician's Birthday gilt oft als der zweite Aufguss des Vorgängers Demons and Wizards, mit dem Uriah Heep den großen Durchbruch hatten. Und die Parallelen der beiden Alben sind wirklich gewaltig. Das fängt bei den jeweils von Roger Dean gestalteten Artworks an, setzt sich über dieselbe Besetzung fort und endet beim gleichen Erscheinungsjahr.

Letzteres markiert eines der Probleme bei der Entstehung des fünften Heep-Albums. Manager Gerry Bron machte mächtig Dampf dem Kassenschlager Demons and Wizards einen Nachfolger hinterher zu schicken. So stand die Band bereits wieder im Studio, während die Touren zu Demons and Wizards noch liefen. Die Stimmung war also wesentlich weniger entspannt und konfliktfrei, wie bei dem Vorgänger. Möglicherweise war sogar das der Grund, dass Drogen eine immer größere Rolle spielten.

Ken Hensley bekennt im Booklet, dass er damals begonnen hat verstärkt Kokain zu nehmen. Auf einer Tour mit Three Dog Night war er 1971 dazu eingeladen und so zum ersten Mal damit in Berührung gekommen. „Ich konnte es mir damals nicht leisten.“. Das war nun anders. Sachen, die er im Drogenrausch geschrieben und für epische Meisterwerke gehalten hatte, stellten sich bei klarem Kopf als totaler Müll heraus. Fester im Griff hatten die Drogen den Bassisten Gary Thain. Gemerkt habe man das aber nicht, sagt Mick Box und erinnert daran, dass die Erfahrungen mit Drogen und ihren Auswirkungen damals auch noch wesentlich geringer waren als heute. Es hätte auch kaum Einrichtungen zum Entzug gegeben, die Thain in einer Tour-Pause hätte aufsuchen können.

Ken Hensleys Urteil über das in dieser schwierigen Situation entstandene Album ist hart. „Zusammen gewürfelt, wie eine billige Imitation von `Demons and Wizards´,“, weil außer zwei Stücken nichts wirklich zu Ende ausgearbeitet worden sei.

Ich halte das Urteil für viel zu hart. Aber vielleicht hat Hensley noch Ideen im Kopf, die er nicht umsetzen konnte, und die ihm nun fehlen. Richtig ist: So spartanisch arrangierte Stücke wie „Sunrise“, „Tales“ oder „Blind Eye“ gab es bislang nicht. Oft kann sich hier David Byron besonders in Szene setzen. „Blind Eye“ ist ein tolles Beispiel dafür. Die akustische Gitarre macht erstaunlich Power, lässt Byron aber den größten Raum der Bühne, die der mit einem fast schön mystischen Gesang füllt. Ein Stück – nebenbei gesagt – an dem der aktuellen Sänger Bernie Shaw wahrscheinlich grandios scheitern würde.

Daneben gibt es knackigen Hard Rock mit „Spider Woman“ und „Sweet Lorraine“, die Gänsehautballade „Rain“ und natürlich vor allem den grandiosen Longtrack „The Magician's Birthday“, der mit seinen sehr unterschiedlichen Parts die Basis für mehrere Singleauskopplungen bieten würde.

Wie jedes der Alben in dieser Edition erscheint auch hier das remasterte Original im Digi-Pack mit ausführlichen aktuellen Kommentaren von Mick Box und Ken Hensley und in Begleitung einer Bonus-CD, die sämtliche Album-Stücke in alternativen Versionen erklingen lässt.

Zwei der Album Tracks kommen zudem in alternativen Single-Versionen und unter dem Titel „Happy Birthday“ erscheint ein Teil des Titelsongs als eigenständiger Titel.

Darüber hinaus gibt es mit „Silver white Man“ ein Stück, das später auf dem ersten Solo-Album von David Byron erschienen sollte, in einer Vocal- und einer Instrumental-Version. Zwei Versionen der Gary Thain-Komposition „Crystal Ball“ vervollständigen die Bonus-CD.

Die Alternativ-Versionen lohnen die Anschaffung eher nicht. Sie sind den Originalen sehr ähnlich. „Blind Eye“ und „Rain“ sind schlicht und ergreifend deutlich länger. Musikalische Veränderungen gibt es zwei Mal. Negativ wirken sich in der deutlich verkürzten Version von „Echoes on the Dark“ die unangenehm klopfenden Drums aus. Während die psychedelisch spacig wabernden Mix-Experimente „Blind Eye“ am Anfang und Ende ein interessantes neues Gesicht geben.

Byrons „Silver white Man“ gibt sich hier als schwächlicher Pop-Rock, dem die Version auf seinem Debütalbum deutlich vorzuziehen ist. Gary Thain liefert den wesentlich knackigeren Rocker. Die erste, einfach nur „Crystal Ball“ genannte Version hat eher Demo-Qualität, während die unter „Gary’s Song - Crystal Ball“ reisende Version gut auf die Byron(!)-Solo-Alben gepasst hätte.



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1: Remaster 2017
1 Sunrise (4:04)
2 Spider Woman (2:25)
3 Blind Eye (3:33)
4 Echoes in the Dark (4:48)
5 Rain (3:59)
6 Sweet Lorraine (4:13)
7 Tales (4:09)
8 The Magician's Birthday (10:23)

CD 2: An alternative The Magician's Birthday
1 Echoes in the Dark (3:13)
2 Sweet Lorraine (4:57)
3 Blind Eye (5:10)
4 Tales (4:04)
5 Silver white Man (4:10)
6 Sunrise (4:27)
7 Crystal Ball (4:10)
8 Spider Woman (2:40)
9 The Magician's Birthday (10:53)
10 Rain (4:42)
11 Silver white Man (No Vox) (3:44)
12 Happy Birthday (4:44)
13 Sunrise (Single Version) (3:39)
14 Sweet Lorraine (Single Version) (3:40)
15 Gary's Song - Crystal Ball (4:25)

Besetzung

David Byron (Lead Voc)
Ken Hensley (Keys, Git, Voc)
Mick Box (Git)
Lee Kerslake (Dr)
Gary Thain (B)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger