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Reviews

Tim Davies Big Band

The Expensive Train Set


Info

Musikrichtung: Big Band Jazz

VÖ: 07.04.2017

(Origin Records)

Gesamtspielzeit: 66:08

Internet:

http://www.timdaviesbigband.com/
http://originarts.com/

Quantität muss nicht immer mit Qualität in Einheit stehen. Doch bei der Tim Davies Big Band passt es uneingeschränkt. Big Bands wirken heutzutage ja schon fast wie Zeugen aus einer anderen Zeit, wie Dinosaurier, Fossilien oder ähnlich. Doch es gibt sie noch immer. Und diese des australischen Schlagzeugers Tim Davies ist grandios! Der Grammy-nominierte Musiker, Arrangeur und Komponist wollte bereits im zarten Alter von Zwölf gern eine Big Band leiten, doch musste er damit bis 1998 warten, als er in Melbourne seine erste Band gründete.
Seit dem Jahre 2000 arbeitet er mit Musikern in Los Angeles und hat auch Platten veröffentlicht.

Seine Arrangements sind sehr ungewöhnlich und nicht zwingend vergleichbar mit den Big Bands von Kollegen. Als Schlagzeuger mag er auch einen anderen Blickwinkel haben, und so wird natürlich viel Wert auf rhythmische Ausgestaltung gelegt. Neben typischen klassischen Elementen des Genres finden viele Einflüsse anderer Stile mühelos Einzug in das Gesamtkonzept, sei es aus Rock oder auch aus der Klassik.

Das aktuelle Album, The Expensive Train Set, weist zwei Besonderheiten auf. Einmal bediente sich der Drummer zwei verschiedener Ensembles, und zwar spielt er mit jeweils seiner australischen und seiner amerikanischen Version, aufgenommen in Melbourne und Los Angeles. Das zweite hoch interessante Experiment besteht darin, dass auf dem vierten Track, dem Titelstück der Platte, beide Formationen gleichzeitig beteiligt sind, eine große Herausforderung für den Arrangeur Davies.Und auch das ist brillant gelungen, mühelos spielen so zwei komplette Big Band mit- und nicht gegeneinander. Und es ist eine wahre Pracht und daraus resultierende Freude, zuzuhören, man kann gar nicht genug Ohren haben, um dieser Fülle an Ideen und Informationen zu lauschen, die sich aus dieser Kombination ergeben.

Ungewöhnliche Arrangements für Big Bands kenne ich von Gil Evans und von Sun Ra, und mit Davies hätte ich einen persönlichen Dritten im Bunde.
Nicht nur, dass solche Kompositionen arrangiert und auch spielerisch umgesetzt werden müssen, und sich daraus auch Grenzen ergeben könnten, d.h., dass die Musik sehr akademisch klingt, steht dem Ergebnis entgegen, denn hier fließen reichlich Emotionen und große Leidenschaft, alles läuft sehr flexibel, spontan erscheinend (im relativen Sinne natürlich) und mit kraftvollen Soli Einzelner. Es ist fantastisch, wie einzelne Instrumentengruppen benutzt werden, um kurze Stimmungseinwürfe zu erzeugen, es kann dann klingen wie eine kleine Windbrise und auch wie ein brausender Sturm. Alles ist so wunderbar miteinander verschachtelt, man kann durchaus von einem Kunstwerk sprechen.
Die beiden Fremdkompositionen reihen sich problemlos ein, dabei entfacht man mit “Sing Sing Sing“ ein wahres Feuer. “Let Sleeping Questions Lie“ ist die einzige Gesangsnummer, Raya Yarbrough singt mit viel Gefühl ihre eigene Komposition.



Wolfgang Giese

Trackliste

1 Conceivilization (7:18)
2 Sarahbande (7:34)
3 Minor Incidents (7:06)
4 The Expensive Trainset (An Epic Sarahnade) (9:59)
5 Sing Sing Sing (The T­Mix) (6:09)
6 Let Sleeping Questions Lie (5:49)
7 Circadian Rhythms (8:00)
8 Jazz Vespas (7:39)
9 Goon Juice (6:23)
(All music composed & arranged by Tim Davies, except #5 composed by Louis Prima, #6 composed by Raya Yarbrough

Besetzung

#1, 3, 4, 6, 9 (Los Angeles):

Jon Papenbrook, Rich Hofmann, Walt Simonsen, Ken Bausano, Brian Owen (trumpets)
Alex Budman, Ann Patterson, Mike Nelson, Lee Secard, Ken Fisher (saxophones)
Jacques Voyemant, Kerry Loeschen, Martha Catlin, Steve Hughes (trombones)
Mark Cally (guitar)
Alan Steinberger (keyboards, piano)
Ken Wild (bass)
Tim Davies (drums)
Raya Yarbrough (vocals - #6)

#2, 4, 5, 7, 8 (Melbourne):

Greg Spence, Michael Fraser, Eugene Ball, Paul Williamson, Thomas Jovanovic (trumpets)
Greg Clarkson, Andrew O'Connell, Stuart Byrne (saxophone), Tony Hicks (saxophones, clarinet), Tim Wilson (saxophones, flute)
Dave Palmer, Jordan Murray, Daryl McKenzie, Matt Amy (trombones)
Jack Pantazis (guitar)
Marty Hicks (keyboards, organ)
Kim May (bass)
Tim Davies (drums)

Additional musicians:

Jim Honeyman (saxophone)
Bram Glik (saxophone)
Bobby Burns Jr., James Blackwell, Javier Gonzalez (trumpets)
Nicholas Daley, Jeremy Levy, Juliane Gralle (trombones)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger