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Reviews

The Neal Morse Band

The Similitude of a Dream


Info

Musikrichtung: Progressive Rock

VÖ: 11.11.2016

(Radiant / Metal Blade)

Gesamtspielzeit: 106:37

Internet:

http://www.nealmorseband.com

The Similitude of a Dream beackert genau das Thema, das Neal Morse mindestens seit seiner Trennung von Spocks’s Beard umtreibt. Immer wieder geht es um den Weg des Menschen zu Gott und um die Verführungsmacht der ihn umgebenden Welt, die - mehr oder weniger aktiv – dafür sorgt, dass der Suchende seinem Weg untreu wird. The Similitude of a Dream spielt diesen Lebenskampf an einer typologischen Figur durch und ähnelt damit eher dem Morse-Solo-Zweitling One, als dem Debüt Testimony, auf dem er deutlich autobiographisch seinen eigenen Weg nachgezeichnet hatte.

Das Doppelalbum startet mit deutlich biblischem Bezug. Die ersten zehn Minuten zeigen einen Menschen, der wie Abraham zum Aufbruch gerufen wird und diesem Ruf auch gehorcht. Das heftig, fast martialisch stampfende „City of Destruction“ führt dann das dualistische Weltbild ein, das seine Wurzeln eher in der frommen US-Szene, als in der Bibel hat. Die verderbte Welt lockt – in „Make no Sense“ dann auch in Gestalt der Freunde, die in dem Aufbruch des Protagonisten keinen Sinn erkennen können.

Der Weg ist kein Zuckerschlecken. Die Erfahrung hat schon das Volk Israel auf dem Weg durch die Wüste gemacht, und in „Back to the City“ erklingt dann auch bald der „vernünftige“ Ruf, doch besser an die „Fleischtöpfe Ägyptens“ zurückzukehren, statt hier ins Ungewisse zu laufen. Immer wieder schwankt der Suchende zwischen dieser Option und der Hoffnung auf ein Licht am Ende des Tunnels.

Hoch moralisch wird es, wenn Morse deutlich macht, dass der Aufbruch noch nicht vollständig ist. Die innere Läuterung ist noch nicht wirklich am Ziel. Der Mensch hängt noch zu sehr am Diesseits, ist „Slave to the Mind“, will lieber den vermeintlich leichten Weg gehen. Selbst das happy End am Ende ist nicht ungetrübt. Neal Morse gesteht zu, dass er auch selber nicht so recht weiß, was die Härte dieses Weg soll, ist aber froh, dass Gott ihn geführt hat und er sich ziemlich sicher sein kann, dass er das (himmlische) Ziel erreicht (hat).

Das Textkonzept ist im Booklet komplett abgedruckt.

Musikalisch verpackt der überzeugte Christ das in eine der stärksten Veröffentlichungen seiner musikalischen Biographie. Es wird ein so fantastisches Prog Rock Feuerwerk abgebrannt, wie man es von ihm erwarten darf. Immer wieder werden sowohl die Grenzen zum Prog Metal, wir zum Jazz-Rock zumindest angetastet. Musikhistorisch geraten sehr stark Genesis in den Blick. Gerade auf der zweiten CD sind immer wieder Anklänge an die frühen Alben aus der ersten Hälfte der 70er Jahre zu hören. Der Gesang erinnert mehr als einmal an Peter Gabriel. Auch Teile des Artworks (Centrefold und CD-Aufdruck) erinnern stark an Nursery Cryme. In diese Zeit verweisen auch Sounds z.B. in „Draw the Line“, die wie Zitate aus der Rockoper Jesus Christ Superstar wirken, während „Makes no Sense“ kurz an Smallcreeps’s Day, das Solo-Debüt von Mike Rutherford erinnert. Der upliftende „Freedom Song“ lässt dann einen sonnigen West Coast Sound aus dem Knopfloch blitzen. Zusätzlich positiv wirkt sich aus, dass Neal Morse den Pathos, der vor allem die Endphase seiner bisherigen Alben massiv geprägt hatte, deutlich zurück gefahren hat.

Fazit: Der Mann hat aber auch gar nichts verlernt



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
1 Long Day (1:42)
2 Overture (5:51)
3 The Dream (2:28)
4 City of Destruction (5:11)
5 We have got to go (2:29)
6 Makes no Sense (4:10)
7 Draw the Line (4:06)
8 The Slough (3:03)
9 Back to the City (4:18)
10 The Ways of a Fool (6:49)
11 So far gone (5:20)
12 Breath of Angels (6:32)

CD 2
1 Slave to your Mind (6:26)
2 Shortcut to Salvation (4:36)
3 The Man in the iron Cage (5:16)
4 The Road called Home (3:24)
5 Sloth (5:48)
6 Freedom Song (3:59)
7 I'm running (3:44)
8 The Mask (4:28)
9 Confrontation (3:59)
10 The Battle (2:58)
11 Broken Sky / Long Day (Reprise) (9:58)

Besetzung

Neal Morse (Voc, Keys, Git, Perc, Mandoline)
Bill Hubauer (Keys, Voc)
Eric Gilette (Git, Voc)
Randy George (B)
Mike Portnoy (Dr, Voc)

Gäste:
Chris Carmichael (Violine, Viola, Cello)
Eric Darken (Perc <1-12>)
Ann McCrary (Back Voc <1-12>)
Alfreda McCrary (Back Voc <1-12>)
Regina McCrary (Back Voc <1-12>)
Sarah Hubauer (Sax <1-2>)
Spencer McKee (Marimba <2-10>)
Dave Buzard (Stomps <1-4>)
Bruce Babad (Sax<2-2>)
Seve Herrman (Trompete <2-7>)
Jim Hoke (B <2-7>)
Rich Mouser (Pedal Steel <2-6>, Git <2-3>)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger