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Reviews

Dire Straits

Dire Straits


Info

Musikrichtung: Rock

VÖ: 10.10.1978

(Vertigo / Phonogram)

Gesamtspielzeit: 41:28

Spätestens mit dem Album Brothers in Arms gehörten die Dire Straits zum absoluten Oberhaus der Musikszene. Das hat auch auf den Ruf ihrer früheren Alben abgefärbt. Es mag in ihrem Backkatalog ein oder zwei Alben geben, bei denen man darüber streiten kann, ob sie den Status eines Klassikers haben. Dazu gehört das Debüt auf jeden Fall nicht. Das war nicht von Anfang an absehbar.

Denn eine besser Walh hätten die Dire Straits für ihren Bandname gar nicht treffen können. Die Umstände, unter denen die Dire Straits (dt.: schwierige Umstände) 1978 antraten, waren für eine Band ihrer Art alles andere als verheißungsvoll. Das zeigt sehr anschaulich ein Sampler, auf dem 1978 eine frühe Live-Aufnahme von ihnen erschien.

Die Aufnahme von „Eastbound Train“ stammt vom Hope & Anchor Front Row Festival, das vom 22. November bis zum 15. Dezember 1977 im Hope & Anchor in Islington (London) stattfand. Stilistisch standen die Dire Straits damals mit ihrem elaborierten, fast intellektuellen, leicht swingen Rock völlig allein da. Auf dem Sampler sind neben ihnen vor allem Punk Bands vertreten – etliche längst vergessene Acts, aber auch Bands wie die Stranglers, X-Ray-Spex und XTC. Daneben sind Pub-Rocker, wie die Steve Gibbons und die Wilko Johnson Band oder der Reggae Act Steel Pulse zu hören.

„Eastbound Train“ selber passt mit seinem pub-rockigen Sound da noch halbwegs rein. Deshalb wurde dieses Stück wahrscheinlich für den Sampler ausgewählt. (und ist nie auf einer regulären Dire Straits-Scheibe erschienen – wobei ich Sampler und Bonus-Tracks späterer Editionen ausklammere. Möglicherweise wurde er dafür mal ausgegraben.)

Aber die glassklaren Gitarrenakkorde Mark Knopflers, bei denen oft jeder einzelne klingt, als habe der Gitarrist sich gerade jetzt ganz genau überlegt, warum genau in diesem Moment dieses gesagt werden muss, sind geradezu Antithesen zu der ungestümen, bewusst wilden Punk-Attitüde, die die ausgehenden 70er bestimmte.

Dass sich die Dire Straits einmal zu einer der führenden Stadion-Rock Formationen weltweit entwickeln würden, war aber nicht nur wegen der unzeitgemäßen Geburt nicht zu erahnen. Die neun Stücke, die auf dem Debüt versammelt sind, schreien eher nach der intimen Atmosphäre eines Clubs, in dem man den Musikern in die Augen und auf die Finger sehen kann.

Das Album beginnt mit einem undefinierbaren technischen Brummen, so als habe man gerade ein Gerät eingeschaltet. Es folgen wie versuchsweise ein paar isolierte Akkorde bevor das Stück einfach göttlich losperlt. Und wie immer steht die Gitarre von Mark Knopfler deutlich im Vordergrund. Beim folgenden „Water of Love“ kommen deren Töne eindeutig von Stahlsaiten und erheben sich klar und dominant über dem percussiven Grundsound. Ganz anders wirkt da das satt groovende „Setting me up“, das bald zum Repertoire des Gitarrengottes Eric Clapton gehören sollte. Ein erster Ritterschlag.
Mit „Six Blade Knife“ zeigen sich die Straits von ihrer gefühlvollen Seite, bevor das druckvolle, im Vergleich zum Rest aber unauffällige „Southbound again“ die erste LP-Seite abschliesst.

Was soll man zum Opener der zweiten Seite noch sagen. Mit „Sultans of Swing“ haben die Mannen um die Knopfler-Brüder bereits mit ihrem Debüt einen All Time Klassiker abgeliefert, der für viele Fans bis heute die Kronjuwele im Portfolio ist. Hier hat sich Knopfler eine grandiose Bühne für sein Speil geschaffen - und gleichzeitig eines der vielleicht geschlossensten Stücke der Bandgeschichte.
Danach kämpft die Band sich wie nie zuvor durch die Emotionen von „In the Gallery“, um mit dem harmonischen „Wild West End“ aufs Ziel zuzugehen, bei der die Vocals wie nach einer durchzechten Nacht klingen und ein wenig an Wolfgang Niedecken erinnern.

Über der Review steht die Verlegenheits-Kategorie "Rock", die letztlich nichts aussagt. Aber auch wenn man an bestimmten Stellen, Progressive, Songwriter, Swing sagen würde, wäre das kaum eine Hilfe. Den Dire Straits ist es mit ihrem Debüt gelungen, ein Album zu kreieren, das kaum Vergleichbares findet und allein steht - selbst im Kontext des eigenen Backkatlogs.

Dass es sich hierbei um eine Pflichtscheibe für jede Sammlung handelt, braucht wohl nicht mehr extra erwähnt zu werden.



Norbert von Fransecky

Trackliste

1Down to the Waterline 3:59
2 Water of Love 5:22
3 Setting me up 3:19
4 Six Blade Knife 4:09
5 Southbound again 2:57
6 Sultans of Swing 5:34
7 In the Gallery 6:14
8 Wild West End 4:42
9 Lions 4:54

Besetzung

Mark Knopfler (Voc, Lead Git)
David Knopfler (Git)
Pick Withers (Dr)
John Illsley (B)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger